„Wir freuen uns, dass ihr wieder zu uns kommt!“ Diesen Satz haben wir während unserer 10tägigen Israel-Reise häufig gehört und dies nicht nur von unseren offiziellen Gesprächspartnern, sondern auch von Menschen auf der Straße. In Haifa bin ich mit einem Pärchen in einem kleinen Restaurant dazu ins Gespräch gekommen. Sie hatten unsere deutsche Sprache gehört und neugierig gefragt. Touristen sind in Israel ein Wirtschaftsfaktor und es gab jetzt sieben schlechte Jahre – erst Corona und dann die Zeit nach dem 7. Oktobern bzw. dem Iran-Krieg. Wir waren die erste deutschen Reisegruppe, nach dem Februar. Dies sagten uns unter anderem Abt Nikodemus in der Dormitio, die stellvertretende Botschafterin Helena Merks und Michel Weinberg in der AHK. Sogar der Kapitän der EL AL-Maschine begrüßte uns als Gruppe via Lautsprecher an Bord.
Geplant hatte ich die Reise als Beauftragter der Landesregierung für jüdisches Leben in Thüringen und die Bekämpfung des Antisemitismus in Kooperation mit der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung bereits im letzten Jahr, nach meinen beiden Besuchen in Israel im Oktober und November. Das Programm war im März fertig. Angesichts des Iran-Krieges habe ich es aber erst im Juni verschickt und erfreulicherweise wollten 35 Thüringerinnen und Thüringer mitfliegen – für sieben blieb nur ein Platz auf der Warteliste für das kommende Jahr. Zwei Drittel der 27 Mitreisenden war bereits einmal oder öfters in Israel. Ich habe die Reise dieses Jahr als Aufbaureise mit drei Themenschwerpunkten geplant. Der 7. Oktober und seine Nachwirkungen war ein Thema, die bevorstehenden Knesset-Wahlen und die Städtepartnerschaft Erfurt – Haifa die anderen beiden. Über 20 Gesprächspartner und Termine hatten wir zu den Themen in den 10 Tagen vom 16. – 25. Oktober 2026. Einige unserer Mitreisenden haben mehrere Gespräche als „Speaker oft he group“ moderiert. In meinem Reiserückblick nutze ich auch gerne ihre Zusammenfassung (jeweils kursiv).
Mit dem Bus ging es vom Treffpunkt Thüringer Landtag für den größten Teil der Reisegruppe um 3:30 Uhr nach Berlin. Die üblichen Sicherheitskontrollen zogen sich, wie zumeist in Berlin, länger hin, aber alle hatten pünktlich eingecheckt, nach der Landung am Nachmittag in Tel Aviv waren wir überrascht, wie viele Menschen den Flughafen Tel Aviv lebendig machten. Die Erklärung folgte umgehend von unseren beiden Reiseleiterinnen Daniela Epstein und Michal Hofmann. Zu den bevorstehenden Wahlen reisen besonders viele Juden aus aller Welt nach Israel, um von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Dies können sie, wenn sie einen israelischen Pass und Adresse haben und an ihren Heimat-Wohnort reisen. Briefwahlen gibt es in Israel nicht. Von Tel Aviv ging es über die volle Autobahn nach Jerusalem und dort zum Empfang des Shabbat an die Klagemauer. Wie häufig in den letzten Jahren waren wir in Jerusalem im Hotel Olive Tree untergebracht – nah an der Altstadt mit dem Damaskustor und einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Nach der Vorstellungsrunde endete der Tag mit Vorfreude auf unser Programm.
Am ersten Tag in Jerusalem hatten wir einen vollen und interessanten Tag in Jerusalem. Vielen Dank für das gute Gespräch mit Abt Nikodemus in der Dormitio. Matthias Wanitschke eröffnete den Reigen der Moderatoren.
Der Auftakt unserer folgend zahlreichen Begegnungen war für eine Stunde die Runde mit dem Abt Nikodemus der Benediktiner-Abtei auf dem Berg Zion in Jerusalem sowie des Priorats in Tabgha am See Genezareth geplant. Die Gruppe saß im Gesprächskreis eines hellen Saals mit übergroßem Abendmahlsbild. Überrascht zeigte sich der Mönch, als die Gruppe darum bat, den Dialog mit einem Gebet um Gottes Segen zu beginnen.
