Der zunehmende Antisemtismus in unserer Gesellschaft ist frustrierend und sorgt regelmäßig für ernüchternde Befunde. Um so mehr freut es mich, wenn es Erlebnisse wie heute Abend im Werra-Meißner-Kreis gibt. Vom Verein “Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis e.V.” war ich in die Synagoge nach Abterode eingeladen. In der dortigen Synagoge, die 1871 erbaut wurde, gibt es einen Lern- und Gedenkort, der vom Verein mit Leben gefüllt wird.
Vor einigen Wochen habe ich bei einer Ausstellungseröffnung in Mühlhausen die engagierten Vorstandsmitglieder kennengelernt und spontan zugesagt, zu einem Vortrag über jüdisches Leben in Thüringen und die aktuelle Entwicklung des Antisemitismus nach Abterode zu kommen. Ausgesprochen begeistert war ich sowohl vom Gebäude, als auch dem Engagement des Vereins. Die alte Synagoge wurde glücklicherweise während der Nazizeit nicht zerstört und wurde bis 1992 als Lager der Raiffeisenbank genutzt. Nach der umfassenden Sanierung, wurde in der 1. Etage der Synagoge der Lern- und Erinnerungsort geschaffen und im Erdgeschoss ein kleiner Dorfgemeinschaftsladen. Es gibt heute keine Jüdische Gemeinde mehr in Abterode, aber die Synagoge mitten im Ort ist wieder zu einem Mittelpunkt in der Dorfgemeinschaft geworden.
In meinem Vortrag habe ich sowohl über die Entwicklung jüdischen Lebens in Thüringen in den letzten 900 Jahren im Allegemeinen, als auch die jüngere Entwicklung zu DDR-Zeiten und nach der Wende gesprochen. Ein zweiter großer Teil meines Vortrages drehte sich um die aktuelle Entwicklung des Antisemitismus und die Handlungsoptionen dagegen. Bildungs- und Begegnungsarbeit ist nach meiner Auffassung der wichtigste Schlüssel zur Bekämpfung von Antisemitismus. Dabei ist es wichtig sich zu vernetzen und von Erfahrungen anderer zu lernen. Mit den Freunden im Werra-Meißner-Kreis habe ich vereinbart im Kontakt zu bleiben und sie auch regelmäßig zu informieren, wenn wir Veranstaltungen in Mühlhausen oder Eisenach durchführen.