Umplanungen und viel Unterstützung

Die 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage laufen auf Hochtouren und dies ist für unseren Festivalleiter Johannes Gräßer mit ziemlich viel Stress verbunden. Von den 16 israelischen Künstlern konnten leider nur wenige anreisen, deshalb muss einiges improvisiert und umgebaut werden. Wir bekommen dabei aber auch viel Unterstützung und Zuspruch. In dieser Woche war Daniel Aschheim zum Kurzbesuch in Erfurt und beeindruckt was im Rahmen der Kulturtage alles passiert. Gern habe ich dem Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Botschaft des Staates Israel auch unsere Synagoge und Teile der Altstadt gezeigt. Johannes Gräßer nahm sich trotz allem Stress Zeit für ein gutes Gespräch.

Die erste von drei Wochen der Kulturtage ist jetzt vorbei. Bei vier Veranstaltungen war ich schon – nächste Woche kommen fünf hinzu. Vier Mal werde ich die Buchvorstellung mit Tanja Raab eröffnen und moderieren (zwei Mal Erfurt, Meiningen und Gera). Diesen Sonntag bin ich ebenfalls in Gera zum Vortrag “Fritz Bernstein – Antisemitismusforscher, Zionist und Staatsgründer aus Thüringen”. Eine Woche später bin ich noch einmal Gera – dann zum Vortrag und zur Ausstellungseröffnung mit Bildern von Halina Hildebrand.

Auch außerhalb der Kulturtage gibt es noch ein interessantes Angebot. Ahmad Mansour wird in Weimar sprechen und ich darf an der Podiumsdiskussion mitwirken. Bedauerlicherweise müssen wir eine Veranstaltung, die mit Arye Shalicar am 19.3. geplant war absagen. Er kann momentan nicht fliegen. Aber wir holen den Termin nach.

Programm der Kulturtage

Bilder von Veranstaltungen

Simson und viel mehr

Simson Mopeds werden seit über 35 Jahren nicht mehr produziert, aber dennoch oder gerade deshalb haben sie Kultstatus. Bei Jugendlichen weil es cool ist eine Simson mit bis zu 60 km/h zu fahren. Bei Älteren, weil es an die Jugendzeit erinnert – fast jeder aus der ehemaligen DDR hat darauf gesessen.

Aber Simson ist viel mehr. Es war eine Firmenmarke, die vor dem Krieg alles mögliche produziert hat – Puppenwagen, Fahrräder, Kühlschränke und auch Waffen. Die Enteignung der jüdischen Familie wurde von den Nazis konsequent betrieben und nach dem Krieg wurde daraus das Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk, als sozialistischer Betrieb. Es blieb aber der Markenname für die Simson-Mopeds.

Im Fahrzeugmuseum Suhl war ich schon mehrfach zu Besuch. Beim heutigen Besuch konnte ich mit dem Vorsitzenden des Fördervereins Dr. Hartmut Göbel und dem Schatzmeister Wolfgang Wehner über das geplante Projekt zur Aufarbeitung der jüdischen Firmengeschichte von Simson sprechen. Gern helfe ich dabei das Projekt umzusetzen.

Fotos aus Suhl

 

Sonderausstellung „HAMSA – HAMSA – HAMSA“

Gestern Abend fand eine ausgesprochen gelungene Ausstellungseröffnung in der Galerie Waidspeicher im Rahmen der „34. Jüdisch-Israelische Kulturtage Thüringen“ statt. Bis zum 5. Juli 2026 zeigt das Netzwerk Jüdisches Leben Erfurt in Kooperation mit Gastkurator Ido Noy und den Erfurter Kunstmuseen die Ausstellung „HAMSA – HAMSA – HAMSA“ in der Galerie Waidspeicher.

Bei der Ausstellungseröffnung konnte ich viel über Hamsas lernen. Maria Stürzebecher, die die Ausstellung initiiert hat, erklärte mir die Motive und vieles mehr. Bei mir hängen daheim mehrere Hamsas aus Jerusalem, die ich von Freundinnen geschenkt bekommen habe und die ich wunderschön finde. Mit dem historischen Hintergrund hatte ich mich aber bis gestern noch nie beschäftigt. 

