Bildungsangebot für Thüringer Schulen

Morgen wird im Thüringer Landtag der Thüringen Monitor diskutiert. Er verzeichnet einen hohen Prozentsatz Zustimmung zu antisemitischen Thesen. Ich bin überzeugt davon, dass nur Bildung helfen kann diese Zahlen zu reduzieren.

Der heutige Tag hat mich aber in der Überzeugung bestärkt, dass es viele Menschen gibt, die sich dafür angagieren. Ein neues Bildungsangebot des Erinnerungsortes Topf & Söhne, der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und Omas gegen Rechts e.V. wurde heute Vormittag im Gedenkort vorgestellt.

“Miriams Tagebuch, ein Zeugnis nationalsozialistischer Verfolgung und jüdischer Selbstbehauptung” als multimedialer Workshop wendet sich an Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 8. Ich hoffe ebenso, wie der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, dass viele Schulen dieses Angebot nutzen werden. Wir waren deshalb gerne heute bei der Vorstellung des Projektes dabei. Ich habe es in das Bildungsangebot zur Bekämpfung des Antisemitismus in Thüringen eingeordnet und werde für die Nutzung werben.

Danach ging es weiter an der Erfurter Universität mit einem Doppeltermin. Mit Studentinnen und Studenten (künftige Lehrerinnen und Lehrer) konnte ich in einem Seminar darüber diskutieren, wie antisemitische Narrative in den sozialen Medien verbreitet werden und welche Auswirkungen dies auf gesellschaftliche Debatten und auch das jüdische Leben in Thüringen hat.
Danach habe ich noch die Uni-Bibliothek besucht und im Lesesaal in dem 100 Jahre alten Buch von Fritz Bernstein zum Antisemitismus gelesen – leider erschreckend aktuell.

Beitrag in der TA

Unterrichtsangebote von Topf & Söhne

Erfurt ist und bleibt Sportstadt!

Erfurt hat eine lange Sporttradition und das wird in einer Sonderausstellung im Stadtmuseum derzeit gut präsentiert. Wir wollen, dass Erfurt auch in Zukunft Sportstadt bleibt. Dafür hat die CDU Stadtratsfraktion bei der Beschlussfassung zum Haushalt jeweils 100.000 Euro für die Jahre 2026 und 2027 in den Haushalt eingestellt, um die Sportvereine zu entlasten.

Wir haben im Fußball, Basketball, Volleyball, Handball und Eishockey und weiteren Mannschaftssportarten Aushängeschilder der Stadt Erfurt die bundesweit zu ihren Spielen unterwegs und ein positiver Imagefaktor für die Stadt sind. Im letzten Jahr haben wir gemeinsam mit der Stadt eine Sportinitiative vorgestellt und dabei versprochen, die Vereine auch aktiv zu unterstützen. Wir halten Wort!

Viele unserer Mannschaftsportarten haben derzeit mit wachsenden Problemen zu kämpfen. Das beginnt bei der begrenzten Verfügbarkeit von Hallenzeiten, setzt sich fort über den erheblichen Aufwand bei der Wettkampfvor- und Nachbereitung (Schulsporthallen müssen aufwändig umgerüstet werden – Hallenboden, LED-Werbebanden, Spieltagsstrukturen schaffen, Einlass, Sicherheit). Die gelingt nur mit hohem ehrenamtlichen Einsatz und vielen Helfern. Hinzu kommen erheblich gestiegenen Nebenkosten. Wir wollen deshalb eine Entlastung bei den Mietkosten für die Riethsporthalle, die Kleine Eishalle und das Stadion. Eine vorläufige Entscheidung hat der Stadtrat dazu mit übergroßer Mehrheit am Mittwoch getroffen.

