Togbukh

Noch bis zum kommenden Wochenende und dem Abschlusskonzert vom Caravan Orchestra & Choir läuft der Yiddish Summer Weimar 2026. Über 90 Veranstaltungen finden in diesem Rahmen statt – neben Weimar auch in Erfurt und Eisenach. Ich konnte schon bei mehreren Veranstaltungen dabei sein und war sehr gespannt auf den heutigen Abend im Mon Ami in Weimar. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Es war ein grandioser Abend! Die diesjährige Musiktheaterproduktion beim Yiddish Summer Weimar mit dem Titel “Togbukh. Rose Shoshana Kahan” hat mich heute Abend absolut begeistert. Die aus Wien stammende Sopranistin Leila Schütz sang, tanzte und performte ihre Rolle perfekt. Alan Bern hat eine einfühlsame Musik dazu geschrieben und die Leiterin der Essener Synagoge Prof. Dr. Diana Matut hat ein faszinierendes Libretto mit zahlreichen Songs erarbeitet.

Dabei geht es um das Tagebuch von Rose Shoshana Kahan hat in Shanghai die Grauen des Holocaust überlebt und sie beschreibt die 40ger Jahre in einem Togbukh auf Jiddisch. Veröffentlicht wurde dies in Auszügen in New York.

Herzlichen Dank allen Mitwirkenden. Ich würde mir sehr wünschen, dass dieses Stück noch häufig aufgeführt wird.

Bilder von der Aufführung

Israelsonntag

Am kommenden Sonntag ist der Israelsonntag der Evangelischen Kirche. Der jüdisch-christliche Dialog soll mit diesem Tag gestärkt werden. Darüber und über die Ursachen und die Bekämpfung von Antisemitismus konnte ich mich heute mit unserer Regionalbischöfin Dr. Friederike Spengler im Augustinerkloster austauschen. Die Regionalbischöfin engagiert sich schon lange für die christlich-jüdischen Begegnungen und auch die Aufarbeitung von Fehlstellen in unserer Kirchenhistorie. Ich bin sehr dankbar dafür und möchte gerne in diesem Bereich auch mit meiner Arbeit – sowohl als Christ, als auch als Landesbeauftragter für jüdisches Leben in Thüringen und die Bekämpfung des Antisemitismus, dabei helfen.

Vieles muss heute anders beurteilt und erklärt werden. Sowohl die Evangelische, als auch die Katholische Kirche hat im Umgang mit jüdischen Menschen und deren Religion viele antisemitische Tendenzen, die noch nicht alle aufgearbeitet sind. Bildliche Darstellungen an Kirchen sind da ebenso zu benennen, wie Worte von Martin Luther. In Erfurt hat aktuell die Katholische Kirche zum Verhältnis von Christentum und Judentum ein Faltblatt herausgegeben. Mit dem Figurenpaar Ekklesia und Synagoge am Jungfrauenportal, der so genannten “Judensau” am Chorgestühl und einer Kreuzigungsdarstellung im Langhaus gibt es mehrere Beispiele für judenfeindliche Inhalte. Der Flyer klärt auf und stellt sich der Diskussion.

Hintergrund Israelsonntag

Die nächsten Stolpersteine verlegt

Gestern wurden in Erfurt die nächsten Stolpersteine verlegt. Für die beiden jüdischen Familien Pinthus und Herzberg wurden in der Alfred-Hess-Str. 24 und der Gustav-Adolf-Str. 2 insgesamt sechs Stolpersteine verlegt. Bei der heutigen Eintragung der Familien in das Gästebuch der Stadt erinnerte Oberbürgermeister Andreas Horn an die Geschichte der Familien, die eng mit dem damals größten Kaufhaus Thüringen – dem Römischen Kaiser (heute Anger 1) verknüpft ist.

Ein Buch welches die Geschichte der Familien im Holocaust erzählt hatten die Familien als Geschenk für den Oberbürgermeister mitgebracht. Der Verlag Hentrich & Hentrich hat dieses Buch aktuell übersetzt und in Englisch und Deutsch verlegt.

Ich bin sehr froh darüber, dass weitere Stolpersteine in Erfurt verlegt werden und es ist ein ganz tolles Zeichen, dass dabei auch immer Angehörige dabei sind. Im September folgt die nächste Stolpersteinverlegung in Erfurt.

