Zeitzeugengespräche mit Überlebenden waren viele Jahre neben Gedenkstättenbesuchen das wichtigste Instrument in der Bildungsarbeit und Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte. Als ich vor 27 Jahren das erste Mal in den Thüringer Landtag gewählt wurde, habe ich für viele Jahre die Schirmherrschaft über die Zeitzeugengespräche der Konrad-Adenauer-Stiftung übernommen. Wir waren in jedem Jahr um den 27. Januar herum (dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und dem Tag der Befreiung des KZ Auschwitz) mit Projekten an Schulen. Ich bin ausgesprochen dankbar, dass ich im Rahmen der DenkTag-Projekte rund zwei Dutzend Zeitzeuginnen und Zeitzeugen kennenlernen durfte. Ihre Schilderungen waren eindrucksvoll, aber wir wussten auch damals schon, dass wir für die Zukunft andere Formen des Gedenkens brauchen. Die letzten noch lebenden Zeitzeugen sind inzwsichen alle über 90 Jahre alt.
Zweitzeugen, oder Zeugen, die Zeitzeugen zugehört haben und dadurch selbst zu Zeitzeugen werden, können die entstehende Lücke nur schwer schließen. Miriams Tagebuch, welches wir in einem neuen onlinebasierten Schulprojekt vor einigen Wochen mit der Gedenkstätte Topf & Söhne vorgestellt haben ist ein neuer Ansatz. Gestern konnte ich das Projekt Holo-Voices – Stimmen für die Ewigkeit kennenlernen. Dabei wurden viele Stunden Zeitzeugen interviewt. Über 900 Fragen wurden beantwortet. Auf einer Bühne sitzend beantwortet dann ein Hologramm Fragen, die von den Schülerinnen und Schülern direkt an sie gerichtet werden. Ich hoffe sehr, dass es noch gelingt die Worte und Gedanken vieler Zeitzeugen auf diese Art zu bewahren.