Zudem wollen wir eine Digitalisierung bei der Vergabe von Hallenzeiten, eine Entlastung aller Sportvereine bei den Nebenkosten und die Mietfreiheit bei Kinder- und Jugendsportfreizeiten in den Ferien. ich habe zu all diesen Punkten am Mittwoch für die CDU Stadtratsfraktion gesprochen und bin dankbar, dass wir den Antrag zu diesen Punkten fraktionsübergreifend mit der Fraktion SPD & PIRATEN, der Fraktion Die Linke und BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN einbringen und beschließen konnten. Nachfolgend der Beschlusswortlaut:

Sportvereine stärken – Ehrenamt unterstützen und entlasten

01

Die Stadtverwaltung etabliert eine digitale Anmeldung von Sportanlagenzeiten, um für die Vereine eine schnelle und unkomplizierte Vergabe von Trainings- und Wettkampfzeiten zu ermöglichen. Weiterführend werden die bisher über Mängelbücher geführten Listen über die Online-Lösung digitalisiert, so dass an dieser Stelle die Kommunikation zwischen Vereinen und Stadtverwaltung schneller und nachvollziehbarer laufen kann bzw. Schäden oder Mängel in den Hallen unkompliziert digital gemeldet werden können. Die Umsetzung erfolgt bis Mai 2027.

02

Für die Umsetzung prüft die Stadtverwaltung bereits vorhandene Softwarelösung (z.B. HallenManager) oder die Etablierung eines eigenen Systems. Die Ergebnisse dieser Prüfung werden dem zuständigen Fachausschuss spätestens zum Ende des 4. Quartals 2026 vorgestellt.

03

Sofern es die Belegungen der Sportanlagen zulassen, wird den Vereinen der Auf- und Abbau am Vorabend bzw. Folgetag unentgeltlich ermöglicht. Hierbei ist zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen dies unentgeltlich erfolgen kann, auch wenn für die Veranstaltung am Folgetag Entgelte erhoben werden.

04

Die Stadtverwaltung Erfurt legt dem Stadtrat unter Einbindung des Stadtsportbundes und des Sportbeauftragten einen überarbeiteten Entwurf der Sportanlagentarifordnung bis Ende 2026 vor. Ziel ist, eine finanzielle Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten für die Nutzung von Sportstätten hin zu deutlich vereinsfreundlicheren Konditionen, durch eine deutliche Senkung der Nutzungsentgelte.

05

Bis zur Beschlussfassung dieser überarbeiteten Sportanlagentarifordnung wird in der bestehenden Ordnung im Punkt 2 c) Kleine Eishalle ein Nettopreis von 40€ / Stunde und dem Punkt 6a Riethsporthalle a) 200€ / Sportliche Nutzung festgelegt. Der Punkt 6a Riethsporthalle b) wird gestrichen. Für den Unterpunkt 10 (3) Steigerwaldstadion wird bis zum Vorliegen der neuen Tarifordnung der niedrigste Ansatz in Rechnung gestellt.

06

Es wird eine vereinsfreundliche Anpassung der Miete für teilweise sportlich genutzte Räumlichkeiten & Energiekostenpauschale für Erfurter Sportvereine unter Unterpunkt 15 in der Anlage Tarifordnung für die Benutzung städtischer Sportanlagen Preis- und Tarifkatalog“ vorgenommen.

07

Diese Änderungen zu Punkt 5 und 6 sind rückwirkend zum 01.01.2026 zur Anwendung zu bringen. Die hieraus ggf. resultierenden Änderungen vertraglicher Bestimmungen mit den Vereinen sind entsprechend vorzunehmen.

08

Der Oberbürgermeister legt gemeinsam mit dem Stadtsportbund dem Stadtrat zum 30.09.26 ein Konzept vor, wie die freiwillige Fusion und Zusammenarbeit von Sportvereinen gefördert werden kann, damit Hallenzeiten so effektiv wie möglich genutzt werden können.

09

Die Nutzung von Erfurter Sporteinrichtungen für Kinder-, Jugend- und Ferienfreizeiten/Trainingscamps ist grundsätzlich kostenfrei, wenn die Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer Erfurter Kinder und Jugendliche sind und unabhängig davon, ob Teilnahmegebühren erhoben werden. Auf Antrag werden eventuelle festgesetzte Entgelte für die Osterferien 2026 erlassen und, sofern bereits gezahlt, erstattet.

Idee und Verwirklichung: Martin Buber und die Hebräische Universität Jerusalem

Von der Idee bis zur Umsetzung ist ein langer Weg. Das ist nicht nur heute so, das war auch schon vor 100 Jahren so. Die Hebräische Universität Jerusalem hat im Jahr 2025 ihr einhundertjähriges Jubiläum gefeiert. Dazu lud die Universität Erfurt in Kooperation mit dem Netzwerk Jüdisches Leben in Erfurt zu einem öffentlichen Vortrag von Dr. Francesco Ferrari ein.