Abschied und Trauer

Diese Woche hat sehr hoffnungsvoll begonnen und ging tieftraurig zu Ende. Mein großer Bruder Karl-Uwe Panse ist am Donnerstag kurz nach seinem 77. Geburtstag gestorben. Am Montag waren wir Geschwister – meine Schwester Heike und mein Zwillingsbruder Jens – noch bei ihm im Krankenhaus in Suhl und haben ihn zum Geburtstag gratuliert. In der Nacht zuvor war er mit Atembeschwerden und Herzproblemen ins Klinikum gekommen. Vor drei Wochen hatte Uwe einen Herschrittmacher bekommen. Trotzdem waren wir alle optimistisch und Uwe machte schon Pläne, dass er nächste Woche mit seiner Frau nach Bregenz zu den Festspielen (La Traviata) und danach nach Erfurt zu den Domfestspielen (Jesus Christ Superstar) wollte. Am Donnerstag erreichte uns dann die unfassbare Nachricht, dass unser Bruder in der Nacht zuvor gestorben ist.

Uwe war als ältester von uns Geschwistern bei der Geburt von uns “Nachzüglern” gerade dabei das Elternhaus zu verlassen. Er hat früh geheiratet und wurde Vater. Mit seiner Familie ist er dann nach Garsitz bei Königsee in ein Haus mit großem Garten- und Waldgrundstück gezogen. Zu DDR-Zeiten war Uwe beruflich bei der Staatlichen Versicherung. In der Wendezeit zog es auch ihn in die Politik. 22 Jahre von 1990 bis 2012 war er Bürgermeister von Zella-Mehlis. Nachdem er in der Wendezeit die DSU mitbegründet hat, war er danach als parteiloser Bürgermeister in Zella-Mehlis hochgeachtet, wurde immer wieder gewählt und hat sich auch im Ruhestand weiter engagiert – später dann auch als Kreistagsmitglied der CDU. Politik hat sein Leben geprägt und ich erinnere mich an viele leidenschaftliche Diskussionen bei Familientreffen über politische Themen. Während meine beiden anderen Geschwister immer für die liberale Seite eingetreten sind waren Uwe und ich die Konservativen und nur unser Vater vertrat die Sozialdemokratie. 1994 hat ein Fernsehbeitrag die politische Seite der Familie gut beschrieben und ich erinnere mich auch am Wahlkämpfe, bei denen ich Uwe helfen konnte. In frühen Jahren, als wir Zwillinge noch Teenager waren haben wir drei Jungs mit unserem Vater regelmäßig die Weihnachtstage mit Familienskatturnieren verbracht. Besonders oft haben wir über die gemeinsamen Erinnerungen unserer Israel-Reise im Oktober 2009 gesprochen.

Uwe hinterlässt seine Frau Beatrix und eine große Familie mit vier Kindern und zahlreichen Enkeln. Er hinterlässt für uns alle eine große Lücke. Es schmerzt zu wissen, dass er nun nicht mehr da ist. Aber als Christen dürfen wir darauf vertrauen, dass wir uns wiedersehen werden. Die jüdische Form des Gedenkens “Möge seine Erinnerung ein Segen sein” drückt aus, was ich fühle.

 

Licht und Schatten

Sonderstadtratssitzung mitten in der Sommerpause – warum? Draußen 35 Grad (im Sitzungssaal zum Glück etwas kühler) und immerhin 42 von 51 Stadträtinnen und Stadträten und der Oberbürgermeister waren dabei und diskutierten für die drei angesetzten Tagesordnungspunkte mit zwei Stunden durchaus ausführlich. Anlass der Sitzung war die drohende Verfristung einer Klagemöglichkeit gegen eine Entscheidung des Landesverwaltungsamtes. Ein Stadtratsbeschluss zu einem Rahmenkonzept/Sicherheit bei Veranstaltungen wurde vom LVA beanstanden, weil der Stadtrat dafür nicht zuständig sei. Heute wurde mehrheitlich beschlossen, dass die Stadt gegen diese Entscheidung klagen soll.

Der zweite große Tagesordnungspunkt (im öffentlichen Teil) war eine von der CDU beantragte Aktuelle Stunde im Nachgang zum AfD Bundesparteitag. Glücklicherweise ist es weitgehend friedlich geblieben und dies hat nach Auffassung von uns auch etwas mit dem besonnenen und abwägendem Verhalten von Stadtverwaltung und Polizei zu tun. Nicht alle Fraktionen teilten unsere Einschätzung. Die AfD klagte lautstark über Einschränkungen und es gab aus den eher linken Fraktion auch Kritik an der Polizei. Ich habe dazu persönlich eine klare Meinung und die auch schon unmittelbar nach Bundesparteitag der AfD hier festgehalten.

Ich möchte keinen AfD Bundesparteitag in Erfurt haben, sie sind mit ihren Delegierten in Erfurt nicht Willkommen und ich bin froh, dass dies rund 50.000 Menschen auch friedlich artikuliert haben. Vielen Dank dafür! Ich halte von den politischen Inhalten und Parolen, die beim AfD Bundesparteitag kundgetan wurden gar nichts. Sie sind schlecht für Thüringen und Deutschland und die Partei ist in weiten Teilen antisemitisch geprägt.