Die Eingangsfrage des Moderators, ob er freiwillig den “Job” des achten Abts der Benediktiner in Jerusalem mache, beantwortete er lachend mit dem üblich kollegialen Wahlritus seines Ordens seit über 1500 Jahren. Dann beantwortete er die Frage (unser) aller Fragen, welche Vision er für die Lösung des Nah-Ost-Konflikts habe, ausführlich und ungewohnt engagiert mit Kants Universalismus der Menschen-WÜRDE, siehe: GG 1, stammend aus der jüdischen Tora und der christlichen Bibel von der Gottebenbildlichkeit ALLER Menschen laut Gen 1.
Seine konkrete Rolle vor Ort umschrieb er anhand der antiken Kardinaltugend des Maßhaltens: Nichts zu sehr! mit drei Fakten:
- Wir paar Benediktiner bleiben hier und beten in Treue, bis der Frieden aufbricht!
- Denn Gott wird mich, als Abt uns Benediktiner fragen: Was habe ich für unsere 101 Beschäftigen getan, als der Krieg tobte?
- sind wir (einziger) Zufluchtsort für Künstler, heute 20 Uhr beginne eine Ausstellung: “Bild Gottes als Schöpfer”. Und wir haben einer Behinderteneinrichtung aus dem Kriegsgebiet Unterschlupf gegeben und stellen unsere Krypta (Unterkirche) als Schutzraum vor Iranischen Bomben ALLEN zur Verfügung.
In der nächsten Frage ging’s erneut um die Ein- oder Zwei-Staaten-Lösung und die Rolle der USA. Die letzte zur bevorstehenden Wahl beantwortete der Abt klar: Er lerne Demut, denn Christen werden von der Netanjahu-Regierung nicht beachtet. Die anschließende Besichtigung der Kirche und Erläuterung durch einen jungen Mönch vom Turm der deutschen Kirche war überwältigend.
Nächste Station war das Israel-Museum mit den Schriftrollen des Tanachs und es folgte eine Altstadtführung entlang der Via Dolorosa. Der neue Rektor im österreichischen Hospiz Franz Xaver Brandmayr hat uns empfangen und zur aktuellen Situation der Pilgerstätte informiert. Am Abend hatten wir dann eine Gesprächsrunde mit der Jerusalemer Theologin Dr. Petra Heldt in unserem Hotel, dem Olive Tree. Prof. Sabine Schmolinsky hat das Gespräch für die Gruppe moderiert und zusammengefasst.
Frau Heldt lebt seit 1979 in Israel und ihr Thema ist das Miteinanderleben von Juden und Christen im Land und insbesondere in Jerusalem. Dies prägt ihre Arbeiten als Direktorin einer ökumenischen Bruderschaft für Forschung („Ecumenical Theological Research Fraternity“, gegr. 1966) und als Professorin für Geschichte und Jüdisch-Christliche Beziehungen im Mittleren Osten am Jerusalem University College sowie ehedem als senior lecturerer an der Hebrew University Rothberg School Jerusalem.
Ihren Beitrag leitete Frau Heldt mit Beobachtungen über die Verschiebungen der Zahlen von Christen und Muslimen in Jerusalem ein, die zu Prozentsätzen von 4% Christen und 38% Muslimen bei 57 % Juden geführt hätten. Für Christen gelte aus islamischer Perspektive ihr im Koran begründeter Status als Dhimmi (ein für monotheistische Nichtmuslime geltender eingeschränkter Rechtsstatus, der staatlichen Schutz impliziert). Für Israel gelte, dass es sich seit 1948 im Djihad befinde. Mit Bezug auf sich als eine Christin fundamentalen Glaubens beschrieb Frau Heldt (ihren) Zionismus als orts- und raumgebundene Beziehung zu Zion, das Jeruschalaim ist und seit dem Propheten Jesaja Zentrum sei. Zu islamischen Politiken gehöre Familien mit einer größeren Kinderschar gründen zu wollen.
