Bei der gestrigen Programm-Pressekonferenz unser Jüdisch-Israelischen Kulturtage wurde ich gefragt, wie ich das Thema Antisemitismus im Kulturbereich einschätze. Konkret lautete die Frage:
Welche Formen von Antisemitismus nehmen Sie speziell in der Thüringer Kulturszene wahr und welche Chancen sehen sie, dass Kultur und Projekte wie die Jüdisch-Israelischen Kulturtage einen positiven Gegenpol leisten können bzw. welche Verantwortung sehen Sie hier für die Thüringer Kulturlandschaft?
Auch in der Thüringer Kulturszene gibt es antisemitische Tendenzen – da muss man nicht zum aktuellen Berlinale-Antisemitismusskandal nach Berlin oder zum ESC schauen. Ich erinnere an den offenen Brief an den Bundeskanzler „Lassen Sie Gaza nicht sterben, Herr Merz“, (August 2025) den auch die bekannten Thüringer Künstlerinnen und Künstler Sandra Hüller, Yvonne Catterfeld und Clueso unterzeichnet haben. Dieser Brief mit seiner einseitigen Schuldzuweisung an Israel ist nur exemplarisch dafür, dass auch Künstlerinnen und Künstler für israelbezogenem Antisemitismus anfällig sind. Sie sind ein Spiegelbild und ein Brennglas unserer Gesellschaft.
Exemplarisch für unsere Gesellschaft ist, dass es viel Meinung zum Thema aber wenig Ahnung gibt. Dies weist auf Bildungsdefizite hin. Künstlerinnen und Künstler, die sich öffentlich positionieren haben aber dabei eine besondere Verantwortung. Ihre Bekanntheit und Reichweite in Medien, insbesondere in den sozialen Medien erreicht viele Menschen und beeinflusst diese auch in ihrer Meinung.
Bildungsdefizite zu bekämpfen ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Da ist Schule ebenso gefragt, wie Jugendarbeit, Erwachsenenbildung und Medien.
Wenn es um das zweite große Thema geht, jüdisches Leben sichtbar zu machen und nicht nur den Blick auf den Holocaust oder beispielsweise das jüdische Erbe zu richten, kommen die Jüdisch-Israelischen Kulturtage als wichtiger Akteur ins Spiel. Thüringen kann darauf stolz sein und auch auf die lange Tradition. Nur in wenigen Bundesländern gibt es überhaupt jüdische Festivals – wir haben sogar drei davon! Erfreulicherweise gibt es auch Künstlerinnen und Künstler, die sich ganz klar gegen Antisemitismus positionieren.
Unser Festival hat eine Besonderheit. Es ist bundesweit das einzige mit Israel im Namen. Für uns ist es wichtig damit nicht nur einen Bezug, sondern ein klares Bekenntnis zu Israel abzugeben. Künstler und Gäste des Festivals sind sich dessen bewusst. Israelische Künstler die derzeit nach Deutschland kommen erfüllen eine wichtige Brückenfunktion. Sie sind Botschafterinnen und Botschafter Israels. Während sie bei vielen anderen Kulturveranstaltungen und Festivals in Deutschland nicht mehr berücksichtigt oder sogar ausgeladen werden, sind wir froh, dass 16 Künstlerinnen und Künstler bei den Kulturtagen dabei sind und wir zudem wunderbare Partnerschaftsprojekte, wie die Fotoausstelltung Erfurt – Haifa haben. Viele Menschen werden wir mit den Kulturtagen erreichen – positiv erreichen!