Unter den in Thüringen lebenden Ukrainern gibt es zahlreiche Juden und mit einigen von ihnen habe ich mich heute im ukrainischen Kulturzentrum in Erfurt zu einem guten Gespräch getroffen. In der Johannesstraße in Erfurt hat der Verein der Ukrainischen Landsleute in Thüringen e.V. sein Domizil und ich war schon mehrfach bei ihnen zu Gast.
Zwischen 1991 und 2005 sind rund 220.000 Jüdinnen und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland eingewandert. Helmut Kohl und Michal Gorbatschow hatten schon vor der Wiedervereinigung die Verhandlungen darüber geführt. Für viele jüdische Gemeinden in Deutschland war dies ein Segen und hat sie gerettet. Die Zahl der Jüdinnen und Juden hat sich in den vorangegangenen Jahrzehnten insbesondere im Osten Deutschlands dramatisch reduziert. Die Ukraine hat in Dnipro (früher Dnjepropetrowsk) eine der größten jüdischen Gemeinden der Welt. 40.000 bis 80.000 Juden leben allein dort.
Von den 220.000 Kontingentflüchtlingen sind entsprechend des Königsteiner Schlüssel auch über 1.000 nach Thüringen gekommen. Nicht alle von ihnen sind religiös aktiv und viele sind auch weiter gezogen. Für die hier noch lebenden Juden hat der Überfall Russlands auf die Ukraine und der anhaltende Krieg neue Probleme gebracht. Schon seit dem Angriff auf die Krim haben die Spannungen zwischen den Juden aus der Ukraine und Juden aus Russland deutlich zugenommen.
Wir haben heute sowohl darüber gesprochen, wie ich hier versuchen kann zu vermitteln, als auch über Veranstaltungen, bei denen wir über die Geschichte der Juden in der Ukraine und den Holocaust sprechen wollen. Mir geht es generell darum, jüdisches Leben sichtbar zu machen und dies gilt neben der Kultur auch für die unterschiedlich geprägten Traditionen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir heute zahlreiche Anknüpfungspunkte gefunden haben. Vielen Dank Niklas Radenbach und Yurij Bogaichuk für die Organisation der Gesprächsrunde und viel Erfolg dem Vereinsvorsitzenden Vasyl Vitenko und seinem Vorstandsteam bei der engagierten Arbeit für die ukrainischen Landsleute in Thüringen.