Die Ausstellung widmet sich der geöffneten Handfläche mit ihren fünf Fingern. Die Hand ist ein in den drei größten Weltreligionen weit verbreitetes und bedeutsames Motiv in der darstellenden, volkstümlichen und populären Kultur. Die Handfläche gilt ebenso wie die Zahl fünf als göttliches Zeichen der Quelle für Heilung sowie gute Gesundheit und Fruchtbarkeit.

Insbesondere in der jüdischen und muslimischen Tradition wird dieses Symbol für Schutz und Glück oft als Amulett oder Talisman verwendet, um negative Kräfte abzuwehren sowie ihrem Eigentümer Segen und Glück zu bringen. Die Ausstellung zeigt Arbeiten von elf israelischen Künstlerinnen. Diese Arbeiten werden begleitet von einer Collage aus 555 Hamsas aus den Läden der Jerusalemer Altstadt. Sie stehen für lokale Traditionen und kulturellen Austausch.

Die Ausstellung ist eine unbedingte Empfehlung!

Bilder der Ausstellungseröffnung

Gemeinsames Engagement gegen Antisemitismus

Zwei Mal im Jahr treffen sich die Antisemitismusbeauftragten von Bund und Ländern zu einer Tagung, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen und gemeinsame Aktivitäten zu planen. Besonders gerne bin ich am Montag dazu nach Mainz gefahren, auch wenn dies 500 Autobahnkilometer bedeutet hat.

Mainz ist die Partnerstadt von Erfurt, aber wir haben auch gemeinsame jüdische Bezugspunkte. Erfurt ist UNESCO Welterbe mit seinen jüdischen Bauwerke und Mainz ist gemeinsam mit den anderen beiden SchUM-Städten Worms und Speyer ebenfalls UNESCO Welterbe wegen seiner jüdisch geprägten Vergangenheit. Somit war es ganz selbstverständlich, dass wir zum Beginn unserer Tagung die Ausstellung “Shalom am Rhein” im Landesmuseum besucht haben..

Neben dem Austausch der Länder- und Bundaktivitäten, lernten wir die Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung der Universität Trier. Zum Welterbe SchUM sprach Birgit Kita und Christoph Pies erläuterte die Arbeit des Förderkreises Synagoge Laufersweiler. Leider zum letzten Mal dabei war der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung Felix Klein, der beruflich zur OECD nach Paris wechselt. Seit 2018 ist er im Amt und hat das Thema der Bekämpfung des Antisemitismus engagiert und kompetent vertreten. Vielen Dank dafür! Vielleicht sehen wir uns noch bei einer Veranstaltung in Erfurt – geplant ist das jedenfalls.

Ein gemeinsames Abendessen mit jüdischen Verbänden im Staatstheater beschloss den Tag – allerdings noch nicht für mich, es folgten noch drei Stunden Autobahn. Am nächsten Tag hatte ich einen Termin an der Hochschule in Nordhausen mit der Antisemitismusbeauftragten der Hochschule Nordhausen Prof. Dr. Cordula Borbe. Danke, für das gute Gespräch und das Engagement gegen Antisemitismus! Der Präsident der Hochschule Prof. Dr. Jörg Wagner unterstützt dieses Engagement und hat eine klare Position, die er beim Begrüßungsgespräch verdeutlichte. Es tut gut zu wissen, dass es an unseren Hochschulen Menschen mit einem klaren Kompass gibt.

Bilder der Antisemitismustagung

Bilder aus Nordhausen

Chancenlos im Ostderby

Das letzte Heimspiel der Hauptrunde sorgte noch einmal für eine volle Halle, aber leider nicht für Punkte auf Erfurter Seite. Kommenden Samstag geht es dann noch zum letzten Auswärtsspiel und dann folgen erstmals in der Vereinsgeschichte die Playoffs. Nachfolgend der Spielbericht vom Ostderby:

Das mitteldeutsche Derby war eine kurze und klare Angelegenheit. Gegen den Dresdner SC blieb Schwarz-Weiß Erfurt chancenlos und unterlag vor 1003 Zuschauern glatt mit 0:3 (-15, -12, -15).

Das Spielergebnis war bei realistischer Betrachtung vorher so zu erwarten. Zu klar waren die Vorzeichen vor der Partie. Während sich der DSC im Spitzenquartett mit der Konkurrenz aus Stuttgart, Schwerin und Suhl um die besten Plätze battelt, steht Schwarz-Weiß Erfurt fast fest zementiert auf Platz acht. Auch die enttäuschende Vorstellung am Mittwoch in Borken sorgte nicht für Zuversicht.

