Erfurt und Kalisz

Erfurt hat insgesamt 11 Partnerstädte auf allen Kontinenten. Eine der am längsten bestehenden Partnerschaften verbindet und mit Kalisz. Seit 42 Jahren besteht schon die Städtepartnerschaft von Erfurt und Kalisz.

An diesem Wochenende war der Oberbürgermeister von Kalisz Krystian Kinastowski mit einer Delegation in Erfurt zu Gast. Sehr gerne habe ich ihn im Rahmen einer Stadtführung der ETMG zum UNESCO Welterbe begrüßt und mit ihm über das jüdische Erbe in unseren beiden Städten gesprochen. Wir waren gemeinsam in der Mikwe, am steinernen Haus und in der Kleinen sowie der alten Synagoge.

Kalisz hatte wie Erfurt vor dem Holocaust eine große jüdische Gemeinde. Von den wenigen Überlebenden Juden (90 Prozent der polnischen Juden wurden im Holocaust ermordet) kehrten nur wenige zurück. Wie überall in Osteuropa und der DDR flohen sie dann vor dem aufkommenden Antisemitismus in den folgenden Jahrzehnten nach Israel oder Westeuropa. In Kalisz gibt es daher leider nur eine jüdische Vergangenheit und keine Gegenwart mehr.

Yad Vashem kommt nach Deutschland

Yad Vashem-Außenstellen in München und Leipzig – dies ist ein wegweisendes Signal zur Förderung eines kritischen Geschichtsbewusstseins, der Bildungsarbeit gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben in Deutschland, aber nicht allen gefällt dies. Kaum war die Entscheidung der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem über die Außenstellengründung verkündet, gab es auch die ersten Kritiker und es waren die üblichen Verdächtigen. Anders gesprochen, es mendelt wieder. Die Meinung von Meron Mendel zum Thema überrascht mich persönlich nicht. Aber seine kontinuierliche Israel-Kritik befeuert den israelbezogenen Antisemitismus und wird berechtigt vom Zentralrat der Juden und auch von der Landesgemeinde in Thüringen zurückgewiesen.

Das Vorhaben von Yad Vashem ist weit mehr als eine Standortentscheidung. Sie ist ein starkes Zeichen des Vertrauens in Deutschland und zugleich ein Auftrag an unsere Gesellschaft, Verantwortung für NS-Verbrechen, Bildung gegen Antisemitismus sowie demokratisches Engagement aktiv wahrzunehmen.

Dass mit Leipzig bewusst auch ein ostdeutscher Standort ausgewählt wurde, hat besondere Bedeutung für die Stärkung der jüdischen Perspektive und ein schärferes Bewusstsein für zeitgenössischen Antisemitismus in der Region. Thüringen hatte ebenfalls sein Interesse bekundet und wir waren dazu auch mit der Delegation unter Leitung des Ministerpräsidenten Marion Voigt im November in Yad Vashem. Schade, dass es nicht geklappt hat, aber für Thüringen eröffnet sich dennoch auch die Chance, bestehende Bildungs- und Erinnerungsarbeit noch enger mit internationalen Perspektiven zu verbinden. Die Nähe zu Leipzig kann dazu beitragen, neue gemeinsame Formate für Schulen, Universitäten, Gedenkstätten und politische Bildung zu entwickeln und so einen noch direkteren Zugang zur kritischen Auseinandersetzung mit NS-Gesellschafts- und Verbrechensgeschichte, jüdischer Kultur sowie demokratischer Wertevermittlung zu ermöglichen.

Besonders wichtig ist dabei der pädagogische Ansatz von Yad Vashem, der die Stimmen und Erfahrungen der jüdischen Opfer des Holocaust in den Mittelpunkt stellt während nur noch wenige Überlebende des NS-Terrors selbst unmittelbar berichten können. Gerade in einer Zeit, in der antisemitische Straftaten zunehmen, historische Fakten relativiert und demokratische Grundwerte infrage gestellt werden, braucht es Orte des Lernens, der Begegnung und der kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart, die auch mittels interaktiven und digitalen Lernräumen zeitgemäße Bildungszugänge ermöglichen.
Die Entscheidung macht zugleich deutlich: Jüdisches Leben gehört sichtbar und selbstverständlich zu Deutschland – auch und gerade in Ostdeutschland.