Die Unverbrüchlichkeit ihrer Beziehung zu Jerusalem hat sogar Terror nicht zu mindern vermocht: Am 30. Juli 1997 wurde Frau Heldt beim Gemüsekaufen auf dem Mahane Yehuda Markt in Jerusalem ein Opfer eines Selbstmordanschlags zweier Attentäter. Schwerstverletzt musste sie zunächst allein für sich sorgen, indem sie mit schier übermenschlichen Kräften zu einem Taxi lief. Damit setzte ein, was sie als auch zu Jerusalem gehörend bezeichnete: Ein fremder Taxifahrer fuhr sie ins Hospital, vor Beginn der Fahrt setzte sich eine fremde Frau zu ihr ins Taxi, da sie doch in diesem Zustand nicht allein bleiben könne, Zuwendung durch Menschen verschiedener Religion und Herkunft prägte ihre sechswöchige Zeit auf der Intensivstation und die zahlreichen Operationen und Hauttransplantationen, ihr fremde Menschen besuchten sie im Krankenhaus.
Solidarität und nachbarschaftliche Hilfe hob Frau Heldt auch für die Zeit seit dem 7. Oktober 2023 hervor. Diese gehören zu ihrer tiefen Verbundenheit mit Israel und insbesondere Jerusalem, über dessen religiös-kulturelle Zustände sie nach eigener Aussage als Christin Wahrheit vermitteln möchte.
Der Abend klang für einen Teil der Gruppe mit einem Spaziergang entlang des orthodoxen Viertels und einem Besuch im Notre Dame Rooftop Restaurants aus – unbedingt empfehlenswert! Gute Drinks und eine wunderschöne Aussicht über Jerusalem.
Mit dem Briefing zu den bevorstehenden Knesset-Wahlen bei der Konrad Adenauer Stiftung Israel begann der nächste Tag in Jerusalem. Herzlichen Dank Dr. Michael Rimmel für die Einladung und das gute Gespräch. In einer Woche, am 27. Oktober 2026, werden die 120 MK (Members of Knesset) neu gewählt. Nach unserem Briefing bei der KAS ging es in die Knesset, das israelischen Parlament. Dort laufen schon die Vorbereitungen für den Wahltag. Neben einer Führung, durften wir sowohl in den Plenarsaal, als auch in den Kabinettssaal. Wir sind gespannt, wer dort künftig das Sagen haben wird. Das Land ist gespalten und der Wahlausgang völlig offen
Die Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust Yad Vashem war der nächste Ort. Nach der Führung durch die Gedenkstätte hatten wir ein gutes Gespräch mit Dr. Noa Mkayton (Direktorin des Overseas Education and Training Departments an der International School for Holocaust Studies in Yad Vashem) moderiert von Heidemarie Schwalbe.
Im Gespräch mit Dr. Noa Mkayton in Yad Vashem ging es um zentrale Herausforderungen der heutigen Holocaust-Pädagogik. Seit rund 30 Jahren arbeite ich selbst zu Antisemitismus, daher war es für mich besonders bedeutsam, dieses Thema als „Speaker of the Group“ moderieren zu dürfen. Dr. Mkayton erläuterte, dass sich die Zusammensetzung der Schüler:innen im deutschsprachigen Raum stark verändert hat: Viele Lernende haben einen Migrationshintergrund, kennen die europäische Geschichte kaum und bringen eigene, oft konfliktgeprägte Narrative mit. Lehrkräfte stehen deshalb vor der Aufgabe, die Geschichte authentisch zu vermitteln und gleichzeitig für alle relevant zu machen, sodass die Schüler:innen verstehen, warum der Holocaust auch für ihre Gegenwart Bedeutung hat.
