Yad Vashem-Außenstellen in München und Leipzig – dies ist ein wegweisendes Signal zur Förderung eines kritischen Geschichtsbewusstseins, der Bildungsarbeit gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben in Deutschland, aber nicht allen gefällt dies. Kaum war die Entscheidung der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem über die Außenstellengründung verkündet, gab es auch die ersten Kritiker und es waren die üblichen Verdächtigen. Anders gesprochen, es mendelt wieder. Die Meinung von Meron Mendel zum Thema überrascht mich persönlich nicht. Aber seine kontinuierliche Israel-Kritik befeuert den israelbezogenen Antisemitismus und wird berechtigt vom Zentralrat der Juden und auch von der Landesgemeinde in Thüringen zurückgewiesen.
Das Vorhaben von Yad Vashem ist weit mehr als eine Standortentscheidung. Sie ist ein starkes Zeichen des Vertrauens in Deutschland und zugleich ein Auftrag an unsere Gesellschaft, Verantwortung für NS-Verbrechen, Bildung gegen Antisemitismus sowie demokratisches Engagement aktiv wahrzunehmen.
Dass mit Leipzig bewusst auch ein ostdeutscher Standort ausgewählt wurde, hat besondere Bedeutung für die Stärkung der jüdischen Perspektive und ein schärferes Bewusstsein für zeitgenössischen Antisemitismus in der Region. Thüringen hatte ebenfalls sein Interesse bekundet und wir waren dazu auch mit der Delegation unter Leitung des Ministerpräsidenten Marion Voigt im November in Yad Vashem. Schade, dass es nicht geklappt hat, aber für Thüringen eröffnet sich dennoch auch die Chance, bestehende Bildungs- und Erinnerungsarbeit noch enger mit internationalen Perspektiven zu verbinden. Die Nähe zu Leipzig kann dazu beitragen, neue gemeinsame Formate für Schulen, Universitäten, Gedenkstätten und politische Bildung zu entwickeln und so einen noch direkteren Zugang zur kritischen Auseinandersetzung mit NS-Gesellschafts- und Verbrechensgeschichte, jüdischer Kultur sowie demokratischer Wertevermittlung zu ermöglichen.
Besonders wichtig ist dabei der pädagogische Ansatz von Yad Vashem, der die Stimmen und Erfahrungen der jüdischen Opfer des Holocaust in den Mittelpunkt stellt während nur noch wenige Überlebende des NS-Terrors selbst unmittelbar berichten können. Gerade in einer Zeit, in der antisemitische Straftaten zunehmen, historische Fakten relativiert und demokratische Grundwerte infrage gestellt werden, braucht es Orte des Lernens, der Begegnung und der kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart, die auch mittels interaktiven und digitalen Lernräumen zeitgemäße Bildungszugänge ermöglichen.
Die Entscheidung macht zugleich deutlich: Jüdisches Leben gehört sichtbar und selbstverständlich zu Deutschland – auch und gerade in Ostdeutschland.
Einrichtungen wie das geplante Bildungszentrum schaffen Räume für Dialog, Sichtbarkeit und gegenseitiges Verständnis. Sie stärken die Erinnerungskultur nicht als Rückblick allein, sondern als konkrete Orientierung für gegenwärtiges gesellschaftliches Handeln. Die Botschaft von Yad Vashem ist deshalb hochaktuell: Erinnerung ist keine historische Pflichtübung, sondern eine zentrale Voraussetzung für Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt.“