Trauriger Schatten zu Chanukka

Es hätte eine fröhliche und nach zwei Jahren auch wieder etwas unbeschwerte Chanukka-Feier zum Entzünden der ersten Kerze am Chanukka-Leuchter vor dem Erfurter Rathaus werden sollen. Aber die Reden waren überschattet vom Entsetzen und der Bestürzung über den antisemitischen Anschlag in Sydney. In Norwegen habe ich die schlimmen Nachrichten aus Australien gehört.

Schmerzhaft hat die Welt wieder vor Augen geführt bekommen, wohin Antisemitismus führt. Der Terroranschlag zu Yom Kippur 2025 in Manchester und ebenso der antisemitische Doppelmord in Washington im Mai waren bereits gezielte Angriffe auf jüdisches Leben. Mir ist völlig unbegreiflich und ich bin empört darüber, dass vor diesem Hintergrund linke, rechte und muslimisch geprägte Antisemiten nahezu täglich weltweit ihrem Hass auf Juden freien Lauf lassen.

In Erfurt waren gestern Abend rund 100 Menschen vor dem Erfurter Rathaus beim Entzünden des ersten Lichts dabei. Ich danke diesen Menschen ausdrücklich für ihr Zeichen der Solidarität. Chanukka wird in diesem Jahr im Erfurter Kaisersaal am kommenden Samstag wieder auch im Zeichen des Gedenkens an jüdische Opfer stehen. Ich finde die Entscheidung der jüdischen Landesgemeinde richtig, dass die Feier nicht abgesagt wird.

MDR-Thüringen Journal    

Norwegen – immer wieder eine Reise wert

Zum vierten Mal innerhalb der letzten eineinhalb Jahre war ich am Wochenende in Norwegen und wieder sehr positiv davon angetan. Norwegen ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert – auch kurz vor Weihnachten und auch, wenn noch nicht wirklich viel Winter in Norwegen in Sicht ist.

Mein jüngster Sohn Julian, der seit eineinhalb Jahren in Sandefjord lebt und in die Schule geht hatte am Freitag seinen letzten Schultag vor den Weihnachtsferien und da habe ich die Gelegenheit genutzt mit ihm ein paar Tage zu verbringen und am Montag fliegen wir zurück nach Deutschland. Wellness und Sportprogramm im Hotel in Sandefjord, eine Tour nach Lillehammer zum Bob Weltcup und ein Tag in Oslo bestimmten das Programm.

In Lillehammer konnten wir uns heute über jeweils ein dreifaches deutsches Podium im 2-Bob der Damen und im 4-Bob der Herren, ebenso, wie am Vortag ein Dreifach-Sieg im ersten 4-Bob Weltcup freuen. Im Damen Solo-Bob gab es noch eine Bronzemedaille und bei der Skeleton-Mixed-Staffel auch. Lediglich beim Skeleton Einzel der Damen und Herren gab es keine deutsche Fahne bei der Siegerehrung. Ich finde es immer wieder bewundernswert, wie die Organisatoren in Lillehammer den Weltcup stemmen. Lohn ihrer Arbeit wird in der nächsten Saison die Ausrichtung der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften sein. Ich hoffe sehr, dann auch mit vielen Zuschauern in Lillehammer. Die fehlten bei diesem Weltcup fast vollständig.

Zuschauer waren wir heute auch beim WM-Finale Deutschland-Norwegen, allerdings nicht live in der Halle sondern beim Public Viewing in Oslo. In der Sportsbar verfolgten wir das spannende Spiel. Leider nicht mit dem erhofften Sieg, aber zumindest mit einer gewonnenen deutschen Silbermedaille. Die Norweger sind eine Handballbegeisterte Nation, dies konnten wir schon im Februar live erleben.

Bilder aus Norwegen   

Wintersportnation Israel?

Natürlich ist Israel keine Wintersportnation und dies liegt vor allem am Wetter. In Israel habe ich nur zwei Mal Schnee gesehen – einmal ganz kurz Schneeflocken in Jerusalem und ein Mal auf dem Mt. Hermon. Beides war nicht genug um damit Wintersport zu betreiben. Auf dem Mt. Hermon gibt es zwar eine Abfahrtsmöglichkeit, aber sowohl für Eislaufen, als auch für Rodeln gibt es keine Gelegenheit.