Unter dem Titel „Idee und Verwirklichung: Martin Buber und die Hebräische Universität Jerusalem“ beleuchtet der Referent das vielschichtige Verhältnis des österreichisch-israelischen jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber zur Hebräischen Universität Jerusalem. Der Referent ist assoziierter Fellow am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt und beschäftigt sich als Forscher seit Langem mit dem sozialpolitischen Denken des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber. Der Beauftragte des Präsidiums der Uni Erfurt für das Thema “Jüdisches Erbe” Prof. Dr. Benedikt Kranemann führte in das Thema ein.

Für mich war vieles neu – zwar kenne ich Buber und seine Bedeutung, allerdings wusste ich bis jetzt wenig über die verschlungenen Wege zur Gründung der Universität – lange vor der Gründung des Staates Israel. Danke für die Initiative zu der Veranstaltung.

KlezWeCan

Der Vereinsname ist Programm. Danke für einen ganz wunderbaren Klezmerabend dem Klezmerorchester Erfurt und den vielen, die sich im und um den Verein engagieren. Johannes Gräßer und Szilvia Csaranko haben die künstlerische Leitung und koordinieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Erfurt, Thüringen, Deutschland, Österreich, Schweiz, UK und Belgien. 90 Künstlerinnen und Künstler standen heute auf der Bühne und spielten für ein ein mit 800 Gästen ausverkauftes Haus.

Die einzelnen Stimmgruppen proben und arbeiten in den Tagen vor dem gemeinsamen Konzert unter Anleitung von 10 Künstlerinnen und Künstlern, die alle auch aktiv beim Konzert dabei sind. Sasha Lurje und Benjy Fox-Rosen haben als Solosängerin und Sänger mehrere der Stücke in jiddisch vorgetragen. Neben Klezmer-Klassikern waren zwei neue Stücke (Dunika Waltz und Klaybt zikh tsunoyf) im Programm. Letzteres war durch die zeitgenössischen Bezüge besondern beeindruckend. Vielen Dank füe einen eindrucksvollen Abend und herzlichen Glückwunsch zum 10. Jubiläum dem Klezmerorchester Erfurt!

Bilder des Abends

Buchlesung: Die neue autoritäre Linke

Die heutige Buchlesung von Nicholas Potter “Die neue autoritäre Linke. Eine akute Bedrohung für die demokratische Gesellschaft” im Thüringer Landtag greift ein hochaktuelles Thema auf. Ich bin den Freundeskreis Israel des Thüringer Landtags, dass er diese Veranstaltung, die sich im wesentlichen mit dem linken Antisemitismus beschäftigt, initiiert hat.

TAZ Redakteur und Buchautor Nicholas Potter machte nach den einleitenden Worten von Andreas Bühl, dem Vorsitzenden der CDU Landtagsfraktion und einem der beiden Vorsitzenden des Freundeskreises deutlich, dass das Thema gar nicht so neu ist. Allerdings hat der inzwischen immer offener und deutlicher auftretende Antisemitimus den autoritären Linken einen erheblichen Schub verpasst. Katharina König-Preuss, die andere Vorsitzende des Freundeskreis und Landtagsabgeordnete der Linken, erklärte, dass in Thüringen die Lage recht stabil sei. Die Situation in der Bundespartei, dem Landesverband Berlin, der Linksjugend Solid und etlichen Wezsverbänden mache ihr hingegen große Sorgen. Fraglich bleibt, obn die Linke bei ihrem Bundesparteitag eine klare Linie gegen Antisemitismus findet.

Der linke Antisemitismus wird getragen von sehr jungen Menschen und darüber hinaus auch von sehr vielen älteren Mitgliedern. Bei jungen und älteren Menschen hat dieser Antisemitismus zweifellos viel mit fehlender Bildung zur Geschichte des Staates Israel, aber auch zur Entstehung von Antisemitismus zu tun . Zudem kommt bei vielen älteren Menschen die DDR-geprägte Israelfeindschaft hinzu.

Für einen Vortrag bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in zwei Wochen habe ich mich gerade intensiv mit dem Verhältnis DDR-Israel beschäftigt. Der sogenannte sekundäre Antisemitismus – heute israelbezogener Antisemitismus – war in der DDR bis Ende der 80ger Jahre omnipräsent.   