Leider hat heute nur ein einziger Stadtrat, eher in einem Nebensatz, darauf hingewiesen, dass es aber auch Antisemiten außerhalb der Messehalle gab. Mich hat sowohl im Stadtbild, als auch bei den Umzügen der Gegendemonstranten das antisemitische Auftreten einzelner Akteure massiv gestört. Leider wurde dies von vielen Demonstranten aber stillschweigend toleriert. Die Pressemitteilung von RIAS zu den offenen antisemitischen Beleidigungen und Angriffen auf ihren Infostand bei der Demonstration muss uns allen zu Denken geben und gehört mit zur Auswertung des Wochenendes in Erfurt.

Rücklage oder keine Rücklage?

Man kann zweifellos zu diesem Thema unterschiedliche Meinungen haben und wenn man sich zudem mit Kommunalfinanzen eher selten beschäftigt, ist dieses Thema in der Thüringer Kommunalordnung selbst für Kommunalpolitiker nicht wirklich selbsterklärend. Wenn man allerdings eine Meinung dazu hat, sollte man aufpassen, dass diese nicht beliebig wechselt.

§ 68 der Thüringer Kommunalordnung (ThürKO) sagt dazu: 1. Die Gemeinde hat für Zwecke des Vermögenshaushalts und zur Sicherung der Haushaltswirtschaft Rücklagen in angemessener Höhe zu bilden. 2. Rücklagen für andere Zwecke sind zulässig.

Hinzu kommt die Thüringer Gemeindehaushaltsverordnung (ThürGemHV) die in ihrem § 20 Abs. 2 regelt, dass die Mindesthöhe von 2 Prozent des Durchschnitts des Verwaltungshaushalts der letzten drei Jahre verbindlich sei.

Das beides kann man gut oder schlecht finden – es ist aber die Rechtsnorm für Finanzpolitiker. Ein besonders schönes Beispiel für Interpretationsspielraum zu diesem Thema liefert aktuell der Landtagsabgeordnete Sascha Bilay (DIE LINKE), der fordert, die Rücklagen stärker für die Bürger einzusetzen. Im Rahmen einer Landtagsanfrage hat er zuvor erkundet, dass das Volumen der Rücklagen der Thüringer Kommunen derzeit 874 Millionen Euro umfasst.

Vier Jahre ist es her, da hat derselbe Politiker beklagt, dass die Stadt Erfurt keine allgemeine Rücklage vorhält und dies ebenfalls in einer kleinen Anfrage an den Landtag formuliert. Jetzt kann es durchaus sein, dass der Abgeordnete Bilay Äpfel und Birnen vermischt. So genau ist dies aus seinen Presseäußerungen nicht herauszulesen. Zu lesen ist u.a. in der Welt:

Bilay zufolge handelt es sich bei den fraglichen Rücklagen nicht um bereits für Investitionen oder zum Ausgleich von Defiziten gebundene Mittel. Vielmehr seien es Gelder, die in den kommunalen Haushalten zwar für bestimmte Maßnahmen veranschlagt, letztlich aber nicht ausgegeben worden seien.

Möglicherweise meint er damit Haushaltsreste? Diese werden aber am Jahresende nicht im Tresor des Kämmerers gebunkert, sondern fließen in künftige Haushalte ein. Meint er die allgemeine Rücklage, deren Fehlen er vor vier Jahren beklagt hat? Egal was auch immer der Abgeordnete meint. Die Zielrichtung scheint klar. Er möchte gerne suggerieren, Geld ist da, man muss es nur ausgeben. Dies hat freilich mit redlicher und vorausschauender Finanzpolitik wenig zu tun.

Urlaubsnachbereitung

Mein Sommerurlaub ist für 2026 Geschichte, aber so ein wenig Urlaubsgefühl bleibt natürlich und so stand an diesem Wochenende alles, was Spaß macht im Blickpunkt. Bewegung im Sportpark Johannesplatz gleich zwei Mail (bevor es nächste Woche wieder zu heiß wird), Motorradtour mit der Ducati, Strandbad Stotternheim und gestern Abend noch eine Runde am Beefer. Ich wünsche allen, die gerade im Urlaub sind oder ihn noch vor sich haben wunderschön Tage. Alle anderen können sich ja auch mit dem Sommerwetter zu Hause etwas trösten – Angebote gibt es genug. Ich werde neben der Stadtratssitzung am kommenden Mittwoch auch immer wieder bei Kulturveranstaltungen – insbesondere dem Yiddish Summer zu Gast sein.  

