Ich gebe zu, dass ich mit dem Spielausgang nicht gerechnet habe. Seit 23 Jahren bin ich Vereinspräsident und seit unserem ersten Aufstieg in die 1. Volleyball-Bundesliga haben wir nie gegen den vierfachen Meister aus Dresden gewinnen können. 21 Niederlagen und nur ein einziger Punktgewinn, als wir im Sportgymnasium einmal ein 2:3 erreichten.
Während der Stadtratssitzung, die alles andere als erfreulich verlief, hatte ich immer mal wieder einen kurzen Blick auf den Live-Ticker und bekam mit, dass der 1. Satz mit 30 zu 28 an uns ging (allerdings nachdem wir schon haushoch vorne lagen). Insofern war es keine Überraschung, dass nach der Aufholjagd der 2. Satz an Dresden ging. Nachdem wir aber den 3. Satz wieder gewannen, war ich froh, dass ich die Stadtratssitzung ausnahmsweise schon 20:40 Uhr beenden konnte. Mit dem Auto war ich 20 Minuten später in der Halle und konnte die letzten beiden Sätze in der Halle erleben. Wahnsinn, was unser Team und die Fans geliefert haben! Nachfolgend der Spielbericht von unserem Vizepräsidenten Stephan Siegel und ein paar Bilder vom Abend:
Schwarz-Weiß Erfurt sorgt mit dem 3:2-Sieg im Derby gegen den Dresdner SC für eine faustdicke Überraschung und feiert eine Premiere.
Noch nie konnte Erfurt gegen Dresden in der 1. Bundesliga gewinnen – bis zum Mittwochabend. Mit der besten Saisonleistung blieben die Damen von Schwarz-Weiß Erfurt erstmals gegen den stets klaren Favoriten siegreich und ließen sich verdientermaßen von den über 700 Zuschauern feiern. Erfurt startete sehr gut ins Spiel, Dresden gelang beim 11:11 erstmalig der Ausgleich. Doch die Gastgeberinnen setzten sich erneut ab (23:17) und strebten dem Satzgewinn entgegen. Allerdings konterten die Gäste mit sieben Punkten in Folge (23:24) und hatten plötzlich Satzball. Sowohl Erfurt als auch Dresden konnten ihre Satzballchancen zunächst nicht verwerten. Erst beim 30:28 waren es die SWE-Damen, die das bessere Ende für sich hatten. Der Satzgewinn war schon das Maximum, was viele der Erfurter Anhänger vor der Partie von ihrer Mannschaft erwartet hatten.
Im zweiten Satz war Erfurt lange das bestimmende Team (5:1, 12:9), bis die im zweiten Satz eingewechselte Maia Dvoracek zum Aufschlag ging und eine Serie zum 15:20 hinlegte. Die Annahmeprobleme der Erfurterinnen setzten sich auch zum Satzende fort, mit zwei Assen beendete Florentine Rosemann den Durchgang zum 25:19 für Dresden: Satzausgleich.
Im dritten Satz führte Erfurt zunächst (5:1), lag danach aber mit 8:12 hinten. Eine starke Aufschlagserie von Rosalie Tetzel brachte Erfurt aber wieder zurück ins Spiel (13:12), Erfurt übernahm wieder und gewann nach dem Aufschlagfehler von Rylen Reid mit 25:22 den dritten Satz. Der erste Punkt war eingetütet.
Dresden wollte natürlich retten, was zu retten war. Die Thüringerinnen, längst on fire, hielten auch in diesem Satz dagegen, dennoch ging Satz vier an den DSC (25:21).
Irgendwie war es aber nicht der Abend des Favoriten. Erfurt spielte wie im Rausch, mit wenig Fehlern und sehr druckvoll im Aufschlag. Auch eine mit über 50 %-Angriffsquote überragende Maia Dvoracek schaffte es nicht, ihre Mannschaft zum Erfolg zu führen. Erfurt legte im entscheidenden Tiebreak eine 9:3-Führung hin und war vom DSC nicht mehr zu stoppen. Als beim dritten Matchball der Ball vom Dresdner Block ins Aus ging, war die Überraschung perfekt, der Jubel auf Erfurter Seite verständlich riesengroß. Schwarz-Weiß hatte mit einer einwandfreien Leistung den sicherlich noch nicht in Bestform befindenden Dresdner SC geschlagen. Aus der Mannschaft eine Spielerin hervorzuheben, war sicher nicht einfach. Die Gästetrainer entschieden sich für Lina Lieb, die stabil in Annahme und Angriff und im Spielverlauf immer mehr den Turbo zündend, ihre dritte MVP-Medaille der Saison entgegennahm. Beim Dresdner SC bekam Maia Dvoracek die silberne MVP-Medaille überreicht.