Erste die erste frei gewählte Volkskammer verabschiedete im April 1990 einstimmig eine Resolution zur “Verantwortung der Deutschen in der DDR für ihre Geschichte und ihre Zukunft”. Darin heißt es: “Wir bitten die Juden in aller Welt um Verzeihung. Wie bitten das Volk in Israel um Verzeihung für Heuchelei und Feindseligkeit der offiziellen DDR-Politik gegenüber dem Staat Israel und für die Verfolgung und Entwürdigung jüdischer Mitbürger auch nach 1945 in unserem Land (…) Wir erklären, uns um die Herstellung diplomatischer Beziehungen und um vielfältige Kontakte zum Staat Israel bemühen zu wollen.”

Diese Erklärung ist jetzt 36 Jahre her. Ich würde mir sehr wünschen, dass die jungen Menschen, die heute als autoritäre Linke unterwegs sind, einen Moment innehalten und sich mit den historischen Hintergründen beschäftigen.

#TrikotTag

Auch in diesem Jahr dabei! Gestern war der 4. bundesweite TrikotTag. Der DOSB hat ihn ausgerufen und dazu aufgefordert im Trikot seines Lieblingsvereins ins Büro zu gehen, um für die zahlreichen Sportvereine und Ehrenamtlichen in Deutschland zu werden. Lieblingstrikot? Da beginnt schon das Problem. Ich habe im Schrank rund 30 Trikots – Eishockey, Handball, Volleyball, Football, Rugby, Fußball, Wintersport, Radfahren und Basketball aus Norwegen, Kroatien, Tschechien, UAE, USA und Deutschland. Da fällt die Auswahl schwer.

Auch in diesem Jahr habe ich mich für Schwarz-Weiß Erfurt und den TSBV entschieden (und zwischendurch einen Trikotwechsel vorgenommen). In beiden Vereinen trage ich seit vielen Jahren gerne Verantwortung. Gefreut habe ich mich, wie viele Menschen der Aufforderung gefolgt sind. Von Bundestagsabgeordneten, Ministern, unserem Ministerpräsident, Sozialverbände, Olympiasieger und von vielen mehr habe ich Bilder im Netz mit dem Hashtag #TrikoTag gesehen.

Der 7. Oktober und seine Folgen

Am Dienstagabend in Erfurt und am Miottwoch in Ilmenau hat Carsten Ovens sein Buch “Im Morgengrauen – wie der 7. Oktober Israel veränderte” vorgestellt und wir haben anschließend gemeinsam mit den Gästen diskutiert. Das Buch von Carsten beginnt mit der persönlichen Erinnerung an den 7. Oktober und lässt zahlreiche Israelis zu Wort kommen.

Sowohl in Erfurt – mit überwiegend jungem Publikum – als auch in Ilmenau gab es zahlreiche Nachfragen und gute Gespräche. Im Mehrgenerationenhaus in Ilmenau war auch der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Reinhard Schramm der Einladung des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Thüringer Landtag Andreas Bühl gefolgt.

In 10 Tagen werde ich Carsten Ovens in Cadenabbia wieder treffen. Bei einem Seminar der Konrad-Adenauer-Stiftung wird Carsten mehrere Vorträge zu Israel und ich werde mehrere Vorträge zum Thema Antisemitismus halten. Wir werden dabei nahtlos an die beiden Veranstaltungen anknüpfen können und ich freue mich sehr darauf.

Thüringen Monitor 2025

Es gibt ihn seit dem Jahr 2000 – damals von Ministerpräsident Bernhard Vogel initiiert in Reaktion auf den Brandanschlag auf die Erfurter Synagoge. Damit ist der Thüringen Monitor eine Langzeitstudie, die es in dieser Form in keinem anderen Bundesland so lange gibt. Der Thüringen Monitor 2025 wurde heute von Frau Prof. Dr. Marion Reiser (FSU Jena) und Minister Stefan Gruhner in einer Regierungsmedienkonferenz vorgestellt.

Der 25. Monitor attestiert dem Freistaat ein starkes gesellschaftliches Fundament. Gleichzeitig beschönigt dieser Monitor nichts. Antisemitismus, Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit seien weiterhin ernste Herausforderungen, so erklärte Stefan Gruhner.