Symptomatisch startete die Partie vor großer Kulisse in der Riethsporthalle, darunter knapp 100 lautstarke Gästeanhänger. Dresden, das mit seinem Stammsechser auflief, wollte keine Zweifel aufkommen lassen, wer am internationalen Frauentag Chefin im Ring ist. Eine 8:1-Führung stellte frühzeitig die Weichen. Erfurt fing sich zwar etwas, aber nach dem vierten Satzball, verwandelt von Jette Kuipers, stand ein 15:25 auf der Anzeigetafel. Im zweiten Durchgang blieb Schwarz-Weiß bis zum 7:9 auf Schlagdistanz, jedoch sorgte eine starke Aufschlagserie von Amanda Siksna zum 7:16 wieder für deutliche Verhältnisse. Spätestens hier war jedem in der Halle klar, Erfurt würde den Gästen nicht das Wasser reichen können. Zu stark die Aufschläge des DSC, zu wackelig die Erfurter Annahme. Am Netz verteilte die spätere MVP, Emma Grome, die Bälle nach Belieben, was sich in der ausgeglichenen Punktestatistik aller Angreiferinnen widerspiegelt. Lorena Lorber Fijok machte den Sack zum 25:12 zu.

Im dritten Satz nach der zehnminütigen Pause ein kleiner funken Hoffnung unter den Erfurter Anhängern, als ihr Team mit 5:1 führte. Aber dieser Funken erlosch schnell, als der DSC auf 7:15 stellte. Der eingewechselten Miku Akimoto war es vorbehalten, mit einem Ass zum 25:15 die Partie nach lediglich knapp einer Stunde Spielzeit zu beenden.

Der hochverdiente Sieger darf sich noch Hoffnung machen, zum Ende der Hinrunde vielleicht noch auf Platz drei oder zwei zu springen. Erfurt hingegen bleibt vor dem abschließenden Spiel in Münster auf Platz acht hängen und wird sich in den Playoffs wohl mit dem Spitzenreiter Stuttgart duellieren. (St.S.)

Bilder und Videos vom Spiel

Abschluss einer beeindruckenden Karriere

Sie hat es geschafft und tritt als Olympiasiegerin ab! Dajana Eitberger ist am Wochende ihre letztes Rennen gefahren. Die Ilmenauerin hat eine absolut beeindruckende Sammlung von Erfolgen. Gold und zwei Mal Silber bei den Olypischen Spielen, zwei WM-Titel, einmal Silber und 5 Mal Bronze und dazu diverse Erfolge bei Europameisterschaften und Weltcups. Nachdem sie zunächst im Einzel erfolgreich war, beendete sie die Karriere, um im Doppel neu anzugreifen. Die Olympischen Spiele in Cortina waren das Ziel und die Teilnahme krönte sie mit ihrer Doppelpartnerin Magdalena Matschina mit Gold und Silber.

2015 habe ich Dajana in Oberhof kennengelernt. Sie hatte gerade ihren ersten Weltcup gewonnen. In den letzten 11 Jahren habe ich Dajana bei vielen Rennen erlebt und auch in Ilmenau. Beim letzten Rennen gestern in Altenberg wurde es für sie nocheinmal Platz zwei und damit auch der zweite Platz im Gesamt-Weltcup.

Danke für eine tolle Karriere als Sportlerin und ebenso vielen Dank für die immer freundlichen und aufgeschlossene Art. Viel Erfolg bei allen neuen Vorhaben!

Das letzte Mal in dieser Saison…

Dieses Wochenende ging es für die Hälfte unseres Vorstandes des Thüringer Schlitten- und Bobsportverbandes noch einmal auf Reisen und unser Rodelmaskottchen Flocke durfte nocheinmal mit. Wir waren in dieser Saion zusammen bei etlichen Weltcups – Cortina, Lillehammer, Sigulda und zwei Mal Oberhof. Dazu noch bei den Olympischen Spielen in Cortina.