Einrichtungen wie das geplante Bildungszentrum schaffen Räume für Dialog, Sichtbarkeit und gegenseitiges Verständnis. Sie stärken die Erinnerungskultur nicht als Rückblick allein, sondern als konkrete Orientierung für gegenwärtiges gesellschaftliches Handeln. Die Botschaft von Yad Vashem ist deshalb hochaktuell: Erinnerung ist keine historische Pflichtübung, sondern eine zentrale Voraussetzung für Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

 

 

Israel nach dem 7. Oktober – Diplomatie, Umbrüche und die deutsche Debatte

Der Tradition verpflichtet! Bundeskanzler Konrad Adenauer war insgesamt 18 Mal in der Villa La Colina am Comer See. 1977 hat die Konrad-Adenauer-Stiftung dann das Grundstück gekauft und daraus eine Bildungsstätte und Tagungszentrum gemacht. Die dortigen Veranstaltungen sind fast immer ausgebucht. Gute Seminar-Programme in einer sensationellen Umgebung sind das Rezept. 1993 war ich mit der Jungen Union Thüringen das erste Mal in Cadenabbia und in dieser Woche war es mein fünfter Besuch dort.

Konrad Adenauer hat sich als Bundeskanzler für die Aussöhnung mit Israel engagiert. In dieser Tradition waren wir mit unserem Seminarthema “Israel nach dem 7. Oktober” am richtigen Ort. Vielen Dank der KAS Thüringen für die Organisation. Gerne habe ich mit Carsten Ovens die Vorträge zum Seminar beigesteuert und mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den drei Tagen intensiv diskutiert. Meine Vorträge konzentrierten sich dabei auf den deutsch-deutschen Blick auf Israel von der Staatsgründung bis zur Wende. Die DDR entwickelte bereits in den 50ger Jahren einen Antisemitismus, der sich bis zur Wende hielt. Die Israel-Feindschaft hatte Ursachen und die habe ich erläutert. Für die meisten der Seminarteilnehmer war dies ein völlig neues Themenfeld, da sie in den alten Bundesländern sozialisiert waren. Mein zweiter großer Themenkomplex war der Bereich Antisemitismus – die verschiedenen Formen, Ausprägungen und aktuelle Zahlen.

Neben dem intensiven Seminarprogramm mit sieben Vorträgen und Diskussionsrunden an den drei Tagen, blieb noch die Zeit für eine Bootstour auf dem Comer See zur Villa del Balbianello. Der Garten der beeindruckend schönen Villa del Balbianello war Drehkulisse für James Bond in Casino Royale und für die Hochzeit von Anakin und Padmé in Star Wars Episode II – Angriff der Klonkrieger. Für mich, als James-Bond-Fan werden bezüglich des Films Casino Royale jetzt die “Drehorte” knapp. In Karlsbad, Loked, Venedig und jetzt am Comer See habe ich schon die passenden Erinnerungsfotos geschossen 😉

Bilder aus Cadenabbia

Bregenz ist eine Reise wert…

…und auch eine zweite Reise. Auf dem Weg nach Cadenabbia habe wir einen Aufenthalt in in Bregenz am Bodensee geplant und nicht bereut. Das Pfingstwochenende sorgte für reichlich Besucher am Bodensee und das Kulturfestival “Bregenz Life 26” noch einmal für zusätzliches Programm.

