Neue Wohnformen bei der Diakonie Erbstromtal unterstützt

„Investitionen zur Schaffung von Kommunikations- und Gemeinschaftswohnbereichen in seniorengerechten Mietwohnanlagen“ so lautet ein Haushaltstitel im Einzelplan 08, dem Haushaltsplan des Thüringer Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit. Auch für die nächsten beiden Haushaltsjahre sind darin jeweils 270.000 Euro zur Förderung von Investitionsmaßnahmen vorgesehen. Dies ist zwar relativ wenig Geld, aber zumindest können damit einige Modellprojekte gefördert werden. Als Generationenbeauftragter des Freistaates Thüringen durfte ich heute einen Fördermittelbescheid dazu an den Diakonieverein Erbstromtal e.V. übergeben. In Seebach im Wartburgkreis hat die Diakonie ein Pflegezentrum im Oktober 2012 eröffnet. Die 15 betreuten Wohnungen und zwei ambulant betreuten  Wohngruppen wurden barrierefrei gebaut. Die Wohnungen sind inzwischen alle vermietet und die Nachfrage ist über die Gemeinde Seebach hinaus sehr groß. Den Fördermittelbescheid in Höhe von 55.000 Euro habe ich dem Vorsitzenden des Diakonievereins Mario Henning übergeben. Er berichtete, dass das Projekt von Anbeginn auch von der Gemeinde Seebach unterstützt wurde. Der 1. Beigeordnete Lothar Schaefer betonte, wie wichtig es sei den Menschen vor Ort ein betreutes Mietwohnangebot zu machen. Die Bewohner und deren Angehörige nehmen dieses Angebot gerne an und fühlen sich sichtbar wohl in dem neuen modernen Haus. Im Gespräch mit mehreren Bewohnerinnen konnte ich mich davon überzeugen, dass ihnen die Gemeinschaft das wichtigste ist. Dem Begegnungs- und Kommunikationszetrum kommt deshalb eine große Bedeutung zu. Die barrierefreie Gestaltung der Außenanlagen und die Ausstattung der Seniorenbegegnungsstätte soll mit den Fördermitteln des TMSFG erfolgen. Sven Kost, der Geschäftsführer des Diakonievereins erläuterte mir die vorgesehenen Baumaßnahmen – gerne werde ich mir das Projekt nach der Fertigstellung noch einmal ansehen. Gustl Bergemann, der örtliche Landtagsabgeordnete hat sich für das Projekt eingesetzt, weil er den großen Bedarf im Erbstromtal (rund 22.000 Einwohner) sieht. Im der Erbstromtal steigt Bedarf im Pflegebereich. In Thüringen gibt es derzeit mehr als 82.300 pflegebedürftige Menschen. 40.135 von ihnen, also etwa die Hälfte werden zu Hause ausschließlich durch Familienangehörige oder Bekannte betreut. Etwa 20.000 werden von ambulanten Pflegediensten und 23.828 in Pflegeheimen stationär betreut. 379 stationäre Pflegeeinrichtungen stehen dafür zur Verfügung und 411 ambulante Pflegedienste sind in Thüringen tätig. Bei den betreuten neuen Wohnformen und Hilfeangebote für demenzkranke Menschen gibt es hingegen noch richtig Erweiterungsbedarf. Die Regelungen des Pflegeneuausrichtungsgesetzes vom letzten Herbst können dabei helfen, aber auch die Unterstützung von Projekten vor Ort. Diskutiert haben wir heute auch intensiv über das derzeit große Thema bei der Pflege in Thüringen und das ist der Fachkräftebedarf. Die letzte Woche im Bundestag getroffenen Entscheidungen zur Ausbildungsverkürzung und zur dreijährigen Vollfinanzierung der Umschulung sind da nur erste Schritte. Mindestens ebenso notwendig ist es, die Vergütung zu erhöhen. Gustl Bergemann wies völlig berechtig darauf hin, dass niemand erklären könne, warum der Pflegemindestlohn Ost einen Euro unter dem Mindestlohn West liegt. Auch als Generationenbeauftragter werde ich vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in unserer älter werdenden Gesellschaft an dem Thema in Zukunft dran bleiben! Bilder aus Seebach