Zuende ist die Saison aber erst, wenn der letzte Weltcup gefahren ist. In diesem Jahr wurde auf der Bahn in Altenberg das letzte Rennen gefahren, aber nach den Olympischen Spielen war so ein wenig auch die Luft raus. Sowohl Max Langenhan als Olympiasieger, als auch der Österreicher Jonas Müller verzichteten auf einen Start in Altenberg. Müller, weil ihm die Bahn zu gefährlich ist und Max, weil er Nackenprobleme hat. Die Doppel-Olympiasieger Tobias Wendl und Tobias Arlt reichten ihren Startplatz an ein Nachwuchteam weiter. Sowohl im Einzel der Männer, als auch im Doppel bei Männern und Frauen war der Gesamt-Weltcup praktisch schon entschieden.

Lediglich im Damen-Einzel blieb es bis zum letzten Start spannend. Merle Fräbel gewann zwar das letzte Weltcuprennen, aber da Julia Taubitz zweite wurde, reichte es knapp mit 4 Punkten Vorsprung zum Gesamt-Weltcup.

Für uns war das Wochenende nocheinmal ein schöner Abschluss einer erfolgreichen Saison. Jetzt geht es an die Auswertung der vergangenen und Planung der neuen Saison. Im Weltcup-Kalender steht nächstes Jahr wieder die Bahn in Königsee. Ich bin gespannt…

Bilder vom Weltcupfinale

Beeindruckendes Doppelkonzert zur Eröffnung der 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage

Im Atrium der Stadtwerke Erfurt gab es gestern „zwei tolle Konzerte zum Preis von einem“ so formulierte es Ministerpräsident Mario Voigt bei der Eröffnungsveranstaltung der 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage. Bis zuletzt war offen, ob das Sharon Mansur Trio rechtzeitig zum Eröffnungskonzert anreisen konnten. Nach 29 Stunden Reisezeit haben sie es aber doch von Israel nach Erfurt geschafft und standen auf der Bühne. Festivalleiter Johannes Gräßer hatte sicherheitshalber noch einen Joker im Ärmel, den er auch gezogen hat. Das Berliner Ensemble Sistanagila – bestehend aus israelischen und iranischen Künstlern – spielte und beeindruckte ebenfalls.

In den Grußworten machten der israelische Botschafter Ron Prosor, der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Reinhard Schramm und Mario Voigt deutlich warum das Festival auch in schwierigen Zeiten stattfindet und welche Signale es sendet. Mario Voigt erklärte, dass das Festival sozusagen ein „Iron Dome“ gegen Antisemitismus und Israelfeindlichkeit ist und erhielt dafür breite Zustimmung.

Bei der diesjährigen Eröffnung konnten wir viele Gäste begrüßen. Landtagspräsident Thadäus König, Vizepräsident Steffen Quasebarth, Oberbürgermeister Andreas Horn, die Fraktionsvorsitzenden der CDU und Linken Andreas Bühl und Christian Schaft, der Antisemitismusbeauftragte des Bundes Felix Klein und viele weitere Gäste aus Politik und Gesellschaft zeigten ihre Solidarität und Verbundenheit zur Jüdischen Landesgemeinde.

Ich freue mich jetzt auf die bevorstehenden Kulturtage. Seit nunmehr 25 Jahren bin ich im Vorstand des Fördervereins dabei und werde auch in diesem Jahr wieder etliche Veranstaltungen selbst mitgestalten und aktiv begleiten. In den vergangenen Jahren habe ich etliche Vorträge zu Israel und zum Thema Amntisemitismus für die Landeszentrale für politische Bildung gehalten und auch in diesem Jahr werde ich dies tun – nun aber als Beauftragter für jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus. Zudem werde ich etliche Buchvorstellungen moderieren und begleiten.

Unsere 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen finden in den nächsten drei Wochen mit 80 Veranstaltungen an 16 Orten in ganz Thüringen statt. Das Festival der Jüdischen Landesgemeinde und des Fördervereins für Jüdisch-Israelische Kultur in Thüringen e.V. ist das am längsten stattfindende, der drei Thüringer Festivals, und hat inzwischen seinen festen Platz im Frühjahr jeden Jahres gefunden. Gemeinsam mit ACHAVA und Yiddish Summer Weimar haben die drei Festivals eine wichtige Funktion, um jüdisches Leben sichtbar und bekannt zu machen.

Ein Alleinstellungsmerkmal auch bundesweit ist, dass die Jüdisch-Israelischen Kulturtage bewusst Israel im Namen tragen. Neben den kulturellen Angeboten ist damit ein klares Bekenntnis zu Israel verbunden. In diesem Jahr sind unter den Künstlern auch zahlreiche Israelis, die mit mehr als 20 Programmpunkten ein starkes Signal senden.

