Sapere aude! Heiner Geißler in Erfurt

Vor zwei Jahren wurde er in einem Artikel der Welt „Die Glocken des Heiner Geißler“ als Joda-der-Jedi-Meister-Doppelgänger bezeichnet. Bei der Buchlesung zu seinem neuen Buch „Sapere aude!“ (Wage zu denken) musste ich an diesen Artikel denken. Im ausverkauften Atrium der Erfurter Stadtwerke trat Heiner Geißler auf die Bühne vor 430 Zuhörern. Der ehemalige CDU Generalsekretär engagiert sich heute für Attac und übt dabei leidenschaftlich gerne Kapitalismus-Kritik, die aber auch mal über das Ziel hinaus schießt. Für den Satz „Der Kapitalismus ist um kein Haar besser, als der Kommunismus“ erhielt er zwar Zuspruch im Publikum aber der Satz ist für mich angesichts der Verbrechen im Namen des Sozialismus und Kommunismus nicht akzeptabel. Die von ihm engagiert eingeforderte Gleichberechtigung der Frauen und die Forderung bei allen politischen Handlungen den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, muss hingegen ein wichtiges Anliegen in unserer Partei sein (ja, er ist immernoch CDU-Mitglied). Ebenso auch die Besinnung auf das Soziale in der Sozialen Marktwirtschaft. Die Energiewende der Bundesregierung bezeichnete er als eine der klügsten und vorausschauenden Entscheidungen einer deutschen Regierung – Zustimmung! Von der Sozialen Marktwirtschaft erkennt Heiner Geißler derzeit nur noch „Rudimente“ in Deutschland und nach seiner Meinung ist die fehlende soziale Sicherheit ursächlich für die rückgehenden Geburtenzahlen. Hier irrt hingegen der Meister – der Trend zu zurückgehenden Kinderzahlen ist international in allen Industrieländern, auch den hochgelobten skandinavischen Ländern, zu verzeichnen. In Deutschland übrigens seit 1890 nahezu ungebrochen und selbst in der real existierenden DDR gingen die Geburten kontinuierlich zurück. Mag sein, dass Geld, Geiz und Gier in unserer Gesellschaft dominieren, aber seine Rezepte zur Bekämpfung dieser Situation klingen zu einfach, um funktionieren zu können. Der Satz „Es gibt Geld wie Heu, es haben nur die falschen Leute.“ brachte Applaus aber mehr auch nicht. Geißler fordert eine Inter-öko-soziale Marktwirtschaft. Er wird auch weiter aus Überzeugung dafür werben. Seinen Vortrag habe ich interessiert verfolgt und es war auch viel Richtiges dabei  – dennoch ist es ihm zumindest bei mir heute Abend nicht gelungen mich auf die „rote (gute) Seite der Macht“ zu ziehen. Weiterkämpfen du musst für deine Überzeugung, Heiner Geißler! 🙂 Bevor ich bei Heiner Geißler war hatten wir den Arbeitskreis Jugendhilfe der CDU Stadtratsfraktion mit vergleichsweise sehr banalen Themen. Die desaströse Haushaltslage der Stadt Erfurt wird uns heftig am Mittwoch beschäftigen, ebenso wie der Kita-Platzmangel. Da helfen die bundespolitischen Politikvisionen wenig. Dies gilt auch für das bedingungslose Grundeinkommen, welches die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung heute Nachmittag vor immerhin gut 30 interessierten Gästen in der Erfurter Brücke vorstellte. Das Ganze ist in der Variante der KAB so was von weit entfernt von der Realität, dass ich selbst mit ausreichender Zeit ausgestattet heute darüber nicht hätte diskutieren wollen. Aber das werde ich sicher noch mal nachholen!.

Ein Gedanke zu „Sapere aude! Heiner Geißler in Erfurt“

  1. Guten Morgen Michael,

    gut geschrieben. Nur eines möchte ich bemerken. Auch im Namen des Kapitalismus sind und werden schreckliche Verbrechen an Menschen von Menschen geschehen. Auch die verschiedenen Religionen haben keinen Grund mit dem Finger auf Andere zu zeigen, egal ob christlich, jüdisch oder islamisch. Musste sein.

    Bis morgen, Andreas

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