Zweite Gesprächsrunde mit Ahmad Mansour

Kommenden Montag wird die zweite Veranstaltung mit Ahmad Mansour  unter dem Titel “Reden wir über Freiheit” im Kaisersaal in Erfurt  stattfinden. Erneut wird es dabei, wie in Weimar vor einigen Wochen, in einem Dialog um Antisemitismus, Iran und Israel gehen. Ich freue mich darauf und auch darüber, dass mich die Friedrich-Naumann-Stiftung gebeten hat mit Ahmad Mansour,  dem Generalsekretär der FDP Robert-Martin Montag und dem Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Reinhard Schramm zu diskutieren.

Wer Ahmad Mansour in Weimar verpasst hat, sollte sich unbedingt für die Veranstaltung am Montag anmelden. ich schätze seinen sehr klaren Kompass und die Art wie er Probleme in unserer Gesellschaft auf den Punkt bringt und anspricht.

Anbei die Veranstaltungseinladung (Anmeldung nicht vergessen)

Gedenken an die Befreiungen des KZ Buchenwald und des KZ Mittelbau-Dora

Am Sonntag und am Montag wurde mit zwei Gedenkveranstaltungen des 81. Jahrestages der Befreiung des KZ Buchenwald und des KZ Mittelbau-Dora gedacht. Hape Kerkeling hielt dabei in Buchenwald eine bewegende Rede, in der er an seinen Opa Hermann erinnerte, der in Buchenwald drei Jahre von den Nazis gequält wurde. Gerne halt ich hier die Rede von Hape Kerkeling fest.

Sowohl in Buchenwald, als auch in Mittelbau-Dora (wo Sebastian Krumbiegel die Rede hielt) waren viele Menschen zum Gedenken versammelt. Leider war es nur noch zwei bzw. drei Überlebenden der beiden Lager möglich an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Weitere konnten derzeit aus Israel nicht anreisen und leider werden es auch in jedem Jahr weniger. Es ist deshalb an uns die Erinnerung wach zu halten und selbst zu Zeugen der Zeitzeugen zu werden. 

Bilder vom Gedenken in Buchenwald 

Bilder vom Gedenken in Mittelbau-Dora

Generation J in Weimar

In Weimar gibt es beim Verein Other Music Academy e.V. ein ganz wunderbares Projekt „Generation J“ – ein jüdischen Austauschprojekt mit jungen Menschen aus Deutschland, Frankreich und Polen. Rund die Hälfte der deutschen Gruppe ist dabei aus Thüringen. Letzte Woche waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Paris und diese Woche sind sie in Weimar.

In dieser Woche gibt es dazu drei öffentlichen Veranstaltungen in der OMA in Weimar, die ich hier gerne bewerbe. Heute Abend eine Klezmer-Jam Session mit Pieter Sint Nicolaas, Donnerstag ein Konzert mit Dan Kahn und Yuri Vedenyapin und am Samstag die Abschlusspräsentation New Yiddish Creativity bei der die GenJ Teilnehmenden aus Frankreich, Polen und Deutschland ihre Projektergebnisse präsentieren. Gerne werde ich am Donnerstag und Samstag in Weimar dabei sein.

Heute war ich auf Einladung von Andreas Schmitges in Weimar und konnte mit Jugendlichen aus Österreich und Israel ins Gespräch kommen. Das Konzept junge Menschen zusammenzubringen und gemeinsam Musik zu machen ist Andreas ein besonderes Anliegen. Es ist auch die Grundidee des „Caravan Orchestra & Choir“ – der Kooperation zwischen dem Yiddish Summer Weimar und der Abteilung für Musik der Universität Haifa. Im Caravan-Orchestra treffen sich (hoffentlich auch in diesem Jahr wieder) Musikerinnen und Musiker aus Deutschland und Israel.