Bei der Pressekonferenz war ich heute dabei, weil mich insbesondere die Aussagen des Monitors zum Antisemitismus interessieren. Drei Fragen bzw. Aussagen werden zum Thema Antisemitismus herangezogen. Der Aussage “Jüdinnen und Juden haben etwas Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns” stimmen 9 Prozent zu – im Jahr 2019 waren es 16 Prozent. Damit ist die Zustimmung zum sogenannten völkisch-rassistischen Antisemitismus am geringsten. Deutlich mehr Anschlussfähigkeit hat der israelbezogene Antisemitismus. 28 Prozent der Befragten stimmen der Aussage “Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat.” zu. Zwar sinken damit die Zahlen leicht im Vergleich zum Vorjahr und sie waren 2019 schon einmal deutlich höher, aber geben immer noch Anlass zur Sorge.

Dies gilt insbesondere auch für die Zustimmungswerte zur dritten Aussage “Es wird immer nur von der Judenverfolgung geredet. Wie die Deutschen gelitten habe, davon redet niemand.”. Mit 44 Prozent ist die Zustimmung dazu um vier Prozent gesunken. Der Monitor kommt abschließend dazu zu dem Fazit, dass antisemitische Aussagen eine höhere Anschlussfähigkeit bei dem älteren Teil der Bevölkerung, bei bildungsfernen und bei rechts verorteten Menschen hat.    

Stefan Gruhner hat bei der Pressekonferenz, darauf hingewiesen, dass der Antisemitismus (entgegen der gefühlten Situation) nicht mehr weiter steigt und sogar leicht sinkt. Aber die Zahlen immer noch viel zu hoch sind. Deshalb habe als Fazit aus dem Monitor der Schutz jüdischen Lebens, die Verteidigung der demokratischen Ordnung und die konsequente Strafverfolgung politisch motivierter Kriminalität höchste Priorität. In der kommenden Woche soll es im Thüringer Landtag eine Regierungserklärung zum Thüringen Monitor geben, die ich sicher interessiert verfolgen werde. 

Link zum Thüringen Monitor 2025

Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933

Am 10. Mai 1933 fand auf dem Opernplatz in Berlin und an 18 Universitätsstandorten die ersten großen Bücherverbrennungen der Nazis in Deutschland statt. Vorbereitet von der NDSAP, der Hitlerjugend und der SA wurden dabei die Bücher von verfemten Autoren verbrannt. Jüdische, marxistische, pazifistische und andere oppositionelle Autoren landeten auf den schwarzen Listen der Nazis.

In Weimar wird daran in jedem Jahr vor dem Nationaltheater mit einer Buchlesung des Bündnis gegen Rechtsextzremismus Weimar (BgR) erinnert. Heute habe ich stellvertretend für die Landesregierung als Beauftragter für jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus daran teilgenommen und gelesen. Mehr als 25 Schauspieler des DNT und Weimarer engagierte Bürgerinnen und Bürger haben aus den 1933 verbrannten Büchern und anderen Werken gelesen.

Für meinen Beitrag habe ich das Buch von Fritz Bernstein (1890 – 1971) “Der Antisemitismus als Gruppenerscheinung. Versuch einer Soziologie des Judenhasses”, erschienen 1926 im Jüdischen Verlag Berlin, ausgewählt. Im Rahmen der Tage der Jüdisch-Israelischen Kultur in Thüringen habe ich erstmals von der Biographie von Fritz Bernstein gehört.

Das Buch wurde vor 100 Jahren geschrieben und ist heute leider wieder sehr aktuell. Das Buch wurde aufgrund seiner jüdischen Herkunft und der darin behandelten Thematik von den Nazis auf die schwarze Liste gesetzt und am 10. Mai 1933 verbrannt. Bernstein ist am 12.6.1890 in Meiningen in Thüringen geboren, lebte seit 1909 in den Niederlanden und war ab 1930 Präsident der dortigen Zionistischen Organisation. Mit seiner Familie emigrierte er 1936 nach Palästina und nahm den Namen Shlomo Fritz Peretz Bernstein an.
Er gehörte am 14. Mai 1948 zu den 37 Unterzeichnenden der Unabhängigkeitserklärung und damit zu den Begründern des Staates Israel. Er war langjähriges Knesseth-Mitglied sowie von 1952 – 1955 Minister für Handel und Industrie.