Bis jetzt kannte ich Bregenz nur aus dem Kino. James Bond war in “Ein Quantum Trost” dort in der Bühnenkulisse und vor der Festspielbühne unterwegs. Zwei Tage sind zu kurz und so wird es wohl noch ein weiterer Besuch am Bodensee werden – insbesondere weil dort in diesem Jahr die La Traviata auf der Seebühne aufgeführt wird 🙂

Bilder aus Bregenz und Lindau   

Die Macht der Zahlen…

Seit 25 Jahren gibt es den Thüringen Monitor. Er gibt Auskunft über die politische Situation in Thüringen und die Einstellung der Menschen zu gesellschaftlich relevanten Themen. Er ist die längste Studie dieser Art in Deutschland und bietet gute Vergleichsmöglichkeiten zu den Vorjahren. Wenn man will…

Während meiner Zeit im Thüringer Landtag habe ich die ersten 10 Monitore sehr aufmerksam verfolgt und auch bei der Landeszentrale für politische Bildung war er regelmäßig Thema. Wir haben Veranstaltungen zum Thüringen Monitor organisiert. Heute war ich im Thüringer Landtag auf der Besuchertribüne zu Gast, um der Regierungserklärung und der anschließenden Aussprache zum Monitor zu folgen. Insbesondere hat mich natürlich interessiert, was die Fraktionen zum Thema Antisemitismus sagen. Seit Beginn der Studie sind drei Fragen dabei, die das Einstellungsmuster der Menschen zu Juden dokumentieren. Die Zahlen sind hoch – erschreckend hoch allerdings im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken.

Alle Fraktionen, mit Ausnahme der AfD haben, sich deutlich gegen jede Form von Antisemitismus ausgesprochen. Dies ist ein gutes Zeichen, weil ja in der bundesweiten Diskussion sowohl die Linke, als auch Teile des BSW eher negative Schlagzeilen zu dem Thema produzieren.

Die Aussprache zum Monitor folgte den bekannten Ritualen. Jeder Redner suchte sich aus dem Thüringen Monitor die passenden Zahlen, um seine politischen Schwerpunkte zu formulieren. Grundsätzlich ablehnend (schon seit sie im Landtag sind) steht die AfD zum Thüringen Monitor. Der Fraktionsvorsitzende Björn Höcke gefiel sich dann aber doch in der Rolle des Schulmeisters und führte Umfragezahlen des Thüringen Monitors als Argument ins Feld. Der Fraktionsvorsitzende der CDU Andreas Bühl erklärte in seiner Rede den Wert der Demokratie. 90 Prozent der Thüringerinnen und Thüringer stehen zu unsere Demokratie und werden auch bei künftigen Wahlen dafür sorgen, dass Antidemokraten keine Mehrheiten bekommen werden.

Anbei der Link zum Thüringen Monitor 2025

Bildungsangebot für Thüringer Schulen

Morgen wird im Thüringer Landtag der Thüringen Monitor diskutiert. Er verzeichnet einen hohen Prozentsatz Zustimmung zu antisemitischen Thesen. Ich bin überzeugt davon, dass nur Bildung helfen kann diese Zahlen zu reduzieren.

Der heutige Tag hat mich aber in der Überzeugung bestärkt, dass es viele Menschen gibt, die sich dafür angagieren. Ein neues Bildungsangebot des Erinnerungsortes Topf & Söhne, der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und Omas gegen Rechts e.V. wurde heute Vormittag im Gedenkort vorgestellt.

“Miriams Tagebuch, ein Zeugnis nationalsozialistischer Verfolgung und jüdischer Selbstbehauptung” als multimedialer Workshop wendet sich an Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 8. Ich hoffe ebenso, wie der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, dass viele Schulen dieses Angebot nutzen werden. Wir waren deshalb gerne heute bei der Vorstellung des Projektes dabei. Ich habe es in das Bildungsangebot zur Bekämpfung des Antisemitismus in Thüringen eingeordnet und werde für die Nutzung werben.

Danach ging es weiter an der Erfurter Universität mit einem Doppeltermin. Mit Studentinnen und Studenten (künftige Lehrerinnen und Lehrer) konnte ich in einem Seminar darüber diskutieren, wie antisemitische Narrative in den sozialen Medien verbreitet werden und welche Auswirkungen dies auf gesellschaftliche Debatten und auch das jüdische Leben in Thüringen hat.
Danach habe ich noch die Uni-Bibliothek besucht und im Lesesaal in dem 100 Jahre alten Buch von Fritz Bernstein zum Antisemitismus gelesen – leider erschreckend aktuell.

