Auch bei seinem zweiten Besuch in Thüringen innerhalb der letzten vier Wochen ist Ahmad Mansour mit seinen Ausführungen auf breite Zustimmung des Publikums gestoßen. Auf Einladung er Friedrich Naumann Stiftung war er gestern Abend im Kaisersaal in Erfurt zu Gast. Wie bereits in Weimar waren rund 120 Gäste gekommen. Nach dem Einführungsvortrag von Ahmad Mansour konnte ich mit ihm, dem Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Reinhard Schramm und dem ehemaligen FDP-Landtagsabgeordneten Robert-Martin Montag über das Thema Antisemitismus, Iran und Israel unter Moderation von Elmar Otto (Funke Medien Gruppe) diskutieren.
Ahmad Mansour warb um Empathie und Toleranz – beides Fähigkeiten, die zunehmend verloren gegangen sind. Er sieht die Ursache dafür im Wesentlichen in veränderten Kommunikationsformen und hierbei insbesondere bei den sozialen Medien. Zuhören, Mitgefühl und auch das Ertragen von anderen Meinungen werden nicht automatisch in allen Elternhäusern vermittelt.
Beim Thema des Abends – dem zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft – kommen noch weitere Faktoren hinzu. Ich habe darauf hingewiesen, dass Bildungsdefizite über die Ursachen des Antisemitismus und der Entstehungsgeschichte des Staates Israel ursächlich für den israelbezogenen Antisemitismus sind. Fort- und Weiterbildungsangebote erreichen leider nur einen kleinen bereitwilligen Teil der Lehrer und der Bevölkerung, der übergroße Teil zieht seine Meinung aus dem Internet und damit sehr selektiv.
Wir waren uns im Podium einig, dass die Erinnerungs- und Gedenkkultur bzw. Holocaust Education alleine nicht ausreichend sind. Das Gedenken an die ermordeten 6 Millionen Juden sind leider noch keine hinreichende Antisemitismusprävention. Das Gedenken ist unverzichtbar, muss aber ergänzt werden um Bildungs- und Begegnungsangebote mit dem jüdischen Leben in der Gegenwart.
Am gestrigen Abend war der Saal voll mit Menschen, die zugehört haben und ihre Fragen gestellt haben. Viele von ihnen waren voller Zustimmung zu den Worten von Ahmad Mansour. Ich kann nur hoffen, dass sie diese Gedanken und Worte weitertragen, denn leider ist derzeit die breite (öffentliche und veröffentlichte) Meinung nicht nur im Internet deutlich schwieriger zu erreichen. Spätestens wenn sich ein geschlossenes Weltbild ausgeprägt hat, ist dies nahezu unmöglich.