Ursprünglich sollte es nur eine “Ersatzlösung” sein, falls die geplante Israel-Reise auch in diesem Jahr wegen Sicherheitsbedenken oder mangelnder Teilnehmerzahl nicht stattfinden kann. Sie wurde am Ende mehr als nur ein Ersatz!
Seit vielen Jahren organsiere ich schon für die Junge Union, die CDU oder die Landeszentrale für politische Bildung politische Bildungsreisen nach Israel. Leider konnte seit dem 7. Oktober 2023 keine der geplanten Reisen stattfinden. Zwei Mal haben wir geplant und zwei Mal abgesagt. Lediglich privat war ich in den letzten drei Jahren drei Mal in Israel.
Mit dem Wechsel in mein neues Amt als Beauftragter, konnte ich die Zuständigkeit für das Thema Jüdisches Leben und Israel von der Landeszentrale mitnehmen und dankenswerter Weise auch die dafür notwendigen finanziellen Ressourcen. Im März 2026 habe ich daher den nächsten Anlauf gestartet und eine Israel-Reise für Oktober geplant. Allerdings begann gerade der Krieg mit dem Iran und so habe ich schließlich darauf verzichtet, die Einladung zu verschicken und mir eine “Ersatzvariante” überlegt. Beim Yeddisch Festival Summer in Weimar (wo sie seit 2023 lehrt) habe ich im März Eidel Malowicki kennengelernt. Sie lebt, studiert und lehrt in Wien, schließt gerade ihre Ausbildung als Fremdenführerin ab und ist bestens in der jüdischen Gemeinde vernetzt. Perfekte Voraussetzungen! Schnell reifte der Plan, gemeinsam die Reise “Jüdisches Wien” zu konzipieren. Eine Liste mit geeigenten Gesprächspartnern und Terminen haben wir miteinander abgestimmt und die Reise ausgeschrieben. 22 Anmeldungen gab es und eine große Erwartungshaltung unter den Teilenhmerinnen und Teilnehmern, von denen viele im Bildungsbereich (Universitäten, Fachhochschulen und Schulämtern) sowie in der öffentlichen Verwaltung, Bilbliotheken und bei jüdischen Projekten engaggiert sind. Alle hatten zudem fachlichen “Vorlauf”, weil sie bereits mit dem jüdischen Leben in Thüringen zu tun haben.
Heute nun geht unsere Reise zu Ende, ich sitze gerade im Zug und lass die Reise Revue passieren. Die sechs Tage in Wien haben uns ganz wunderbare Einblicke, Kontakte, Vorträge und Begegnungen gebracht. In Wien leben derzeit 8.000 – 12.000 Juden (je nach Zählweise). Wir waren sehr positiv überrascht, wie vielfältig jüdisches Leben in Wien präsent ist – im Straßenbild, mit Veranstaltungen und vielen Synagogen, Museen und anderen Einrichtungen. Alle unsere Gesprächstermine haben nicht nur geklappt, sondern vor allem wichtige Einblicke eröffnet. Es gibt in Wien auch Antisemtismus, aber es gibt in Wien auch viele Menschen, die sich dagegen engagieren. Wir waren ausschließlich in jüdischen und israelischen Restaurants und hatten ein wunderbares Shabbat Dinner zum Reiseabschluss. Sehr beeindruckend war der Besuch in der Synagoge, dem Stadttempel. 10 Monate wurde er saniert und wir durften ihn als erste Besuchergruppe nach Sanierungsabschluss besuchen.
Den Reisebericht werde ich sicher in den nächsten Tagen schreiben und mit vielen Fotos hier ins Netz stellen. Ich danke allen Mitreisenden und Mitwirkenenden und bin einfach nur glücklich, dass unser Reisekonzept so aufgegangen ist.
Die Israel-Reise wird übrigens trotzdem stattfinden. In 10 Tagen werde ich das im März schon geplante Reiseprogramm mit 28 Thüringerinnen und Thüringern in Israel umsetzen. Vielleicht gibt es aber nächstes Jahr neben der erneut geplanten Bildungsreise nach Israel auch noch eine Studienreise “Jüdisches Prag”…