Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933

Am 10. Mai 1933 fand auf dem Opernplatz in Berlin und an 18 Universitätsstandorten die ersten großen Bücherverbrennungen der Nazis in Deutschland statt. Vorbereitet von der NDSAP, der Hitlerjugend und der SA wurden dabei die Bücher von verfemten Autoren verbrannt. Jüdische, marxistische, pazifistische und andere oppositionelle Autoren landeten auf den schwarzen Listen der Nazis.

In Weimar wird daran in jedem Jahr vor dem Nationaltheater mit einer Buchlesung des Bündnis gegen Rechtsextzremismus Weimar (BgR) erinnert. Heute habe ich stellvertretend für die Landesregierung als Beauftragter für jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus daran teilgenommen und gelesen. Mehr als 25 Schauspieler des DNT und Weimarer engagierte Bürgerinnen und Bürger haben aus den 1933 verbrannten Büchern und anderen Werken gelesen.

Für meinen Beitrag habe ich das Buch von Fritz Bernstein (1890 – 1971) “Der Antisemitismus als Gruppenerscheinung. Versuch einer Soziologie des Judenhasses”, erschienen 1926 im Jüdischen Verlag Berlin, ausgewählt. Im Rahmen der Tage der Jüdisch-Israelischen Kultur in Thüringen habe ich erstmals von der Biographie von Fritz Bernstein gehört.

Das Buch wurde vor 100 Jahren geschrieben und ist heute leider wieder sehr aktuell. Das Buch wurde aufgrund seiner jüdischen Herkunft und der darin behandelten Thematik von den Nazis auf die schwarze Liste gesetzt und am 10. Mai 1933 verbrannt. Bernstein ist am 12.6.1890 in Meiningen in Thüringen geboren, lebte seit 1909 in den Niederlanden und war ab 1930 Präsident der dortigen Zionistischen Organisation. Mit seiner Familie emigrierte er 1936 nach Palästina und nahm den Namen Shlomo Fritz Peretz Bernstein an.
Er gehörte am 14. Mai 1948 zu den 37 Unterzeichnenden der Unabhängigkeitserklärung und damit zu den Begründern des Staates Israel. Er war langjähriges Knesseth-Mitglied sowie von 1952 – 1955 Minister für Handel und Industrie.

Das Buch ist – weil inzwischen 100 Jahre alt und viele Exemplare verbrannt wurden – heute kaum zu bekommen. Fündig wurde ich aber sowohl im Internet (die Goethe-Uni Frankfurt hat es digitalisiert), als auch in der Universitätsbibliothek Erfurt. Dort kann das Buch zwar nicht ausgeliehen werden, aber im Lesesaal gelesen werden. Viele Passagen sind heute 100 Jahre später leider wieder hochaktuell. Insofern empfehle ich die Lektüre ausdrücklich. Viele Dank dafür, dass ich an der heutigen Veranstaltung mitwirken durfte.

Bilder von der Veranstaltung vor dem DNT

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