Namen und Steine

Gedenken auf dem Domplatz
Gedenken auf dem Domplatz
Seit 17 Jahren erinnert die Aidshilfe Thüringen in jedem Jahr Anfang November an die Mensch, die an Aids verstorben sind. Die Veranstaltung findet an den Domstufen in Erfurt statt, wo Steine in das Pflaster eingelassen sind, auf denen die Namen der Verstorbenen verzeichnet sind. Der Welt-Aids-Tag findet zwar erst am 1. Dezember statt, aber da ist in Erfurt auf dem Domplatz der Weihnachtsmarkt. Neben dem Bestattungsinstitut Horst Walter, welches die Veranstaltung seit Anbeginn unterstützt, sprach Pfarrer Knoll in diesem Jahr. In jedem Jahr wird aber auch ein Politiker eingeladen, der Gedanken zum Tag sprechen darf. In diesem Jahr durfte ich für die CDU-Stadtratsfraktion sprechen und habe vor allem an die Aktion zum Welt-Aids-Tag. Am Mittwoch hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe gemeinsam mit der Deutschen Aidshilfe die Kampagne vorgestellt. Aidshilfe (2)#positivzusammenleben ist das Motto und fordert dazu auf Gesicht zu zeigen. In Deutschland ist das Aids-Ansteckungsrisiko dank Aufklärung und Prävention weltweit mit am niedrigsten. Dank moderner Medizin kann man auch mit einer Aidserkrankung und entsprechenden Medikamenten alt werden und ein erfülltes Leben haben. Dennoch verstecken viele Aidskranke ihre chronische Erkrankung aus Angst vor Ausgrenzung und Diskriminierung. Die Plakatkampagne soll Mut machen. Ich unterstütze auch künftig gerne das Anliegen der Aidshilfe. Dazu gehört auch, dass an der Prävention und in der Beratungsstruktur nicht gespart werden darf.

Gedenken an Rudolf Brazda

Morgen wäre der 100. Geburtstag von Rudolf Brazda. Am 26. Juni 1913 wurde er in Brossen (heute Meuselwitz) in Thüringen geboren. Er gehörte zu den wenigen Überlebenden Rosa-Winkel-Häftlingen und verstarb vor zwei Jahren in Frankreich, wo er nach dem Krieg 60 Jahre mit seinem Partner lebte. Bereits am Sonntag wurde anlässlich seines Geburtstags in einem Gedenkakt der Landesregierung seiner, stellvertretend für 650 Rosa-Winkel-Häftlinge von Buchenwald gedacht. Die homosexuellen Opfer der Nationalsozialisten gehörten über Jahrzehnte zu den Gequälten, Misshandelten und Getöteten, denen die öffentliche Beachtung und Rehabilitierung, sowohl in Ost als auch in West, verwehrt war. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht wies bei ihrer Rede beim Gedenkakt im Nationaltheater zu Recht darauf hin, dass es höchste Zeit sei, die Lehren aus der Verletzung ihrer Menschenwürde zu ziehen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erläuterte, dass es bis 1969 dauerte bis der Paragraf 175, auf dessen Grundlage homosexuelle Männer bis 1945 verfolgt und inhaftiert wurden, entschärft wurde. Auch in der ehemaligen DDR wurden Homosexuelle diskreditiert und diskriminiert. Erst 1994 wurde in der Bundesepublik der sogenannte Schwulenpraragraf vollständig abgeschafft.
Volkhard Knigge, Christine Lieberknecht und Sabine Leutheuser-Schnarrenberger
Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Gedenkstätte Buchenwald, würdigte das es in Thüringen als erstem Bundesland einen Staatsakt für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus gab, aber er kritisierte auch die bis heute andauernde Diskriminierung von Homosexuellen. Die Gedenkveranstaltung am Sonntag war ein wichtiger Schritt. Mir war es aber ebenso wichtig auch an der Kranzniederlegung für die Rosa-Winkel-Häftlinge am Nachmittag in Buchenwald teilzunehmen. Seit vielen Jahren organisiert die Aids-Hilfe Weimar & Ostthüringen die Gedenkveranstaltung. Als Ansprechpartner der Landesregierung für Antidiskriminierungfragen konnte ich die Veranstaltung auch direkt unterstützen.