WM-Qualifikation mit deutschen Fans, die keine sind

Erwärmung des deutschen Teams
Erwärmung des deutschen Teams
Schade, eine sonst tolle Tour nach Prag zum WM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Tschechien wurde getrübt durch Fans, die diese Bezeichnung nicht verdienen. Die goldene Stadt Prag ist von Erfurt rund 350 km entfernt und die Autobahn inzwischen durchgehend. Wir sind deshalb mehrmals im Jahr dort und sind deshalb auch gerne der Einladung eines Bekannten zum WM-Qualifikationsspiel in der modernen Eden-Arena gefolgt. Der Fußballabend war toll und Deutschland gewann 1:2 mit zwei Toren gleich zu Beginn und kurz vor dem Abpfiff. Zwischenzeitlich hatte Tschechien ausgeglichen. Vor dem Spiel konnten wir unsere Spieler noch aus vier Meter Entfernung bei der Erwärmung erleben. Nach dem Spiel verschwanden sie schnell in der Kabine ohne in die deutsche Fankurve zu gehen. Diese Entscheidung war nach meiner Meinung völlig richtig! Unter den rund 18.000 Zuschauern waren geschätzt rund 4.000 deutsche Fans die in der offiziellen Fankurve, aber auch im ganzen Stadion verteilt mit Deutschlandtrikots einträchtig neben tschechischen Fans gesessen haben. Auch wir haben die Stimmung um uns herum ausgesprochen freundlich erlebt. Ganz anderes sah dies aber auf der Gegenseite aus. Neben dem deutschen Fanblock hatten sich nach Medienberichten rund 200 deutsche Hooligans platziert, die von Spielbeginn an zeigten, dass sie nicht wegen dem Fußballspiel da waren. Beleidigende Gesänge, rechtsextremistische Parolen, die Gedenkminute vor dem Spiel gestört waren der Anfang. Zudem wurde der deutsche Torschütze Timo Werner von RB Leipzig beleidigt. Der Bericht dazu im Focus war leider zutreffend und ich habe mir dazu meinen Frust schon bei Facebook von der Seele geschrieben. Es waren tausende deutsche Fans im Stadion aber auch eine große Anzahl von hochaggressiven und Rechtsextremisten. Auf der Rückfahrt aus dem Stadion haben wir dann ausgesprochen unschöne Szenen in der Tram erlebt. Ich bin sauer darüber wie solche Neonazis unser Bild im Ausland versauen. Mit einem der Typen von dem Focus-Foto hatte ich eine (zum Glück nur verbale) Auseinandersetzung in der Straßenbahn. Seine Kumpels hatten das sogenannte U-Bahn-Lied angestimmt und ich habe meinen Unmut dazu kundgetan. Das sogenannte U-Bahn-Lied handelt davon eine U-Bahn nach Auschwitz bauen zu wollen. Im gestrigen Fall haben die Typen das mit Juden-Aue-Rufen begleitet und einen dunkelhäutigen Mitfahrenden übel beleidigt. Ich gehe davon aus, dass die meisten von denen in Deutschland mit Stadionverboten belegt sind – oder das nach solchen Auftritten verdient haben. Mit Fußballfans haben die nichts zu tun! Bilder aus Prag

Toller Auftakt für Achava 2017

Tolle Stimmung im Heizhaus
Tolle Stimmung im Heizhaus
Beeindruckend und mitreißend war das Auftaktkonzert MoZuluArt für die Achava-Festspiele 2017. MoZuluArt verbindet Mozart mit traditionellen Zulu-Klängen und besteht aus einer recht einmaligen Kombination von Musikerm. Der Österreicher Roland Guggenbichler am Klavier mit Musiker der Wiener Symphoniker kombiniert mit drei Musikern aus Zimbabwe hat einen tollen Sound auf die Bühne gebracht. Der Gesang zu afrikanischen Rhythmen begeisterte das Publikum und animierte zum mitsingen und tanzen. Das Festival Achava findet organisiert von Martin Kranz nun zum dritten Mal statt. Zwischen dem 31.8. und dem 10. September gibt es zahlreiche Veranstaltungen, die den interreligiösen Dialog befördern und dazu als Spielorte den Dom, Synagogen und die Peterskirche nutzen. Die heutige Eröffnungsveranstaltung fand im alten Heizwerk im Erfurter Brühl statt. Ich freue mich sehr, dass das Heizwerk inzwischen als Veranstaltungsort fest etabliert ist und dies nicht nur, weil ich um die Ecke wohne. Unser Stadtteil hat sein Bild in den letzten 20 Jahren sehr gewandelt. Mit dem Bau des Theaters im Brühl und den vielen Veranstaltungen im Heizwerk ist es inzwischen ein Kulturort geworden. Bis zum Abschlusskonzert von Achava mit Omer Klein aus Israel werde ich mir noch einige Veranstaltungen raussuchen. Mitte Oktober beginnen dann die dreiwöchigen 25. Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur. Der Spätsommer und Frühherbst ist somit kulturell und nicht nur sportlich dominiert 😉  