Um so überraschter war ich in Lillehammer einen israelischen Viererbob zu sehen. Mit dem Piloten Adam Edelmann und einem seiner Anschieber bin ich nach der Zielankunft ins Gespräch gekommen, um etwas über den Hintergrund zu erfahren. Adam Edelmann ist in Amerika geboren und wanderte 2016 nach Israel aus. Nach Eishockey versuchte er es mit Skeleton und jetzt ist er im Bon gelandet. Nachdem er 8-facher israelischer Meister wurde und bereits bei den Olympischen Spielen in Südkorea 2018 dabei war, möchte er sich nun für Cortina qualifizieren. Dazu fährt er im Weltcup mit, nachdem er in der Vergangenheit den Nordamerika-Cup gefahren ist.

2022 scheiterte die Olympia-Qualifikation. Ich drücke dem Team um Adam Edelmann die Daumen, dass er es dieses Jahr wieder schafft. #IStandWithIsrael

Bilder aus Lillehammer  

Haushalt auf der Zielgerade?

…noch nicht ganz. Aber immerhin hat gestern der Finanzausschuss seine Beratungen zum Haushalt 2026/2027 abgeschlossen und die bis dahin vorliegenden Änderungs- und Haushaltsbegleitanträge mit einem Votum versehen. Auch die beiden Verwaltungsänderungen wurden bestätigt. Eine Schlussabstimmung über den Haushaltsplan erfolgte allerdings nicht, da noch intensive Gespräche zwischen den Fraktionen über größere Änderungswünsche laufen.

Dies war in den vergangenen Jahren auch und führte dazu, dass bis kurz vor der abschließenden Stadtratssitzung noch Anträge eingereicht wurden. Das ist kommunalpolitisch immer dann möglich, wenn der Hauptausschuss bzw. der Stadtrat mehrheitlich beschließt diese Anträge auch ohne Vorberatung im Finanzausschuss zur Beratung und Beschlussfassung zuzulassen. Ich bin sehr gespannt, ob die fraktionsübergreifenden Gespräche zu einem “großen Wurf” führen werden, der es zumindest den dekokratischen Fraktionen im Stadtrat ermöglicht, dem Haushaltsentwurf zuzustimmen.

Die CDU Stadtratsfraktion hat immer betont, dass ein früher Haushalt wichtig ist. Zum ersten Mal seit vielen Jahren könnten wir kommende Woche noch im alten Jahr den Haushalt für das kommende Jahr (dieses Mal sogar für zwei Jahre) beschließen. Dies schafft Planungssicherheit. Dass der Haushalt nun nach der Einbringung im Oktober doch noch Gestaltungsspiel für die Fraktionen bietet, hat mit Nachbesserungen am Landeshaushalt und günstigen Steuerschätzungen zu tun. Aber natürlich sind die Begehrlichkeiten der Fraktionen größer, als die zur Verfügung stehenden Finanzmittel. Als Finanzpolitiker hätte ich es gerne gesehen, wenn wir mehr für Schuldentilgung getan hätten, bzw. die Neukreditaufnahme gesenkt hätten. Auch die fehlende Zuführung in die allgemeine Rücklage erfüllt mich mit Sorge. Aber Haushaltsbeschlüsse sind immer auch Kompromisse, die mehrheitsfähig sein müssen.

Als Ausschussvorsitzender bedanke ich mich bei allen Mitgliedern des Fianzausschusses und der Verwaltung für die gute Zusammenarbeit. Traditionell hat uns der Finanzbeigeordnete Steffen Linnert nach der gestrigen letzten Sitzung des Jahres auf einen Glühwein eingeladen. Gemeinsam mit dem SPD Kreisvorsitzenden und stellvertretenden Fianzausschussvorsitzenden André Grenzdörffer haben wir die Sitzung “nachbesprochen” und die Stadtratssitzung “vorbesprochen”. Ich bin wie geschrieben sehr gespannt, ob wir nächste Woche einen beschlossenen Haushalt haben, den eine breite Mehrheit im Stadtrat trägt.

Werbung für die Demokratie

Gestern war ich wieder einmal in der Info-Hütte auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt zu Gast. Seit vielen Jahren gibt es diese Hütte als einen der zahlreichen Stände auf dem Weihnachtsmarkt. Das besondere daran ist, dass sie von der Stadt betrieben und organisiert wird und Vereinen und Verbänden offen steht. In den vergangenen Jahren war ich sowohl für unser SWE Volley-Team, als auch für den TSBV dabei und wir haben uns jeweils einen Tag dort präsentiert. Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist ebenfalls seit einigen Jahren dabei und ich war und bin auch dort als Gesprächspartner stundenweise dabei.

