Vor 14 Jahren war dies anders. Im Dezember 2011 wurde der Grundstein für die damals größte “Kleiderkiste” Europas gelegt und allseits begrüßt. Rund 1.000 Arbeitsplätze wollte Zalando im Gewerbegebiet in Erfurt schaffen und Wirtschaftsminister Matthias Machnig sowie Oberbürgermeister Andreas Bausewein jubelten. Mit hohen Millionen-Subventionen konnte Zalando nach Erfurt gelockt werden. Dies geschah zu einer Zeit, wo die Arbeitslosigkeit in Erfurt von ehemals 20 auf 9 Prozent gesunken war. Aber es gab eine hohe Zahl von Hartz IV Bedarfsgemeinschaften und die da zu kalkulierenden niedrigen Lohnsummen gaben neben den Fördermitteln wohl den Ausschlag für Erfurt.
Nun zieht der Logistik-Nomade weiter und entlässt 2.700 Menschen in die Arbeitslosigkeit. Das Ende von Zalando in Erfurt wirf berechtigte und wütende Proteste auf. Es wird aber von der Politik nicht zu verhindern sein. Die Bindungsfrist für die Fördermittel ist ausgelaufen und andere Druckmittel haben weder Stadt noch Land. Sicher werden viele der Zalando-Mitarbeiter einen neuen Job finden – sicher aber auch nicht besser bezahlt. Und des wird Menschen geben, die nur schwer oder nicht am Arbeitsmarkt vermittelt werden können. Um diese Wahrheit drücken sich bis jetzt leider viele der öffentlichen Statements herum.
Im Ältestenrat der Stadt Erfurt haben wir heute über die Situation nach dem Zalando-Aus diskutiert. Neben den 2.700 – 3.000 betroffenen Menschen hat auch die ganze Stadt ein großes Problem. Mit Zalando als größtem Arbeitsgeber fällt auch einer der größten Gewerbesteuerzahler weg. Ob dadurch nun mit 5 Millionen oder gar mit 10 Millionen Euro Minus in der städtischen Kasse zu rechnen ist, muss der Finanzbeigeordnete noch beziffern. In jedem Fall wird dies wohl einen Nachtragshaushalt mit erheblichen Einschränkungen nach sich ziehen. Auf die Rücklagen hat die Stadt gerade bei der Haushaltsbeschlussfassung großzügig verzichtet und stattdessen eine Ausweitung der sogenannten freiwilligen Leistungen beschlossen. Selbst das Kita-Moratorium schwebt noch durch die Gänge des Rathauses. Ich ahne, es kommen schwierige Zeiten auf viele der Zalando-Mitarbeiter und auf die Stadt zu.