Umplanung bei den Jüdisch-Israelischen Kulturtagen

 

Unser Festivalleiter Johannes Gräßer ist momentan wahrlich nicht zu beneiden. Nachdem er ein tolles Programm für die 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage organisiert und wir es gemeinsam in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz vorgestellt haben, ist nun wieder alles anders.

Der Krieg im Nahen Osten hat alles auf den Kopf gestellt. Meine Freundinnen und Freunde in Israel sind alle wohlauf, aber auch in Sorge um ihre Familien. Momentan gibt es keine normalen Flugverbindungen und dies führt dazu, dass Israelis in aller Welt “gestrandet” sind. Andere kommen aber auch nicht nach Deutschland und dies betrifft unsere 16 israelischen Künstlerinnen und Künstler. In einer Pressemitteilung hat Johannes Gräßer heute erklärt, was dies für die Kulturtage bedeutet:

34. Jüdisch-Israelische Kulturtage Thüringen FINDEN STATT – Eröffnung am 5. März wie geplant im Atrium der Stadtwerke Erfurt
Israelisch-iranisches Musikprojekt „Sistanagila” übernimmt kurzfristig das
Eröffnungskonzert / Mehrere direkt aus Israel eingeladene Künstlerinnen und Künstler können kriegsbedingt nicht anreisen

Die 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen (www.jikt.de) werden am Donnerstag, 5. März 2026, um 19:30 Uhr wie geplant mit einer feierlichen Eröffnung im Atrium der Stadtwerke Erfurt beginnen.
Das bekräftigt die Festivalleitung angesichts der dramatischen Eskalation des Konflikts zwischen Israel und Iran, der zur weiträumigen Sperrung des Luftraums über dem Nahen Osten bis mindestens 7. März geführt hat. Von dieser Situation sind unmittelbar mehrere der direkt aus Israel eingeladenen Künstlerinnen und Künstler betroffen. So kann das Sharon Mansur Trio, das das Eröffnungskonzert hätte gestalten sollen, nicht nach Thüringen reisen. Auch die Auftritte der Olama Band, des Haifa-Erfurt Streichquartetts, sowie das DJ-Set von Shai Amsalem aka EZRA1 aus Haifa entfallen „Stand jetzt“ ersatzlos. Die Vernissage „Hamsa, Hamsa, Hamsa” wird ohne die aus Israel beteiligten
Künstler eröffnet. Zur geplanten Vernissage mit Porträts aus Haifa und Erfurt wird versucht, die israelische Fotokünstlerin Yaeli Gabriely per Video zuzuschalten.
Festivalleiter Johannes Gräßer: „Wir sind unglaublich traurig, das mitteilen zu müssen. Dennoch werden wir alles dafür tun, dass die Kulturtage ihr Anliegen für Dialog, Diskussion und Verständigung erfüllen. Ich möchte auch noch einmal klar sagen: Wir sind gegen jedweden Boykott jüdisch-israelischer Künstler und werden dem entschieden widersprechen und entgegentreten.
Unsere Kulturtage finden statt. Sie sind aktuell wichtiger denn je.”

Sistanagila: Ein Zeichen der Hoffnung zum Auftakt

Als besonderen und zutiefst bedeutsamen Ersatz für das Eröffnungskonzert konnte die Festivalleitung kurzfristig das israelisch-iranische Musikprojekt „Sistanagila” gewinnen. Die in Berlin lebenden Musikerinnen und Musiker haben sich zusammengeschlossen, um durch die universelle Sprache der Musik den Dialog zwischen zwei Völkern zu suchen, die sich derzeit in einem Krieg befinden. Ihr Programm verbindet folkloristische und religiöse Elemente aus der Klezmer-, sephardischen und traditionellen persischen Musik mit modernen und klassischen Kompositionen. Einflüsse aus Flamenco, Jazz und progressivem Metal verleihen dem Projekt einen zeitgenössischen und zugleich brückenbildenden Charakter — ein künstlerisches Statement, das aktuell kaum wirkungsvoller sein könnte.

Adam Chichportiche bereits in Thüringen

Gute Nachricht für das Publikum in Erfurt und Gera: Adam Chichportiche, der bereits am 25. Februar 2026 die Medienkonferenz der Kulturtage musikalisch begleitet hat und sich noch in Thüringen befindet, wird gemeinsam mit einer Musikerin seine geplanten Auftritte wahrnehmen können. Der Künstler verbindet auf der Lavta westliche und nahöstliche Musiktraditionen und steht
damit exemplarisch für das Anliegen der gesamten Kulturtage.

Festival mit Haltung

Die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gibt es seit 34 Jahren. Geplant waren in diesem Jahr diesem Jahr rund 80 Veranstaltungen an 16 Orten im Freistaat. Professor Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen: „Dass das Festival trotz Krieg und Reiseunmöglichkeit stattfindet, ist nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein politisches Signal: gegen Gleichgültigkeit, gegen Boykott, für Verständigung!“

Weitere Informationen zum Programm der 34. Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen unter http://www.jikt.de

 

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