Beitrag in der TA

Unterrichtsangebote von Topf & Söhne

Erfurt ist und bleibt Sportstadt!

Erfurt hat eine lange Sporttradition und das wird in einer Sonderausstellung im Stadtmuseum derzeit gut präsentiert. Wir wollen, dass Erfurt auch in Zukunft Sportstadt bleibt. Dafür hat die CDU Stadtratsfraktion bei der Beschlussfassung zum Haushalt jeweils 100.000 Euro für die Jahre 2026 und 2027 in den Haushalt eingestellt, um die Sportvereine zu entlasten.

Wir haben im Fußball, Basketball, Volleyball, Handball und Eishockey und weiteren Mannschaftssportarten Aushängeschilder der Stadt Erfurt die bundesweit zu ihren Spielen unterwegs und ein positiver Imagefaktor für die Stadt sind. Im letzten Jahr haben wir gemeinsam mit der Stadt eine Sportinitiative vorgestellt und dabei versprochen, die Vereine auch aktiv zu unterstützen. Wir halten Wort!

Viele unserer Mannschaftsportarten haben derzeit mit wachsenden Problemen zu kämpfen. Das beginnt bei der begrenzten Verfügbarkeit von Hallenzeiten, setzt sich fort über den erheblichen Aufwand bei der Wettkampfvor- und Nachbereitung (Schulsporthallen müssen aufwändig umgerüstet werden – Hallenboden, LED-Werbebanden, Spieltagsstrukturen schaffen, Einlass, Sicherheit). Die gelingt nur mit hohem ehrenamtlichen Einsatz und vielen Helfern. Hinzu kommen erheblich gestiegenen Nebenkosten. Wir wollen deshalb eine Entlastung bei den Mietkosten für die Riethsporthalle, die Kleine Eishalle und das Stadion. Eine vorläufige Entscheidung hat der Stadtrat dazu mit übergroßer Mehrheit am Mittwoch getroffen.

Zudem wollen wir eine Digitalisierung bei der Vergabe von Hallenzeiten, eine Entlastung aller Sportvereine bei den Nebenkosten und die Mietfreiheit bei Kinder- und Jugendsportfreizeiten in den Ferien. ich habe zu all diesen Punkten am Mittwoch für die CDU Stadtratsfraktion gesprochen und bin dankbar, dass wir den Antrag zu diesen Punkten fraktionsübergreifend mit der Fraktion SPD & PIRATEN, der Fraktion Die Linke und BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN einbringen und beschließen konnten. Nachfolgend der Beschlusswortlaut:

Sportvereine stärken – Ehrenamt unterstützen und entlasten

01

Die Stadtverwaltung etabliert eine digitale Anmeldung von Sportanlagenzeiten, um für die Vereine eine schnelle und unkomplizierte Vergabe von Trainings- und Wettkampfzeiten zu ermöglichen. Weiterführend werden die bisher über Mängelbücher geführten Listen über die Online-Lösung digitalisiert, so dass an dieser Stelle die Kommunikation zwischen Vereinen und Stadtverwaltung schneller und nachvollziehbarer laufen kann bzw. Schäden oder Mängel in den Hallen unkompliziert digital gemeldet werden können. Die Umsetzung erfolgt bis Mai 2027.

02

Für die Umsetzung prüft die Stadtverwaltung bereits vorhandene Softwarelösung (z.B. HallenManager) oder die Etablierung eines eigenen Systems. Die Ergebnisse dieser Prüfung werden dem zuständigen Fachausschuss spätestens zum Ende des 4. Quartals 2026 vorgestellt.

03

Sofern es die Belegungen der Sportanlagen zulassen, wird den Vereinen der Auf- und Abbau am Vorabend bzw. Folgetag unentgeltlich ermöglicht. Hierbei ist zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen dies unentgeltlich erfolgen kann, auch wenn für die Veranstaltung am Folgetag Entgelte erhoben werden.

