Jüdisches Leben sichtbar machen
Im Bundesland Thüringen leben bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 2,1 Millionen Menschen nur 680 Jüdinnen und Juden. Trotz dieser geringen Zahl ist der Antisemitismus in Thüringen ein großes Problem.
Nach dem sogenannten „Thüringen-Monitor“ sind antisemitische Einstellungen verbreitet und nehme nach dem 7. Oktober 2023 zu. Unter dem Stichwort „Antizionismus“ wird nicht selten das Existenzrecht des Staates Israel in Frage gestellt.
Michael Panse, der Beauftragte der thüringischen Landesregierung für jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus, führt dies unter anderem auf die besondere Nähe der DDR-Politik zu den arabischen Staaten zurück, in denen die Ablehnung Israels fest verankert sei. Auch das Selbstverständnis der DDR als „antifaschistischer Staat“ habe eine Aufarbeitung der NS-Verbrechen erschwert.
„Wir haben bisher nicht genug gegen den Antisemitismus getan“, sagte Michael Panse. Er informierte in der Synagoge Abterode über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Thüringen nach dem Holocaust. Nur sehr wenige Jüdinnen und Juden blieben nach 1945 in Thüringen. Durch die Zuwanderung von Juden aus Russland und Osteuropa stieg die Zahl vorübergehend an, ist aber inzwischen wieder stark rückläufig.
Das Bundesland Thüringen möchte dennoch jüdisches Leben sichtbar machen. Dies geschieht vor allem auf dem Weg der Kulturförderung, etwa durch die jüdisch-israelischen Kulturtage, das Achava-Festival und den „Yiddisch Summer“.
In einem Vorgespräch mit dem Vorstand der Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis wurden auch Möglichkeiten einer Kooperation im Kulturbereich erörtert. Panse forderte darüber hinaus eine stärkere Antisemitismus-Prävention in den Schulen, die nicht erst mit dem 10. Schuljahr beginnen dürfe. Auch in der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte müsse mehr geschehen.