Klezmer-Hofkonzert

Angekündigt war das Konzert als “Klezmer mit Freunden” im Hof der Erfurter Michaeliskirche. Diese Beschreibung galt gleich im doppelten Sinne. Johannes Gräßer hat mit drei Freunden auf der Bühne für viele Freunde im Hof einen ganz wunderbaren Klemer-Abend gestaltet.

Mit 250 dichtgedrängt sitzenden begeisterten Gästen war der Hof an der Grenze des Fassungsvermögens. Ich war froh, dass ichnoch einen Platz auf der Treppe bekommen habe und etliche Gäste waren auch noch in der Michaeliskirche. Sie konnten zwar nicht so viel sehen, aber trotzdem gut hören.

Ich bin froh, dass wir zur Zeit soviele gute Angebote haben, die auch angenommen werden. Der Yiddish Summer Weimar findet auch in anderen Städten statt. Ich freue mich schon sehr auf das Abschlußkonzert am 15. August im Zughafen Erfurt.

Bilder und Videos vom Klezmer-Abend

Громада Українців Тюрінгії / Ukrainer in Thüringen

Unter den in Thüringen lebenden Ukrainern gibt es zahlreiche Juden und mit einigen von ihnen habe ich mich heute im ukrainischen Kulturzentrum in Erfurt zu einem guten Gespräch getroffen. In der Johannesstraße in Erfurt hat der Verein der Ukrainischen Landsleute in Thüringen e.V. sein Domizil und ich war schon mehrfach bei ihnen zu Gast.

Zwischen 1991 und 2005 sind rund 220.000 Jüdinnen und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland eingewandert. Helmut Kohl und Michal Gorbatschow hatten schon vor der Wiedervereinigung die Verhandlungen darüber geführt. Für viele jüdische Gemeinden in Deutschland war dies ein Segen und hat sie gerettet. Die Zahl der Jüdinnen und Juden hat sich in den vorangegangenen Jahrzehnten insbesondere im Osten Deutschlands dramatisch reduziert. Die Ukraine hat in Dnipro (früher Dnjepropetrowsk) eine der größten jüdischen Gemeinden der Welt. 40.000 bis 80.000 Juden leben allein dort.

Von den 220.000 Kontingentflüchtlingen sind entsprechend des Königsteiner Schlüssel auch über 1.000 nach Thüringen gekommen. Nicht alle von ihnen sind religiös aktiv und viele sind auch weiter gezogen. Für die hier noch lebenden Juden hat der Überfall Russlands auf die Ukraine und der anhaltende Krieg neue Probleme gebracht. Schon seit dem Angriff auf die Krim haben die Spannungen zwischen den Juden aus der Ukraine und Juden aus Russland deutlich zugenommen.

Wir haben heute sowohl darüber gesprochen, wie ich hier versuchen kann zu vermitteln, als auch über Veranstaltungen, bei denen wir über die Geschichte der Juden in der Ukraine und den Holocaust sprechen wollen. Mir geht es generell darum, jüdisches Leben sichtbar zu machen und dies gilt neben der Kultur auch für die unterschiedlich geprägten Traditionen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir heute zahlreiche Anknüpfungspunkte gefunden haben. Vielen Dank Niklas Radenbach und Yurij Bogaichuk für die Organisation der Gesprächsrunde und viel Erfolg dem Vereinsvorsitzenden Vasyl Vitenko und seinem Vorstandsteam bei der engagierten Arbeit für die ukrainischen Landsleute in Thüringen.

Sommer-Kulturprogramm

In den Sommermonaten treten die politischen Abendveranstaltungen eher in den Hintergrund – es ist halt Sommerpause. Das ist durchaus auch einmal ein erfreulicher Umstand, um sich den zahlreichen Kulturangeboten zu widmen. Der Yiddish Summer geht bis Mitte August und neben der Eröffnungsveranstaltung in Weimar war ich heute bei der Ausstellungseröffnung Jiddish – Von den Anfängen bis zum Buchdruck in der Kleinen Synagoge in Erfurt. Die gut besuchte Veranstaltung mit drei kurzen Vorträgen (auf Jiddish) macht Hoffnung auf gute weitere Veranstaltungen bis hin zum Abschlusskonzert am 15. August in Erfurt.

In Erfurt werden derzeit gerade die Bühnen aufgebaut für die Domstufenfestspiele ab dem 7. August. In diesem Jahr steht Jeus Christ Superstar auf dem Programm.

Bevor da aber die Premiere ist, war ich am Freitag mit meiner Schwester und meinem jüngsten Sohn bei den Schlossfestspielen in Sondershausen. Dort wurde die Doppeloper Cavalleria rusticana/Der Bajazzo gespielt und hat uns sehr gut gefallen. Bis nach 23 Uhr gingen die beiden Stücke – aber es hat sich gelohnt.

Bilder aus Sondershausen