Es gibt zuwenig Juden in Thüringen und in Deutschland. Der zunehmende Antisemitismus – seit dem 7. Oktober 2023 insbesondere aus dem muslimischen und linken Spektrum sowie der israelbezogenen Antisemitismus – trägt zudem dazu bei, dass Juden weniger in die Öffentlichkeit gehen. Jüdisches Leben ist weniger sichtbar und dies ist ein Grund, warum wir als Gesellschaft viel mehr in die Offensive gehen müssen, um gegen Stereotype und Vorurteile anzukämpfen.
Weil viele Menschen sowenig über Juden wissen, gibt es soviele Klischees. Jüdisches Leben ist aber nicht stereotyp sondern vielfältig. Dies wollen wir mit den Jüdisch-Israelischen Kulturtagen zeigen. Deshalb haben wir neben Musik, Tanz und Ausstellungen auch Buchvorstellungen im Programm. In diesem Jahr ist die junge Autorin Tanya Raab gleich mit vier Veranstaltungen im Programm. Als Beauftragter für jüdisches Leben und die Bekämpfung des Anmtisemitismus sind diese Buchvorstellungen, neben einer Ausstellung der Bilder von Halina Hildebrand und und einem Vortrag zum 7. Oktober meine Beiträge im Programm der 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage.
Tanya Raab hat in ihrem Buch “Shalom zusammen! Warum wir falsche Vorstellungen von jüdischem Leben haben und das gemeinsam ändern sollten” kräftig mit Klischees aufgeräumt. Tanya Raab ist so ganz anders, als die oberflächige Vorstellung, wie Juden sind. Tanya stammt aus der Ukraine und ist mit 3 Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen. In Frankfurt/Oder ist sie aufgewachsen und hat ihre jüdische Identität entdeckt. Sie ist angehende Lehrerin für Deutsch und Russisch, hat eine 5jährige Tochter, trägte gerne eine regenbogenfarbene Kippa und eine Kette mit einem Davidstern auch im Fitnessstudio. Sie ist jüdische Aktivistin und Influenzerin und bekennend quer. In ihrem Buch räumt sie konsequent mit Vorurteilen auf, schildert Datingerfahrungen “Gibt es hier so was eigentlich noch?” wird sie gefragt, als sie erzählt, dass sie Jüdin ist. Antisemitismus hat sie erstmals bewusst in der Schule erlebt und beklagt, dass auch die deutsche Erinnerungskultur nicht immer hilfreich ist bei der Bekämpfung von Antisemitismus.
Die ersten beiden Veranstaltungen haben wir gestern und heute gemeinsam durchgeführt – in Meiningen in der Galerie Ada und in der St. Elisabeth Berufsschule der Caritas. In beiden Fällen hatte sie ein ausgesprochen aufmerksames Publikum. In Meiningen mit 20 Teilnehmern eher die ältere Generation in der BBS 80 Berufsschülerinnen.
Ich freue mich, dass Tanya so ein ganz anderes Bild vermittelt, und ebenso, dass sie auch gute Eindrücke aus Erfurt mitnimmt. Nach der Buchvorstellung in der BBS habe ich ihr die Erfurter Altstadt und das Rathaus, vor allem aber die jüdischen Orte der UNESCO-Welterbestadt gezeigt und von der langen jüdischen Geschuchte erzählt. Seit über 900 Jahren gibt es jüdisches Leben in Thüringen. Ich bin gespannt, wie die Verstaltungen morgen Abend im jüdischen Kultur- und Gemeindezentrum und Sonntag in der Villa Mazur in Gera werden.