Unterstützt werden die Jüdisch-Israelischen Kulturtage von Anbeginn durch das Land, aber auch durch viele Kommunen und Sponsoren. Die große überregionale mediale Beachtung des Festivals, zeigt die Wertschätzung für die langjährige Arbeit in Thüringen.

Im Rahmen des Festivals wird auch eine Ausstellung von Porträts aus Haifa und Erfurt gezeigt. Mit dieser Ausstellung, die im Herbst auch in Haifa gezeigt werden soll, wird anlässlich der 20jährigen Städtepartnerschaft zwischen Haifa und Erfurt ein starkes Zeichen für den Dialog und die Verbundenheit gesetzt.
Ausstellungen, Konzerte, Performances, Filme, Vorträge und Buchvorstellungen bieten ein breites Programm, welches viele Thüringerinnen und Thüringer erreichen soll. Jüdisches Leben sichtbar zu machen, ist neben Bildungsangeboten zur israelischen und jüdischen Geschichte das wichtigste und wirksamste Instrument gegen Antisemitismus. Deshalb gilt allen Organisatoren und Mitwirkenden und an deren Spitze der Vorsitzenden des Fördervereins Dorothea Marx, dem Festivalleiter Johannes Gräßer sowie dem Vorsitzenden der jüdischen Landesgemeinde Reinhard Schramm der große Dank für die Fortführung der langen Tradition der Jüdisch-Israelischen Kulturtage.

Programm der Kulturtage

Bilder und Videos von der Eröffnung

Mit Musik gegen Antisemitismus

Ein ausgesprochen gutes Projekt gegen Antisemitismus konnte ich heute an der Kooperativen Gesamtschule in Erfurt begleiten und wir werden es in der kommenden Woche am Königin Luise Gymnasium fortsetzen. Vier Musik-Studentinnen aus Weimar haben dabei drei Musikstücke aufgeführt und dies mit einem ersten Hintergrund. Die Musik wurde von drei jüdischen Künstlern komponiert, die im Holocaust ermordet wurden.

Die Initiatorin des Projekt Eilleen Sprock hatte mich vor einigen Wochen kontaktiert und von ihrem Vorhaben berichtet. Sie hat mich gebeten, es zu unterstützen. Sehr gerne habe ich zugesagt, dazu auch den inhaltlichen Teil, also einführendes Grußwort und die anschließende Diskussion mit den rund 50 Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften der KGS zu gestalten. Seit 2001 habe ich immer wieder die Schirmherrschaft über Denktagprojekte der KAS und Zeitzeugengespräche übernommen. Das jetzige Konzept des Gedenkens und der inhaltlichen Diskussion über Antisemitismus setzt diese Idee fort. Ich bin sehr froh, dass es junge Menschen wie Eileen Sprock gibt, die sich Gedanken machen, wie Schülerinnen und Schüler erreicht werden können und zudem das Gedenken an die Opfer des Holocaust wach gehalten werden kann. Nachfolgend meine heutigen einführenden Worte:

“6 Millionen Juden wurden im Holocaust von den Nazis ermordet. Die Erinnerung an sie wach zu halten, ist für uns alle eine Verpflichtung. Drei von ihnen haben wir heute besonders im Blick und ich bin sehr dankbar dafür, dass wir dies auch hier an der KGS in Erfurt tun können.

Heute Abend ist die Eröffnung der 34. Tage der Jüdisch-Israelischen Kultur in Thüringen. Dabei geht es darum in 80 Veranstaltungen jüdisches Leben am Beispiel jüdisch-israelischer Kultur sichtbar zu machen.

Beim heutigen Konzert von Eileen Sprock, Seohyun Lee, Valerie Hartling und Emelie Steinmetz geht es darum, jüdische Kultur und Kunst zu bewahren und die Erinnerung an die Künstler wach zu halten.

Beides ist wichtig und deshalb unterstütze ich das Projekt von Eileen Sprock ebenso gerne, wie die Jüdisch-Israelischen Kulturtage. Ich tue dies in meiner Funktion als Beauftragter der Landesregierung für jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus in Thüringen.

Die Musikstücke von Pavel Haas, Erwin Schulhoff und Viktor Ullmann haben etwas Gemeinsames. Sie entstanden, kurz bevor und während die Künstler schon in Konzentrationslagern bzw. im Ghetto Theresienstadt waren.