Generation J Events 2026

Kufiyas sind unerwünscht…

…und dabei geht es weniger um das Stück Stoff, sondern um die antisemitischen Gedanken dahinter! In Weimar sind heute erfreulicherweise über 200 Menschen der Einladung der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft gefolgt und haben Flagge für Israel und gegen Antisemitismus gezeigt. Die ursprünglich von einer sogenannten “Kufiyas in Buchenwald” geplante Provokation auf dem Gedenkstättengelände wurde von der Gedenkstättenleitung und den Gerichten eine klare Absage erteilt. Stattdessen hätten die “Kufiyas” als Angebot der Stadt auf dem Theaterplatz auftreten können. Mangels Masse fand dort allerdings am Sonntag gar nichts statt – nur knapp 20 Kufiyas-begeisterten Menschen waren nach Weimar gereist…

Bei unserer Veranstaltung haben wir deutlich Position bezogen und ich bin dankbar für die Unterstützung, die wir als DIG aus Bayern, NRW, Berlin und vielen anderen Regionen gekommen haben. Ich habe bei der Begrüßung daran erinnert, dass mit der Befreiung des KZ Buchenwald am 11. April 1945 die Hoffnung einher ging, dass Antisemitismus nie wieder einen Platz in Weimar und Buchenwald haben wird. Dem Versuch der Kufiya-Demonstranten ihren Hass auf Israel und ihren Antisemitismus auf die Gräber der Opfer von Buchenwald zu tragen, wird von uns immer heftigen W§iderspruch erfahren.   

Vielen Dank für die Initiative zu der Demonstration an Johannes Loesch. Innenminister Georg Mayer, Karolin Preisler, Volker Beck, Michael Hose, MdB, und Sascha Stawski haben gesprochen und verfolgt wurde das Ganze von einer größeren Medienschar.

MDR Thüringen Journal

Presse Ruhrbarone

Pressebericht epd

Jüdisches Leben in NRW

27.000 jüdische Menschen leben in NRW in 22 Gemeinden. Mit 15.000 Mitgliedern ist der Landesverband der jüdischen Gemeinden NRW der größte Landesverband in Deutschland. Zahlreiche Synagogen gibt es im Ruhrgebiet.

Die Synagoge in Essen konnte ich schon vor einigen Jahren kennenlernen und ich den letzten Tagen auch die Synagoge in Düsseldorf und Duisburg. In Düsseldorf haben rund 7.000 – 8.000 Gemeindemitglieder ihre Heimatsynagoge am Paul-Spiegel-Platz. 1956 wurde die Synagoge nach dem Neubau eingeweiht.

Nachdenklich hat mich aber gemacht, welch großer Sicherheitsaufwand betrieben werden muss, um die Synagoge zu sichern. Leider ist inzwischen die Sicherheit jüdischer Einrichtungen keine Selbstverständlichkeit mehr.

Pressemitteilung des Vereins “Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis

Jüdisches Leben sichtbar machen

Im Bundesland Thüringen leben bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 2,1 Millionen Menschen nur 680 Jüdinnen und Juden. Trotz dieser geringen Zahl ist der Antisemitismus in Thüringen ein großes Problem.

Nach dem sogenannten „Thüringen-Monitor“ sind antisemitische Einstellungen verbreitet und nehme nach dem 7. Oktober 2023 zu. Unter dem Stichwort „Antizionismus“ wird nicht selten das Existenzrecht des Staates Israel in Frage gestellt.

Michael Panse, der Beauftragte der thüringischen Landesregierung für jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus, führt dies unter anderem auf die besondere Nähe der DDR-Politik zu den arabischen Staaten zurück, in denen die Ablehnung Israels fest verankert sei. Auch das Selbstverständnis der DDR als „antifaschistischer Staat“ habe eine Aufarbeitung der NS-Verbrechen erschwert.

„Wir haben bisher nicht genug gegen den Antisemitismus getan“, sagte Michael Panse. Er informierte in der Synagoge Abterode über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Thüringen nach dem Holocaust. Nur sehr wenige Jüdinnen und Juden blieben nach 1945 in Thüringen. Durch die Zuwanderung von Juden aus Russland und Osteuropa stieg die Zahl vorübergehend an, ist aber inzwischen wieder stark rückläufig.

Das Bundesland Thüringen möchte dennoch jüdisches Leben sichtbar machen. Dies geschieht vor allem auf dem Weg der Kulturförderung, etwa durch die jüdisch-israelischen Kulturtage, das Achava-Festival und den „Yiddisch Summer“.

In einem Vorgespräch mit dem Vorstand der Freundinnen und Freunden jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis wurden auch Möglichkeiten einer Kooperation im Kulturbereich erörtert. Panse forderte darüber hinaus eine stärkere Antisemitismus-Prävention in den Schulen, die nicht erst mit dem 10. Schuljahr beginnen dürfe. Auch in der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte müsse mehr geschehen.