04

Die Stadtverwaltung Erfurt legt dem Stadtrat unter Einbindung des Stadtsportbundes und des Sportbeauftragten einen überarbeiteten Entwurf der Sportanlagentarifordnung bis Ende 2026 vor. Ziel ist, eine finanzielle Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten für die Nutzung von Sportstätten hin zu deutlich vereinsfreundlicheren Konditionen, durch eine deutliche Senkung der Nutzungsentgelte.

05

Bis zur Beschlussfassung dieser überarbeiteten Sportanlagentarifordnung wird in der bestehenden Ordnung im Punkt 2 c) Kleine Eishalle ein Nettopreis von 40€ / Stunde und dem Punkt 6a Riethsporthalle a) 200€ / Sportliche Nutzung festgelegt. Der Punkt 6a Riethsporthalle b) wird gestrichen. Für den Unterpunkt 10 (3) Steigerwaldstadion wird bis zum Vorliegen der neuen Tarifordnung der niedrigste Ansatz in Rechnung gestellt.

06

Es wird eine vereinsfreundliche Anpassung der Miete für teilweise sportlich genutzte Räumlichkeiten & Energiekostenpauschale für Erfurter Sportvereine unter Unterpunkt 15 in der Anlage Tarifordnung für die Benutzung städtischer Sportanlagen Preis- und Tarifkatalog“ vorgenommen.

07

Diese Änderungen zu Punkt 5 und 6 sind rückwirkend zum 01.01.2026 zur Anwendung zu bringen. Die hieraus ggf. resultierenden Änderungen vertraglicher Bestimmungen mit den Vereinen sind entsprechend vorzunehmen.

08

Der Oberbürgermeister legt gemeinsam mit dem Stadtsportbund dem Stadtrat zum 30.09.26 ein Konzept vor, wie die freiwillige Fusion und Zusammenarbeit von Sportvereinen gefördert werden kann, damit Hallenzeiten so effektiv wie möglich genutzt werden können.

09

Die Nutzung von Erfurter Sporteinrichtungen für Kinder-, Jugend- und Ferienfreizeiten/Trainingscamps ist grundsätzlich kostenfrei, wenn die Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer Erfurter Kinder und Jugendliche sind und unabhängig davon, ob Teilnahmegebühren erhoben werden. Auf Antrag werden eventuelle festgesetzte Entgelte für die Osterferien 2026 erlassen und, sofern bereits gezahlt, erstattet.

Idee und Verwirklichung: Martin Buber und die Hebräische Universität Jerusalem

Von der Idee bis zur Umsetzung ist ein langer Weg. Das ist nicht nur heute so, das war auch schon vor 100 Jahren so. Die Hebräische Universität Jerusalem hat im Jahr 2025 ihr einhundertjähriges Jubiläum gefeiert. Dazu lud die Universität Erfurt in Kooperation mit dem Netzwerk Jüdisches Leben in Erfurt zu einem öffentlichen Vortrag von Dr. Francesco Ferrari ein.

Unter dem Titel „Idee und Verwirklichung: Martin Buber und die Hebräische Universität Jerusalem“ beleuchtet der Referent das vielschichtige Verhältnis des österreichisch-israelischen jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber zur Hebräischen Universität Jerusalem. Der Referent ist assoziierter Fellow am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt und beschäftigt sich als Forscher seit Langem mit dem sozialpolitischen Denken des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber. Der Beauftragte des Präsidiums der Uni Erfurt für das Thema “Jüdisches Erbe” Prof. Dr. Benedikt Kranemann führte in das Thema ein.

Für mich war vieles neu – zwar kenne ich Buber und seine Bedeutung, allerdings wusste ich bis jetzt wenig über die verschlungenen Wege zur Gründung der Universität – lange vor der Gründung des Staates Israel. Danke für die Initiative zu der Veranstaltung.

KlezWeCan

Der Vereinsname ist Programm. Danke für einen ganz wunderbaren Klezmerabend dem Klezmerorchester Erfurt und den vielen, die sich im und um den Verein engagieren. Johannes Gräßer und Szilvia Csaranko haben die künstlerische Leitung und koordinieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Erfurt, Thüringen, Deutschland, Österreich, Schweiz, UK und Belgien. 90 Künstlerinnen und Künstler standen heute auf der Bühne und spielten für ein ein mit 800 Gästen ausverkauftes Haus.

