Gesprächsbrücken

Vor ein paar Wochen wäre es nur schwer vorstellbar gewesen, dass ich anläßlich des Palästina Tages 2026 eine Motorradtour nach Weimar mache und am Samstagvormittag im Mon Ami dabei bin. Insbesondere in den letzten drei Jahren sind die Kontakte und Gespräche zwischen Juden und den in Deutschland lebenden Palästinensern praktisch komplett zum erliegen gekommen. Die gilt auch für den christlich-muslimischen Dialog.

Ich habe eine klare Präferenz und bin sicher mit meiner Position als nichtjüdischer Zionist zu verorten. Dies bedeutet für mich, dass das Existenzrecht Israels in keiner Weise verhandelbar ist und ich zudem der Auffassung bin, dass Israel das Recht und die Pflicht hat seine Einwohner mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu schützen. Ich widerspreche zudem energisch der Behauptung “Israel verübt einen Genozid” und für mich ist keine Form des Antisemitismus akzeptabel. Dies galt und dies gilt, deshalb habe ich öffentliche Demonstrationen organisiert und deshalb stehe ich dort mit einer Israel-Fahne auf der anderen Seite, als demonstrierende Palästinenser.

Vor einigen Wochen habe ich im Rahmen des interkulturellen Dialogs des Ministerpräsidenten Dr. Mustapha Saad von der Kulturbrücke Palästina kennengelernt (den Verein gibt es seit 2015) und wir haben uns zu einem Gedankenaustausch verabredet. Vorletzte Woche haben wir uns dazu getroffen. In vielen Punkten unterscheiden wir uns bei der Beurteilung der aktuellen politischen Situation und haben darüber gesprochen. Einig waren wir uns aber, dass ein Dialog wieder beginnen muss. Wir haben in Deutschland keinen direkten Einfluss auf die Situation in Israel und Gaza. Gerade deshalb müssen wir aber zu Formen des Gedankenaustauschs finden, der zumindest respektvoll akzeptiert, dass der andere eine andere Meinung haben kann.

Im Ergebnis unseres Gesprächs habe ich gerne die Einladung von Dr. Saad zum Palästinatag nach Weimar angenommen um dort sachliche Gespräche führen zu können und den Dialog fortzusetzen. Es ging beim Palästinatag im Mon Ami im Rahmen der interkulturellen Woche darum, palästinensische Kultur zu präsentieren. Dazu gab es eine Fotoausstellung der Bir Zeit Universität, Musik, Tanz und Lesungen. Viele der Bücher, die dort präsentiert wurden kannte ich schon – nicht alle finde ich hilfreich und auch zu den den Texttafeln hätte ich einige korrigierende Anmerkungen. Das wäre aber sicher anders herum bei einem Israel-Tag ähnlich. Ich werde die begonnene Gesprächsbrücke in Zukunft gerne weiter nutzen.

Bilder aus Weimar 

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