Ein kurzer Dialog aus dem Internet zeigt aber, dass dies nicht nur Zustimmung auslöst. Die Ankündigung, dass die KAS auf dem Weihnachtsmarkt ist, wurde von einem User kritisiert. “Die haben dort nichts zu suchen” schrieb er. Ich bin da dezidiert anderer Meinung. Die KAS ist eine  Stiftung, die sich in Tradition ihres Namensgebers für die Demokratie – ind dies weltweit – stark macht. Ich unterstütze viele ihrer Projekte und wir arbeiten seit inzwischen über 25 an vielen gemeinsamen Ideen. Wer dies nicht aushält, kann natürlich am Infostand der KAS vorbei zur nächsten Glühweinhütte gehen. Wer aber grundsätzlich etwas gegen Demokratie hat, der hat ganz andere Probleme mit seiner Einstellung.

Bildungsdefizite im Blick

Antisemitismus in unserer Gesellschaft nimmt zu und neben den verschiedenen Ausdrucksformen auf Straßen und Plätzen macht uns insbesondere der Antisemitismus an Hochschulen und Universitäten Sorgen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Antisemitismus viel mit Bildungsdefiziten zu tun hat. Aber wir müssen uns dann auch die Frage stellen, ob wir die richtige Antisemitismusprävention betreiben, wenn gerade Studentinnen und Studenten erhebliche Informationsdefizite in diesem Bereich aufzeigen. Ich unterstelle ihnen nicht per se gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und auch keine geschlossenen Weltbilder. Aber der Umgang mit dem Thema Israel und jüdisches Leben zeigt mir, dass wir an Schulen, Hochschulen und Universitäten viel mehr agieren müssen.

Gestern war ich dazu einem guten Gespräch beim Beauftragten der FSU Jena zur Bekämpfung des Antisemitismus, heute an der Universität Erfurt und im Januar werde ich mich mit der Antisemitismusbeauftragten der Hochschule Nordhausen treffen. Auch mit dem Leiter des ThILLM bis ich mir sehr einig, dass wir in der Lehrererstausbildung stärker ansetzen müssen und darin sehe ich mich durch das heutige Gespräch an der UNI Erfurt bestärkt. Für das Sommersemester haben wir einen Projekttag besprochen und ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Ich bin froh darüber, dass es überall Mitstreiter gibt, die das Problem des zunehmenden Antisemitismus auch an Bildungseinrichtungen erkennen und etwas dagegen tun. Vielen Dank dafür.

Kochkünste

Ich bin kein guter Koch. Jedenfalls nicht, wenn es über den Beefer oder den Bratwurstrost hinaus geht. Ja, ich kann mich und die Familie notfalls ernähren, aber das ist weit entfernt von kulinarische Köstlichkeiten. Die gab es es aber gestern Abend und ich durfte daran sogar mitwirken.

“Marc kocht” war das Motto des Abends und wir durften mit kochen. Vor 20 Jahren bin ich in unsere “Klostergemeinschaft” eingezogen und viele der Familien, die 2005 zusammen gezogen sind, pflegen bis heute eine gute Nachbarschaft mit Hoffesten und dem gemeinsam Angrillen in der ersten Januarwoche. Zum Jubiläum “20 Jahre Martinskloster-Nachbarschaft” haben meinen Nachbar den besuch in Marcs Kochstudio organisiert und er hat mit uns ein 4-Gänge-Menü gekocht. In diversen Kochshows, u.a. The Taste, war Marc Härtwich schon erfolgreich dabei. Wir konnten aktiv dabei sein und etliche Tipps für die heimische Küche sammeln. Danke für einen schönen Abend und auf die nächsten 20 Jahre gute Nachbarschaft!

Homepage Marc kocht

Adventszeit mit der Bahn

Wir haben in Erfurt ganz zweifellos einen der schönsten Weihnachtsmärkte in Deutschland. Dies ist der Grund dafür, dass es dort in der Adventszeit so voll ist, dass die Fußgänger in der Innenstadt zu einer großen Herausforderung für den Personennahverkehr und insbesondere die Straßenbahnen werden. Seit gestern Abend habe ich vor den Straßenbahnfahrern noch größeren Respekt und möchte an sie in großes Dankeschön loswerden.

Gestern Abend waren wir zur besten Weihnachtsmarktzeit mit dem VolleyDom (unseren Unterstützern unseres Schwarz-Weiß Erfurt Bundesligateams) mit Polos-Weihnachtsexpress in Erfurt unterwegs. Danke Steffen Franz für die Initiative und vielen Dank Christian Poloczek-Becher für die Tour mit der Straßenbahn durch die Landeshauptstadt. Christian, der viele Jahre Stadtratskollege war fährt nebenberuflich für die EVAG Straßenbahn und hat schon vor einigen Jahren die Weihnachtsexpress-Tradition begründet. Ein Teil des Erlöses geht immer an einen guten Zweck und gute Laune ist garantiert. Uns hat es viel Spaß gemacht, auch oder gerade, weil es nur in Schrittgeschwindigkeit durch die Marktstraße ging. 