Die einzelnen Stimmgruppen proben und arbeiten in den Tagen vor dem gemeinsamen Konzert unter Anleitung von 10 Künstlerinnen und Künstlern, die alle auch aktiv beim Konzert dabei sind. Sasha Lurje und Benjy Fox-Rosen haben als Solosängerin und Sänger mehrere der Stücke in jiddisch vorgetragen. Neben Klezmer-Klassikern waren zwei neue Stücke (Dunika Waltz und Klaybt zikh tsunoyf) im Programm. Letzteres war durch die zeitgenössischen Bezüge besondern beeindruckend. Vielen Dank füe einen eindrucksvollen Abend und herzlichen Glückwunsch zum 10. Jubiläum dem Klezmerorchester Erfurt!

Bilder des Abends

Buchlesung: Die neue autoritäre Linke

Die heutige Buchlesung von Nicholas Potter “Die neue autoritäre Linke. Eine akute Bedrohung für die demokratische Gesellschaft” im Thüringer Landtag greift ein hochaktuelles Thema auf. Ich bin den Freundeskreis Israel des Thüringer Landtags, dass er diese Veranstaltung, die sich im wesentlichen mit dem linken Antisemitismus beschäftigt, initiiert hat.

TAZ Redakteur und Buchautor Nicholas Potter machte nach den einleitenden Worten von Andreas Bühl, dem Vorsitzenden der CDU Landtagsfraktion und einem der beiden Vorsitzenden des Freundeskreises deutlich, dass das Thema gar nicht so neu ist. Allerdings hat der inzwischen immer offener und deutlicher auftretende Antisemitimus den autoritären Linken einen erheblichen Schub verpasst. Katharina König-Preuss, die andere Vorsitzende des Freundeskreis und Landtagsabgeordnete der Linken, erklärte, dass in Thüringen die Lage recht stabil sei. Die Situation in der Bundespartei, dem Landesverband Berlin, der Linksjugend Solid und etlichen Wezsverbänden mache ihr hingegen große Sorgen. Fraglich bleibt, obn die Linke bei ihrem Bundesparteitag eine klare Linie gegen Antisemitismus findet.

Der linke Antisemitismus wird getragen von sehr jungen Menschen und darüber hinaus auch von sehr vielen älteren Mitgliedern. Bei jungen und älteren Menschen hat dieser Antisemitismus zweifellos viel mit fehlender Bildung zur Geschichte des Staates Israel, aber auch zur Entstehung von Antisemitismus zu tun . Zudem kommt bei vielen älteren Menschen die DDR-geprägte Israelfeindschaft hinzu.

Für einen Vortrag bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in zwei Wochen habe ich mich gerade intensiv mit dem Verhältnis DDR-Israel beschäftigt. Der sogenannte sekundäre Antisemitismus – heute israelbezogener Antisemitismus – war in der DDR bis Ende der 80ger Jahre omnipräsent.   

Erste die erste frei gewählte Volkskammer verabschiedete im April 1990 einstimmig eine Resolution zur “Verantwortung der Deutschen in der DDR für ihre Geschichte und ihre Zukunft”. Darin heißt es: “Wir bitten die Juden in aller Welt um Verzeihung. Wie bitten das Volk in Israel um Verzeihung für Heuchelei und Feindseligkeit der offiziellen DDR-Politik gegenüber dem Staat Israel und für die Verfolgung und Entwürdigung jüdischer Mitbürger auch nach 1945 in unserem Land (…) Wir erklären, uns um die Herstellung diplomatischer Beziehungen und um vielfältige Kontakte zum Staat Israel bemühen zu wollen.”

Diese Erklärung ist jetzt 36 Jahre her. Ich würde mir sehr wünschen, dass die jungen Menschen, die heute als autoritäre Linke unterwegs sind, einen Moment innehalten und sich mit den historischen Hintergründen beschäftigen.