Es gab viele jüdische Künstler, die währen der Zeit des Holocaust tätig waren. Es entstanden Bücher, Musikstücke und Bilder. Die Motivation war für sie unterschiedlich. Es gab Künstler, die darin ein Mittel sahen, sich der Unterdrückung durch die Nazis zu widersetzen. Das Schaffen von Kunst und auch ihre Aufbewahrung fand meist heimlich und unter Lebensgefahr statt. Es wurden damit aber auch Momente der Menschlichkeit und des jüdischen Glaubens in den Ghettos und Konzentrationslagern dokumentiert. Die Musik und die Bilder waren somit auch ein Zeugnis des Kampfes der Juden, um die Wahrung ihrer Würde, Identität und Kultur.

Neben dem bekanntesten Beispiel, dem „Tagebuch der Anne Frank“ und der Musik der drei Künstler die heute gespielt werden, möchte ich noch einen weiteren Bezug herstellen. Zwei der Künstler – Pavel Haas und Victor Ullmann – waren im Getto Theresienstadt/Terezin. In Theresienstadt fand scheinbar ein normales Leben statt, es wurde sogar musiziert und komponiert – unter anderem die sehr bekannte Kinderoper Brundibar. Aber dies war nur eine von den Nazis konstruierte Idylle.

Die kleine Stadt, war ein Ghetto, welches die Nazis als Vorzeigestadt für das Internationale Rote Kreuz konstruiert hatten. Viele Familien und insgesamt 11.000 Kinder waren in Theresienstadt. Nur 100 jüdische Kinder überlebten den Holocaust. Wie ihre Eltern wurden fast alle Menschen aus Theresienstadt am Ende des 2. Weltkrieges von den Nazis in Vernichtungslager, zumeist Auschwitz, deportiert und dort umgebracht.

Drei der Mädchen von Theresienstadt konnte ich vor 24 Jahren kennenlernen und mit ihnen eine Projektwoche an Erfurter Schulen durchführen. Helga Weissova, Eva Landová-Merová und Eva Hermanova waren drei der überlebenden Mädchen aus Theresienstadt und sie berichteten damals als Zeitzeuginnen sehr eindrücklich. Ein Buch mit vielen Zeichnungen und Bildern von Helga Weissova, mit dem Titel “Zeichne, was Du siehst” (so hat es ihr Vater ihr gesagt) habe ich heute mitgebracht. 12-14jährige jüdische Mädchen wurden im in Theresienstadt in einem Mädchenheim betreut und nur wenige überlebten das Ghetto und die anschließenden Transporte nach Auschwitz-Birkenau. Sie waren die Mädchen von Zimmer 28. Über ihre Geschichte gibt es ein Theaterstück und ein Buch.

Die beiden tschechischen Komponisten Pavel Haas und Victor Ullmann waren im Ghetto Theresienstadt interniert. Hier schufen sie einige ihrer wichtigsten Werke (von denen leider nur wenige erhalten geblieben sind) und nahmen Teil am musikalischen Leben – bis sie am 16. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht wurden. Erwin Schulhoff seine Musik war schon 1935 verboten. Er ging 1939 in die Sowjetunion. Nach der Besetzung von Teilen der Sowjetunion wurden Juden auch von dort nach Theresienstadt, oder wie Erwin Schulhoff auf der Festung Würzburg deportiert. Auch er erlebte das Kriegsende und die Befreiung nicht mehr.”

Gespielt wurde:

Pavel Haas Streichquartett No.1

Erwin Schulhoff 5. Stücke für Streichquartett (Nr.3&4)

Viktor Ullmann Quartett Nr.3 (Largo)

Bilder von der Veranstaltung

      

Umplanung bei den Jüdisch-Israelischen Kulturtagen

 

Unser Festivalleiter Johannes Gräßer ist momentan wahrlich nicht zu beneiden. Nachdem er ein tolles Programm für die 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage organisiert und wir es gemeinsam in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz vorgestellt haben, ist nun wieder alles anders.

