Erinnerungen an alte Zeiten

Nostalgiebild
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Einen Rückblick auf die Wendejahre und die Entwicklung des Autohauses Gitter gab es in der heutigen Ausgabe der Thüringer Allgemeinen und das war auch für mich eine Reise in die Vergangenheit. 1990/1991 hab ich im Autohaus Gitter als Kfz-Elektriker gearbeitet. Nachdem ich mein Handwerk bei der Firma Autolicht Flügel gelernt, den Gesellenbrief und die NVA-Zeit absolviert hatte stand in der Nachwendezeit der erste Arbeitsplatzwechsel an. Meine Studienambitionen hatten sich schon 1987 zerschlagen, weil ich als Diplomingenieurpädagoge (Berufsschullehrer für Elektrotechnik) meinen Studienplatz in Dresden wieder einbüßte, nachdem ich mich weigerte drei Jahre Armeezeit zu machen. Eigentlich wäre das nächste Ziel ein Meisterbrief gewesen, aber auch dafür änderten sich mit der Wende die Rahmenbedingungen. Also orientierte ich mich auf eine der neu entstehenden Fachwerkstätten. Das Autohaus Gitter war damals die größte private Kfz-Werkstatt in Erfurt und dort fand gerade der Wechsel von der Trabant- zur VW- und Audi-Werkstatt. Meine Begeisterung für deutsche Kfz-Wertarbeit muss wohl damals schon ausgeprägt gewesen sein. Bis auf einen kurzen Ausflug mit einen 105 Skoda und mein 23 Jahre altes Honda NTV Motorrad, waren es alles deutsche PKW – erst mehrere Zweiräder (Schwalbe, MZ TS 150 und MZ TS 250), danach zwei Trabis, Golf, Audi 80, Mercedes, Passat und heute wieder Audi. Damals war daran nicht zu denken und jedes Auto, was auf den Hof der Werkstatt fuhr, war Neuland. Meine „Lieblingsprojekt“ war die Lichtmaschinenreparatur an einem Rolls-Royce Silver Shadow. Der war auf der Durchreise in Erfurt liegen geblieben. Helmut Gitter fragte mich, ob ich das probieren wollte – natürlich wollte ich, schließlich hatte ich noch keine Rolls gesehen, geschweige denn Probe gefahren. In Ermangelung vor Original Rolls-Royce-Ersatzteilen, habe ich die Lichtmaschine zerlegt und mit passend gefeilten Kohlebürsten einer Trabant-Drehstromlichtmaschine ausgestattet. Der Fahrer konnte dies kaum glauben und wir mussten extra auf der Rechnung bestätigen, dass er mit einem Trabi-Ersatzteil fuhr. Heute überlasse ich die notwendigen Reparaturen an meinen Fahrzeugen gerne den Fachleuten. Aber ich erinnere mich auch gerne an die Zeit, als ich selber geschraubt habe.

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