Nach der vergangenen Saison, in der wir mit dem 8. Platz erstmals in die Playoffs gekommen sind, ist unser Ziel die zu wiederholen. Der Aufsteiger Vilsbiburg hat zweifellos ebenfalls dieses Ziel – wenn nicht sogar mehr. Mit einem deutlich erhöhten Etat haben sie sich auf allen Positionen so verstärkt, dass durchaus ein Spiel auf Augenhöhe zu erwarten war. Aber um es gleich vorweg zu nehmen – wir konnten den Sieg im ersten Saisonspiel erringen. berist am Nachmittag hatte unsere Regionalliga gegen Suhl im Tiebreak mit 3:2 gewonnen und dem stand unsere erste Mannschaft nicht nach. Beeindruckt hat mich, wie sie sich nach 0:2 Satzrückstand zurück ins Spiel gekämpft haben. Nachfolgend unser Spielbericht:
Krimi zum Saisonstart
Schwarz-Weiß Erfurt und Rückkehrer Rote Raben Vilsbiburg haben sich gleich zum Saisonauftakt einen packenden Kampf über fünf Sätze geliefert, den die Gastgeberinnen nach 0:2-Rückstand noch mit 3:2 für sich entschieden.
Die Einschätzung auf Erfurter Seite vor der Partie, dass beide Kontrahenten sich in etwa auf Augenhöhe begegnen werden und in der Hauptrunde auch um den Einzug in die Playoffs konkurrieren werden, erhielt durch das Spiel über 124 Spielminuten reichlich Zustimmung. Denn beide Teams lieferten sich einen beherzten Kampf um die drei Punkte und am Ende musste keines der beiden Teams mit leeren Händen die Erfurter Riethsporthalle verlassen.
Dabei hatte es nach zwei Sätzen gar nicht danach ausgesehen. Vilsbiburg hatte diese mit 25:21 und 25:19 gewonnen. Die Raben waren bis dahin das bessere Team, Erfurt bekam im Block kaum Zugriff auf die Angriffe von Luisa Keller und Emma Ellis, während sich die SWE-Angreiferinnen ihrerseits schwer taten, zu scoren. Immer wieder blieben sie im gegnerischen Block hängen oder Vilsbiburgs Verteidigung kratzte die Bälle vor der Bodenberührung.
Dann kam das, was Trainer zumeist überhaupt nicht mögen, zumindest wenn ihr Team einen Lauf hat: eine 10-Minuten-Satzpause. Pablo Sanchez muss bei seiner Kabinenansprache die richtigen Worte gefunden haben und auch die taktische Neuausrichtung sollte fruchten. Erfurt, nun mit Teresa Ziegenbalg für Dagmar Mouritz auf dem Feld, kam wie verwandelt aufs Spielfeld zurück und legte ein 5:1 vor. Fortan gelang auf Seiten der Thüringerinnen vieles, was vorher selten war. Erfurt zog mit stark verbesserter Block-/Feldabwehr den Raben-Angreiferinnen den Zahn, während sich Isabel Kovacic und besonders Lina Lieb immer besser durchsetzen konnten. Nach einer Challenge-Schwämme Mitte des Satzes, inklusive Referee-Challenge, war es Teresa Ziegenbalg, die mit einem Angriffspunkt zum 25:15 auf 1:2 nach Sätzen verkürzte.
Als der Aufsteiger zu Beginn des vierten Durchgangs nach 3:4 auf 8:4 davon zog und zum 10:5 nachlegte, schienen sich die Gallardo-Schützlinge wieder gefangen zu haben. Allerdings hatte Erfurt kurze Zeit später Larissa Winter am Aufschlag, die sehr variabel die Bälle ins Spiel brachte, der Raben-Annahme damit Probleme bereitete und somit wesentlichen Anteil hatte, dass aus einem 7:11 ein 14:11 wurde. Jetzt war Erfurt wieder im Flow wie im dritten Satz, baute die Führung aus (20:14) und kurz darauf vollendete Isabel Kovacic per Block zum 25:18.
Der Satzausgleich war hergestellt, der Tiebreak musste die Entscheidung bringen. Hier wechselten die Gastgeberinnen mit einer 8:6-Führung letztmalig die Seiten und waren beim 11:8 dem Sieg nahe. Doch Vilsbiburg schaffte beim 13:13 den Ausgleich, die Spannung unter den 736 Zuschauern war spürbar. Während Teresa Ziegenbalg den 14. Punkt erzielte, machte Kapitänin „Isa“ Kovacic nach einem langen Ballwechsel mit ihrem Angriff den Deckel drauf: 15:13. Der Jubel der Erfurter Mannschaft und deren Anhängern war dementsprechend groß, schließlich hatte man eine von vielen Zuschauern fast verloren geglaubte Partie mit Plan B nach der längeren Satzpause noch herumgerissen.
Anerkennenden Applaus bekamen aber auch die unterlegenen Roten Raben nicht nur von ihren mitgereisten, lautstarken Anhängern, sondern auch von den Erfurtern. Schließlich hatten sie genauso großen Anteil an einem spannenden Saisonauftakt wie ihre Gegenüber.
Die silberne MVP-Medaille ging an Amanda Cavalcanti, die mit schnellem Armzug über die Mitte nicht nur Erfurts Spielerinnen oft zum Staunen brachte. Bei Erfurt ging die Auszeichnung als wertvollste Spielerin an Lina-Marie Lieb, die sich, je länger das Spiel dauerte, in einen Angriffsrausch spielte und mit harten, variablen Angriffen kaum mehr zu stoppen war. (St.S.)