Der Krieg im Nahen Osten hat alles auf den Kopf gestellt. Meine Freundinnen und Freunde in Israel sind alle wohlauf, aber auch in Sorge um ihre Familien. Momentan gibt es keine normalen Flugverbindungen und dies führt dazu, dass Israelis in aller Welt “gestrandet” sind. Andere kommen aber auch nicht nach Deutschland und dies betrifft unsere 16 israelischen Künstlerinnen und Künstler. In einer Pressemitteilung hat Johannes Gräßer heute erklärt, was dies für die Kulturtage bedeutet:

34. Jüdisch-Israelische Kulturtage Thüringen FINDEN STATT – Eröffnung am 5. März wie geplant im Atrium der Stadtwerke Erfurt
Israelisch-iranisches Musikprojekt „Sistanagila” übernimmt kurzfristig das
Eröffnungskonzert / Mehrere direkt aus Israel eingeladene Künstlerinnen und Künstler können kriegsbedingt nicht anreisen

Die 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen (www.jikt.de) werden am Donnerstag, 5. März 2026, um 19:30 Uhr wie geplant mit einer feierlichen Eröffnung im Atrium der Stadtwerke Erfurt beginnen.
Das bekräftigt die Festivalleitung angesichts der dramatischen Eskalation des Konflikts zwischen Israel und Iran, der zur weiträumigen Sperrung des Luftraums über dem Nahen Osten bis mindestens 7. März geführt hat. Von dieser Situation sind unmittelbar mehrere der direkt aus Israel eingeladenen Künstlerinnen und Künstler betroffen. So kann das Sharon Mansur Trio, das das Eröffnungskonzert hätte gestalten sollen, nicht nach Thüringen reisen. Auch die Auftritte der Olama Band, des Haifa-Erfurt Streichquartetts, sowie das DJ-Set von Shai Amsalem aka EZRA1 aus Haifa entfallen „Stand jetzt“ ersatzlos. Die Vernissage „Hamsa, Hamsa, Hamsa” wird ohne die aus Israel beteiligten
Künstler eröffnet. Zur geplanten Vernissage mit Porträts aus Haifa und Erfurt wird versucht, die israelische Fotokünstlerin Yaeli Gabriely per Video zuzuschalten.
Festivalleiter Johannes Gräßer: „Wir sind unglaublich traurig, das mitteilen zu müssen. Dennoch werden wir alles dafür tun, dass die Kulturtage ihr Anliegen für Dialog, Diskussion und Verständigung erfüllen. Ich möchte auch noch einmal klar sagen: Wir sind gegen jedweden Boykott jüdisch-israelischer Künstler und werden dem entschieden widersprechen und entgegentreten.
Unsere Kulturtage finden statt. Sie sind aktuell wichtiger denn je.”

Sistanagila: Ein Zeichen der Hoffnung zum Auftakt

Als besonderen und zutiefst bedeutsamen Ersatz für das Eröffnungskonzert konnte die Festivalleitung kurzfristig das israelisch-iranische Musikprojekt „Sistanagila” gewinnen. Die in Berlin lebenden Musikerinnen und Musiker haben sich zusammengeschlossen, um durch die universelle Sprache der Musik den Dialog zwischen zwei Völkern zu suchen, die sich derzeit in einem Krieg befinden. Ihr Programm verbindet folkloristische und religiöse Elemente aus der Klezmer-, sephardischen und traditionellen persischen Musik mit modernen und klassischen Kompositionen. Einflüsse aus Flamenco, Jazz und progressivem Metal verleihen dem Projekt einen zeitgenössischen und zugleich brückenbildenden Charakter — ein künstlerisches Statement, das aktuell kaum wirkungsvoller sein könnte.

Adam Chichportiche bereits in Thüringen

Gute Nachricht für das Publikum in Erfurt und Gera: Adam Chichportiche, der bereits am 25. Februar 2026 die Medienkonferenz der Kulturtage musikalisch begleitet hat und sich noch in Thüringen befindet, wird gemeinsam mit einer Musikerin seine geplanten Auftritte wahrnehmen können. Der Künstler verbindet auf der Lavta westliche und nahöstliche Musiktraditionen und steht
damit exemplarisch für das Anliegen der gesamten Kulturtage.

Festival mit Haltung

Die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gibt es seit 34 Jahren. Geplant waren in diesem Jahr diesem Jahr rund 80 Veranstaltungen an 16 Orten im Freistaat. Professor Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen: „Dass das Festival trotz Krieg und Reiseunmöglichkeit stattfindet, ist nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein politisches Signal: gegen Gleichgültigkeit, gegen Boykott, für Verständigung!“

Weitere Informationen zum Programm der 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen unter http://www.jikt.de