Engagement für jüdisches Leben im Werra-Meißner-Kreis

Der zunehmende Antisemtismus in unserer Gesellschaft ist frustrierend und sorgt regelmäßig für ernüchternde Befunde. Um so mehr freut es mich, wenn es Erlebnisse wie heute Abend im Werra-Meißner-Kreis gibt. Vom Verein “Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis e.V.” war ich in die Synagoge nach Abterode eingeladen. In der dortigen Synagoge, die 1871 erbaut wurde, gibt es einen Lern- und Gedenkort, der vom Verein mit Leben gefüllt wird.

Vor einigen Wochen habe ich bei einer Ausstellungseröffnung in Mühlhausen die engagierten Vorstandsmitglieder kennengelernt und spontan zugesagt, zu einem Vortrag über jüdisches Leben in Thüringen und die aktuelle Entwicklung des Antisemitismus nach Abterode zu kommen. Ausgesprochen begeistert war ich sowohl vom Gebäude, als auch dem Engagement des Vereins. Die alte Synagoge wurde glücklicherweise während der Nazizeit nicht zerstört und wurde bis 1992 als Lager der Raiffeisenbank genutzt. Nach der umfassenden Sanierung, wurde in der 1. Etage der Synagoge der Lern- und Erinnerungsort geschaffen und im Erdgeschoss ein kleiner Dorfgemeinschaftsladen. Es gibt heute keine Jüdische Gemeinde mehr in Abterode, aber die Synagoge mitten im Ort ist wieder zu einem Mittelpunkt in der Dorfgemeinschaft geworden.

In meinem Vortrag habe ich sowohl über die Entwicklung jüdischen Lebens in Thüringen in den letzten 900 Jahren im Allegemeinen, als auch die jüngere Entwicklung zu DDR-Zeiten und nach der Wende gesprochen. Ein zweiter großer Teil meines Vortrages drehte sich um die aktuelle Entwicklung des Antisemitismus und die Handlungsoptionen dagegen. Bildungs- und Begegnungsarbeit ist nach meiner Auffassung der wichtigste Schlüssel zur Bekämpfung von Antisemitismus. Dabei ist es wichtig sich zu vernetzen und von Erfahrungen anderer zu lernen. Mit den Freunden im Werra-Meißner-Kreis habe ich vereinbart im Kontakt zu bleiben und sie auch regelmäßig zu informieren, wenn wir Veranstaltungen in Mühlhausen oder Eisenach durchführen.

Bilder der Synagoge Abterode

Kein Erinnerungsmissbrauch!

Am kommenden Wochenende wird in Buchenwald und am Montag auch in Mittelbau-Dora der Opfer der in diesem beiden Konzentrationslagern ermordeten Menschen gedacht. Anlass dafür ist der 81. Jahrestag der Befreiung der beiden Lager.

Wer nun geglaubt hat, dass man sich auf den Konsens des Gedenkens und der Erinnerung an diesem Ort verständigen könnte, sieht sich getäuscht. Seit Wochen ruft eine ausgesprochen dubiose Gruppierung aus dem (vermutlich) linken Spektrum zu einer Demonstration auf dem Lagergelände unter dem Titel “Kufiyas in Buchenwald” auf. Nicht etwa um im Konzentrationslager ermordeter Palästinenser zu gedenken, sondern um den Protest gegen Israel und ihren kaum verhohlenen Antisemitismus auf das Lagergelände zu tragen.

Schon vor einigen Wochen habe ich mich dazu deutlich ablehnend artikuliert und gemeinsam mit der Jüdischen Landesgemeinde und vielen jüdischen Organisationen eine Stellungnahme verfasst. Hass und Hetze dürfen in Buchenwald keinen Platz haben – nie wieder! Zwischenzeitlich wurde die Protestdemo der Kufiya-Fans auf dem Lagergelände untersagt. Nun gibt es  eine angemeldete Demonstration von ihnen auf dem Theaterplatz.

Auf dem Goetheplatz werden sich am Sonntag hoffentlich hingegen viele Menschen mit israelischen Fahnen versammeln. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft hat eine Gegendemo angemeldet und wir helfen als DIG Erfurt bei der Vorbereitung. Gemeinsam mit unserem Vorsitzenden Matthias Tarwitz werde ich zu Beginn der Gegendemo ab 11:30 Uhr) auch auf der Bühne stehen und einige Worte sprechen.