Bilder der Tour

Ehre dem Ehrenamt

Der 5. Dezember ist Tag des Ehrenamts. Ich bin dankbar dafür viele ehrenamtlich engagierte Menschen in meinem Umfeld zukennen und ich möchte ihnen heute, aber auch im ganzen Jahr danken. Es ist hinlänglich bekannt, dass das Ehrenamt unbezahlbar ist. Dennoch finde ich es richtig und wichtig, dass ab 2026 die Übungsleiterpauschale auf 3.300 Euro und die Ehrenamtspauschale auf 960 Euro angehoben werden.

Um das Ehrenamt auch konkret zu machen, zähle ich gerne ein paar Besispiele auf, bei denen ich regelmäßig das Ehrenamt erlebe und Menschen kenne, die sich für andere engagieren.

Naturgemäß gehört für mich auch die ehrenamtliche Politik dazu, die mich seit der Wende erfüllt – Stadtratsarbeit, sachkundige Bürger und parteipolitisch engagierte Menschen erlebe ich seit 1990 aus nächster Nähe. Häufig kritisiert und manchmal angefeindet, leisten sie einen unschätzbaren Beitrag für die Demokratie.

Im Sport bin ich besonders nah bei unserem SWE Volley-Team seit 26 Jahren dabei und auch beim Thüringer Schlitten- und Bobsportverband seit vier Jahren dabei. Der Volleyballsport wird in Erfurt von vielen Ehrenamtliochen geprägt, die die Nachwuchsarbeit ermöglichen und zudem unser Team in der 1. und 2. Bundesliga getragen haben. Allein die Organisation der Heimspieltage braucht 40 – 50 Ehrenamtliche. Beim TSBV gibt es hunderte Menschen, die unter hohem Zeiteinsatz die Weltcups in Oberhof organsieren. Das Training und der Wettkampfbetrieb der Nachwuchssportlerinnen und Sportler währe ohne das Ehrenamt nicht vorstellbar.

Bei Karneval bin ich viele Jahre in Marbach dabei und habe leider nicht andeutungsweise soviel Anteil, wie alle Mitwirkenden und Ministerinnen und Minister beim MKC.

In zwei weiteren Vereinen darf ich seit vielen Jahren aktiv mitwirken – bei der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und im Förderverein der Jüdisch-Israelischen Kultur in Thüringen habe ich viele Freunde gefunden, dies sich für jüdisches Leben und Israel engagieren.

Mir macht das ehrenamtliche Engagement viel Freude un erfüllt mich. Dass dies so ist, hat mit wunderbaren Menschen zu tun, die sich in ihrer Freizeit für andere Menschen engagieren. Danke euch allen!

Informationen über jüdisches Leben und Israel vermittelt

Mein Aufgabengebiet als Landesbeauftragter sehe ich auch darin Informationen zu vermitteln. Bildungsdefizite und Vorurteile zum Thema Antisemitismus und zum Staat Israel sind leider überall in unserer Gesellschaft anzutreffen. Ich freue mich über jede Initiative, die dagegen angeht und deshalb war ich heute auch gerne zu Gast zu einem Vortrag “Jüdisches Leben und Antisemitismus in Thüringen” beim Piuskolleg des Priesterseminars Erfurt.

Das Priesterseminar ist nur wenige hundert Meter von meiner Wohnung entfernt und trotzdem war ich heute das erste Mal dort. Bevor wir in die Diskussion eingestiegen sind habe ich deshalb von den Studenten eine exklusive Hausführung bekommen – immerhin hat im Priesterseminar im September 2011 auch Papst Benedikt XVI übernachtet. 

Die Geschichte der Staatsgründung Israels habe ich an den Anfang meines Vortrags gestellt – das Alte Testament und das jüdische Leben vor 3.000 Jahren konnte ich überspringen, weil da die meisten meiner Zuhörer Experten sind. Die Geschichte des Antisemitismus reicht allerdings in Europa und auch in Thüringen einige Jahrhunderte zurück und so richtig ist der Antisemitismus auch nach dem Holocaust nicht aus den Köpfen der Menschen verschwunden. Vielen Dank daher für das Interesse am Thema und das aufmerksame zuhören. Ich freue mich darüber, dass es junge Menschen gibt, die sich informieren und dann eine Meinung bilden. Das ist leider nicht immer selbstverständlich.