Das Buch ist – weil inzwischen 100 Jahre alt und viele Exemplare verbrannt wurden – heute kaum zu bekommen. Fündig wurde ich aber sowohl im Internet (die Goethe-Uni Frankfurt hat es digitalisiert), als auch in der Universitätsbibliothek Erfurt. Dort kann das Buch zwar nicht ausgeliehen werden, aber im Lesesaal gelesen werden. Viele Passagen sind heute 100 Jahre später leider wieder hochaktuell. Insofern empfehle ich die Lektüre ausdrücklich. Viele Dank dafür, dass ich an der heutigen Veranstaltung mitwirken durfte.

Bilder von der Veranstaltung vor dem DNT

In schwierigen Zeiten zusammenstehen

Shalom & Moin zum Jahresempfang von ELNET anläßlich des israelischen Unabhängigkeitstages! Unter den 300 Gästen waren Ministerpräsident Daniel Günther, Bundesministerin Karin Prien, der israelische Botschafter S.E. Ron Prosor, die ehemalige Bundesministerin Nancy Faeser, Karoline Preisler und Hildegard Müller und viele mehr. Uns verbindet, dass wir auch in schwierigen Zeiten zusammenstehen in Solidarität zu den Menschen in Israel. ELNET hat sich seit 2007 zur wichtigsten Netzwerkorganisation zwischen Europa und Israel entwickelt und Netzwerken ist heute die besten Gelegenheit, etwas gegen Antisemitismus und für Israel zu tun.

Ron Prosor begann sein Grußwort mit dem Satz “Ich stehe für das Existenzrecht Deutschlands”. Er erklärte dazu, dass er sich wünschen würde, dass jeder deutsche Politiker, dies natürlich genauso klar auch in Bezug auf Israel erklärt – leider ist dies nicht mehr die Regel. Heute wird von ELNET eine aktuelle Studie vorgestellt, die leider sehr deutlich dokumentiert, dass die Zustimmung zu Israel sinkt. Bis 2023 war die Mehrheit der Deutschen dafür, dass die Sicherheit Israels deutsche Staatsräson ist. Heute stimmen nur noch 30 Prozent dieser Aussage zu. In der gestrigen Podiumsdiskussion haben die ehemalige Bundesministerin Nancy Faeser und der Rapper Ben Salomo mit Carsten Ovens darüber gesprochen, was sich diesbezüglich in der deutschen Wahrnehmung geändert hat und was dies für jüdische Menschen in Deutschland bedeutet.

In dieser Woche wird in den Bundesrat ein Antrag Hessens eingebracht der Vernichtungsaufrufe gegen den Staat Israel unter Strafe stellen soll. Mit etlichen Kolleginnen und Kollegen Antisemitismusbeauftragten habe ich gestern Abend darüber gesprochen und bin sehr froh, dass es zur hessischen Initiative breite Zustimmung gibt. Es gibt in der juristischen Beurteilung offene Fragen – aber nicht in der Unterstützung des Ziels.

Carsten Ovens, den CEO von ELNET Deutschland kenne ich seit vielen Jahren und schätze sein persönliches Engagement sehr. Kommende Woche habe ich mit ihm zwei Veranstaltungen in Thüringen, bei denen er sein Buch “Im Morgengrauen – wie der 7. Oktober Israel veränderte” vorstellen wird. Ende Mai werden wir gemeinsam in Cadenabbia ein Seminar der KAS zu Israel gestalten.

Über das Wiedersehen und Gespräch mit Karoline Preisler, die ich zuletzt in Weimar getroffen habe und mit der ich mich für einen Termin in Erfurt verabredet habe, habe ich mich sehr gefreut. Hildegard Müller, ehemalige Bundesvorsitzende der Jungen Union und jetzt Präsidentin des VDA, hatte ich zuletzt in Tel Aviv getroffen. Für mich war gestern ein guter Abend mit vielen wichtigen Gesprächen mit Menschen, die sich für Israel und gegen Antisemitismus engagieren. 

Bilder vom Empfang

Nominierungsaufruf ELNET Awards 2026