Happy Passover and Happy Easter!

In meinem Büro hängt ein Kalender, der sowohl die christlichen, als auch die jüdischen Feiertage enthält. Er erklärt zugleich die Feiertage und damit ist trotz zeitlicher Nähe auch klar, wie die unterschiedliche Bedeutung ist. Chanukka und Weihnachten können zwar auf einen Tag fallen – sind dennoch aber zwei ganz unterschiedliche Feste.

Genauso ist es mit dem Pessach-Fest und Ostern. In diesem Jahr fällt das siebentägige (in der Diaspora achtägige) Pessachfest wieder (wie zumeist) mit den Ostertagen zusammen. Ich kann mich daran erinnern, dass wir 2019 dies eeindrucksvoll in Jerusalem erlebt haben (dort ist das Foto entstanden).

Während die Christen an den Tod Jesu erinnern und die Auferstehung feiern, feiern die Juden den Auszug aus Ägypten. Der Zusammenhang beider Feste ergibt sich aus dem letzten Abendmahl Jesu. Er feierte es mit den Jüngern am Sederabend und war zuvor am Palmsonntag nach Jerusalem gekommen. Das Pessachfest steht für die Befreiung der Juden aus Ägypten und der Tod Jesu für die Erlösung bzw. Befreiung von Sünden.

Ich wünsche all meinen Freundinnen und Freunden Pessach Sameach und Gesegnete Ostern! Sowie allen gemeinsam Chag Sameach!

Erinnerung und Prävention

Die dritte Schulstation des Projekts gegen Antisemitismus und der Erinnerung an im Holocaust ermordete jüdische Komponisten war heute Vormittag das Erfurter Sportgymnasium. Anschließend waren wir zur vierten Station in der Waldorfschule Erfurt. Das Projekt, welches ich als Beauftragter der Landeregierung für jüdisches Leben in Thüringen und die Bekämpfung des Antisemitismus begleiten darf, ist eine ganz wunderbare Intitiative.

Das Musikprojekt knüpft an die Zeitzeugengespräche an, die wir früher mit Überlebenden des Holocaust an Schulen durchgeführt haben. Inzwischen sind leider nur noch wenige Zeitzeugen am Leben und auch die sind in einem hohen Alter. Es ist nun also die Aufgabe derjenigen, die zu Zeugen der Zeitzeugen geworden sind weil sie ihrer Geschichte zugehört haben, dies an nachfolgende Generationen weiterzugeben.

Eileen Sprock, Seohyun Lee, Valerie Hartling und Emelie Steimetz, alle vier Studentinnen der Hochschule Franz Liszt in Weimar, möchten die Erinnerung an Kompositionen von Pavel Haas, Erwin Schulhoff und Viktor Ullmann wach halten und ein Signal gegen Antisemitismus setzen. Die drei jüdischen Komponisten wurden im Holocaust von den Nazis ermordet. Zuvor waren Pavel Haas und Viktor Ullmann im Ghetto Theresienstadt und Erwin Schulhoff auf der Festung Würzburg deportiert.

Ihre Kompositionen sind glücklicherweise erhalten geblieben. Eileen Sprock und ihre Freundinnen möchten diese Musik weitertragen und als Gesprächsbrücke nutzen, um neben der Erinnerung an die Komponisten auch Antisemtismusprävention zu leisten. Mit diesem Anliegen hat mich Eileen Sprock vor einigen Monaten angesprochen und um Unterstützung gebeten. Sehr gerne unterstütze ich natürlich dieses Projekt und habe bei der Organisation und Durchführung geholfen. Mir war es dabei ein Anliegen zu und mit den Schülerinnen und Schülern zu sprechen – über den Holocaust und über den heute wieder zunehmenden Antisemitismus. An allen vier Schulen, die wir bis jetzt besucht haben, sind wir auf aufmerksame und interessierte Schülerinnen und Schüler gestoßen. Ich hoffe, dass dieses Projekt bei den Schülerinnen und Schülern auch das Interesse weckt, sich mit jüdischem Leben und jüdischer Kultur heute auseinanderzusetzen. Ich danke ausdrücklich den Schulleiterinnen und Schulleitern, sowie den Lehrerinnen und Lehrern, die uns den Zugang zu ihren Schulen und Schülerinnen und Schülern ermöglicht haben.

Bilder des Musikprojekts