Fritz Bernstein – Antisemitismusforscher, Zionist und Staatsgründer aus Thüringen

Im Rahmen der 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage war ich heute in Gera und habe mit Christoph Gann einen interessanten und guten Nachmittag zu Fritz Bernstein erleben und gestalten können. Die Veranstaltung in der Villa Mazur war gut besucht und begann mit einem Einblick in die Geschichte der Villa. Ein jüdischer Teppich-Fabrikant lebte einst in der Villa mit seiner Familie.

Die Geschichte und das Wirken von Fritz Bernstein ist – obwohl er aus Thüringen kommt – bei uns weniger bekannt und dies obwohl sie ausgesprochen beeindruckend ist. Fritz Bernstein wurde 1890 in Meiningen geboren, ist aber schon in jungen Jahren nach Holland gegangen und hat sich dort in der zionistischen Bewegung engagiert. 1936 emigrierte er in das britische Mandatsgebiet Palästina und wurde nach der Staatsgründung Israels Regierungsmitglied. Bei der Staatsgründung hat er aktiv mitgewirkt und dies wohl auch, weil er klare Vorstellung hatte, wie ein jüdischer Staat sein soll.

Sein Buch “Der Antisemitismus als Gruppenerscheinung. Versuch einer Soziologie des Judenhasses” erschien 1926, vor genau 100 Jahren und ist heute noch so aktuell, wie damals. Er beschreibt darin sowohl, wo der Judenhass herkommt, als auch was ihn begünstigt. Dass Juden immer und überall eine Minderheit waren, sieht er als zentrale Ursache. Er war Zionist – weniger bekannt als Theodor Herzl, aber genauso mit einer klaren Vision. Der bekannte Satz “Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen.” von Theodor Herzl wurde von Fritz Bernstein ergänzt “Wenn ihr es nicht mehr wollt, ist es sicher nur ein Märchen.”.

Ich bin ausgesprochen dankbar für den heutigen Vortrag von Christoph Gann und nehme daraus die Anregung mit, mich mehr mit Fritz Bernstein zu beschäftigen. 

Nachtrag: Nachdem ich wieder in Erfurt zurück war, habe ich von dem unseeligen Beschluss der Linken in Niedersachsen gelesen. Mit großer Mehrheit haben die Delegierten des Landesparteitages einen Antrag mit der Überschrift “Ablehnung des Zionismus” beschlossen.   

“Weiter heißt es in der Entschließung: »Sowohl die israelische Regierung als auch die Hamas hegen offen Vernichtungsfantasien gegen die jeweils vom anderen vertretenen Volksgruppen. Klar ist: Besatzung, Entrechtung und Perspektivlosigkeit führen zu Terror. Der Gaza-Streifen liegt nach über zwei Jahren Genozid in Trümmern.« Die Forderungen der niedersächsischen Linken richten sich aber ausschließlich an Israels Adresse.

So fordert der in Hannover verabschiedete Antrag ein »Ende der Apartheid in Israel und in den besetzten Gebieten« und prangert einen angeblichen Missbrauch des Antisemitismus-Begriffs an. »Wir kritisieren, wo der Antisemitismusvorwurf instrumentalisiert wird, um Kritik am real existierenden politischen Zionismus zu delegitimieren.« Im ursprünglichen Antrag hatte es noch geheißen, das Bekenntnis zum Antizionismus müsse von der Linken in Niedersachsen »öffentlichkeitswirksam geteilt werden« und die »Verbreitung zionistischer Ideologie untersagt« werden.” (Quelle Jüdische Allgemeine)”.

Mein Kollege Andreas Büttner, Antisemitismusbeauftragter in Brandenburg, hat daraufhin seinen Parteiaustritt bei den Linken erklärt und ich kann ihn darin nur bestärken. Auch ich finde diesen Beschluss empörend und antisemitisch. 

Bilder aus Gera

  

 

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