Dr. Mkayton betonte zudem, dass seit dem 7. Oktober 2023 die Unsicherheit in Europa wächst und antisemitische Einstellungen zunehmen – verstärkt durch soziale Medien. Auch Yad Vashem spürt dies: Gruppen bleiben aus, Dialoge werden schwieriger, Täter-Opfer-Umkehr und Kolonialismusvorwürfe treten häufiger auf. Neue Formen der Vermittlung werden daher immer wichtiger. Ein bemerkenswertes aktuelles Phänomen ist, dass Überlebende gemeinsam mit ihren Enkelkindern TikTok-Videos aufnehmen, um ihre Geschichten weiterzugeben und ihre Stimme sichtbar zu halten.
Fazit der Gruppe: Ein äußerst bereicherndes Gespräch mit einer beeindruckend kompetenten Wissenschaftlerin, dass uns allen neue Perspektiven eröffnet hat.
Für die Yad Vashem-Außenstelle in München und Leipzig sind Bildungs- und Fortbildungsprojekte insbesondere für Lehrerinnen und Lehrer geplant. Ich wünsche mir, dass auch Thüringen künftig wieder Lehrerinnen und Lehrer nach Yad Yashem zu Fortbildungen entsendet.
Mit einer sensationellen Aussicht über Jerusalem begrüßte uns der Direktor Dr. Ralf Rothenbusch im Paulus-Haus. Das Paulus-Haus ist eine vom Deutschen Verein vom Heiligen Lande betriebene Pilgerherberge in Jerusalem. Es liegt am Eingang der Altstadt gegenüber dem Damaskustor und der Gebäudekomplex enthält auch die 140 Jahre alte deutsehe Schmidt-Schule für palästinensische Mädchen. Zu einem Briefing zur aktuellen Situation in der West Bank und einem gemeinsamen Abendessen hat uns Konrad-Adenauer-Stiftung Ramallah ins Paulus-Haus eingeladen. Der Direktor der KAS Ramallah Marian Wendt hat vor zwei Monaten die schwierig Aufgaben angetreten und gab uns einen guten Überblick. Die Übergriffe von Siedlern sind im Westjordanland aktuell eines der zentralen Probleme.
Der Montag war für die Gruppe ein Tag der individuellen Gestaltung – Museen in Jerusalem, das persönliche erleben der Altstadt oder ein Ausflug nach Masada und ans Tote Meer. Ich finde die Felsenfestung Masada immer wieder faszinierend und bin zudem eine Sonnen- und Wassermensch, also stand meine Entscheidung fest – es ging erst zur Taufstelle am Jordan, dann mit der Seilbahn den Felsen hoch und wieder runter und danach an den tiefsten Punkt der Erde.
Zurück in Jerusalem blieb noch Zeit für einen Gang zur Klagemauer und den obligatorischen Pflichttermin jedes Besuchs in Jerusalem. Im Cafe Rimon Himo am Damaskustor gibt es den besten Granatapfelsaft und arabischen Kaffee der Stadt und zudem immer ein gutes Gespräch mit dem Eigentümer über alles was in Jerusalem passiert. Seit inzwischen 20 Jahren schreibt er mir immer eine Widmung ins Reisetagebuch. Am Abend waren dann alle wieder gut im Hotel zurück und wir haben uns mit David Witzthum, dem israelischen Fernsehmoderator und Journalisten getroffen. Ich kenne David seit 22 Jahren und freue mich über jedes Treffen in Thüringen oder Israel.
Unter der Moderation von Jochen Fasco fand eine intensive und tiefgründige Diskussion zur aktuellen Situation in Israel statt. Im Mittelpunkt stand die Analyse des Journalisten David Witzthum über die dramatische politische und gesellschaftliche Lage des Landes. Dabei wurde zunächst die tiefe Spaltung der israelischen Gesellschaft in zwei unversöhnliche Lager zwischen liberalen Demokraten und den Anhängern von Benjamin Netanjahu beleuchtet. Diskutiert wurde auch die starke personelle Fixierung auf Netanjahu, dem trotz seiner umstrittenen Politik gute Chancen auf einen erneuten Wahlsieg zugeschrieben werden. Ein zentrales Thema war zudem der anhaltende Mehrfrontenkrieg mit ungelösten Sicherheitsfragen und fehlenden Exit-Strategien für den Gazastreifen. Die Runde ordnete diese Polarisierung und den Vertrauensverlust in Medien und Institutionen als Teil einer weltweiten Krise der Demokratien ein. Als außenpolitische Reaktion auf extreme Kräfte innerhalb der Regierung wurden zielgerichtete personenbezogene Sanktionen anstelle pauschaler Boykotte vorgeschlagen. Als diplomatischen Lichtblick hoben die Teilnehmer hervor, dass trotz des Krieges kein arabisches Land die bestehenden Friedensverträge oder Abraham-Abkommen abgebrochen hat. Zum Abschluss machte der Moderator deutlich, dass nach Einschätzung des Gesprächs nun zumindest die Probleme klar erkennbar sind und dies eine realistische Basis bildet, auf der man zukünftig aufbauen kann.
Am Dienstag verabschiedeten wir uns von Jerusalem und es ging nach Tel Aviv. Zuvor konnten wir aber am frühen Morgen noch den Tempelberg besichtigen. Dies wollten auch etliche andere Reisegruppen und so mussten wir zunächst etwas länger auf die Sicherheitskontrolle warten. In Jerusalem haben wir durchaus etliche Reisegruppen gesichtet – allerdings vorwiegen Pilgergruppen aus Lateinamerika oder Osteuropa und (noch) keine deutschen Gruppen.
Dr. Gideon Elazar, Anthropologe und Bewohner der israelischen Siedlung Tekoa südlich von Jerusalem, stellte der Gruppe anschließend die jüdisch-palästinensische Friedensinitiative „Roots“ vor. Die Organisation wurde vor rund zehn Jahren gemeinsam mit der palästinensischen Familie Abu Awad gegründet und fördert den direkten Dialog zwischen jüdischen Siedlern und Palästinensern im Westjordanland. Ihr geistiger Wegbereiter war Rabbi Menachem Froman, der davon überzeugt war, dass Religion nicht nur Ursache von Konflikten, sondern auch Grundlage für deren Überwindung sein könne.
Elazar betonte die gemeinsamen religiösen und historischen Wurzeln von Juden und Muslimen sowie ihre tiefe Verbundenheit mit demselben Land. Ein grundlegendes Hindernis für den Frieden sei die auf beiden Seiten verbreitete Vorstellung, die jeweils andere Bevölkerungsgruppe werde irgendwann verschwinden. Tatsächlich müssten Israelis und Palästinenser akzeptieren, dass beide Völker dauerhaft in diesem Land leben werden. Die Initiative organisiert Begegnungen zwischen Rabbinern und Imamen, Frauen- und Jugendgruppen, gemeinsame Mahlzeiten zum Ramadan sowie Ferienprogramme für Kinder. Neben dem Hauptzentrum bei Gush Etzion bestehen zwei weitere Begegnungsorte im Jordantal und in Samaria. Die Arbeit werde durch politische Widerstände, gegenseitiges Misstrauen und erhebliche Einschränkungen der Bewegungsfreiheit erschwert.
Besonders die zweite Intifada, der Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 und der anschließende Gazakrieg hätten Angst, Traumata und Feindseligkeit auf beiden Seiten massiv verstärkt. Elazar kritisierte ausdrücklich die zunehmende Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser und die unzureichenden Gegenmaßnahmen der israelischen Regierung. Zugleich beklagte er das schwindende Vertrauen in staatliche Institutionen und die fehlenden politischen Perspektiven für eine gerechte Lösung des Territorialkonflikts.
Eine klassische Zweistaatenlösung hält er unter den heutigen Bedingungen kaum noch für realistisch; persönlich könne er sich langfristig auch föderale Modelle des Zusammenlebens vorstellen. Obwohl „Roots“ nur eine Minderheit erreiche und keine unmittelbaren politischen Erfolge erwarten könne, sei die Fortsetzung des Dialogs für ihn eine persönliche und moralische Verpflichtung. Entscheidend sei, auch in Zeiten größter Gewalt den Kontakt zur anderen Seite nicht abbrechen zu lassen. Ein besseres Verständnis zwischen Israelis und Palästinenser ist das ehrgeizige Ziel.