Ausverkauft und doch halbleer

Bereits beim Spiel gegen Hoffenheim blieb die Tribüne leer
Bereits beim Spiel gegen Hoffenheim blieb die Tribüne leer
Unser FC Rot-Weiß Erfurt ist derzeit nicht zu beneiden. Neben der schwierigen sportlichen Situation, die mit entsprechenden Herausforderungen in wirtschaftlicher Hinsicht einhergehen, belastet vor allem das Thema Multifunktionsarena. Aktuell hat die Stadt dem Verein mitgeteilt, dass zum bevorstehenden Thüringenderby gegen Jena die Westtribüne nicht genutzt werden kann. Sicherheitsbedenken werden als Begründung angeführt. Für den Verein ist diese Entscheidung in mehrfacher Hinsicht bitter. Die Zuschauerzahlen liegen derzeit im Keller – 3.600 gegen den Spitzenreiter Paderborn sind Minusrekord der letzten sieben Jahre. Selbst zum DFB-Pokal gegen den Erstligisten Hoffenheim waren nur gut 8.000 Zuschauer auf den Rängen. Dies belastet die leere Kasse von RWE zusätzlich, weil Zuschauereinnahmen im Sport zwar zu den flexiblen Größen gehören, aber dennoch zu Saisonbeginn kalkuliert werden. Weniger Zuschauer, weniger Cateringeinnahmen, schlechte Stimmung – der Kreislauf ist fatal. Für das Derby sind bis jetzt rund 11.000 Karten verkauft und somit sind nur noch rund 500 Karten auf den drei Tribünen verfügbar (den Sicherheitspuffer zu den Gästefans einkalkuliert). Für die Westtribüne hätte RWE sicher noch rund 4.000 Karten und somit über 50.000 Euro Mehreinnahmen erwirtschaften können aber die Tribüne scheint wohl nun leer zu bleiben, obwohl der Rest der Arena ausverkauft ist. RWE kommt sich dabei von der Stadt gleich doppelt veralbert vor. Im April erklärten Oberbürgermeister Bausewein und Beigeordnete Hoyer die Arena für fertiggestellt. Unseren Hinweis auf die gesperrte Westtribüne begegneten sie mit der Aussage die Westtribüne sei für Top-Spiele nutzbar und schließlich ja auch für die Leichtathletik-DM eingeplant. Mir erschließt sich nicht, was die Fußballexpertin Hoyer für Top-Spiele meinte, wahrscheinlich das Länderspiel der Damen. Bei RWE sind es in der Regel Top-Spiele wenn Derbyzeit ist. Als Sicherheitsmängel in der neuen Arena beim Spiel gegen Frankfurt offensichtlich wurden, versprach die Stadt nach einigen Diskussionen Abhilfe. Wir haben darauf gedrängt, dass diese Mängel schnellstmöglich abgestellt werden – spätestens bis zum Thüringenderby. Offensichtlich ist dies nicht hinreichend geschehen und führt in Abstimmung mit Feuerwehr, Polizei und Ordnungsbehörden dazu, dass die Arena nicht komplett nutzbar ist. Gerichtsprozesse mit der Baufirma, Konzeptionslosigkeit bezüglich einer Sanierung der Westtribüne und fehlendes Geld, weil alle Reserven verpulvert wurden, werden diese frustrierende Situation nicht beseitigen. Bezeichnend ist, dass die Stadt den zuständigen Fachausschuss weder rechtzeitig noch umfänglich informiert. Der immer wieder kehrende Versuch Probleme zu verschweigen und das Multifunktionsarena-Projekt schön zu reden, wird der tatsächlichen Situation nicht gerecht. Bei Fans und RWE ist aus der Arena-Lust inzwischen Arena-Frust geworden.

Westtribüne zum Derby öffnen

“Warum baut man ein neues Stadion, wenn man es für ein Fußballfest nicht vollmachen darf?”, fragt der Erfurter Sportausschussvorsitzender Michael Hose (CDU) nach der Bekanntgabe der Nichtöffnung der Westtribüne des Steigerwaldstadions für das Thüringenderby. Der Stadtrat weiter: “Das Stadion muss zum Derby vollständig offen sein. Oberbürgermeister Bausewein muss im Sinne der Fußballfans und des Vereins alle Möglichkeiten dazu nutzen. Keiner versteht warum dies gegen den BVB und bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften ging und nun nicht gehen soll.” CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Panse ergänzt: “Die Multiproblemarena hat Oberbürgermeister Bausewein zu verantworten. Das Versprechen, die Westtribüne jederzeit öffnen zu können, ist offensichtlich nichts wert. Die Arena ist bis heute nicht fertig und für Rot-Weiß nur zum Teil nutzbar. Gleichzeitig steigen die Kosten immer weiter. Der Oberbürgermeister muss jetzt Farbe bekennen und die Verantwortung für das Scheitern seines Projektes übernehmen.”

Von der Glashalle zum Wüsten- und Urwaldhaus

Erinnerungen an die alte Glashalle
Erinnerungen an die alte Glashalle
Jeder Erfurter kennt sie – zumindest wenn er älter als 35 Jahre ist und sich an die zahllosen Veranstaltungen in der alten EGA-Glashalle erinnert. Bei mir waren es mehrere Tanzstundenabschlussbälle und Karnevalsveranstaltungen. Dies alles ist aber viele Jahre her und die alte EGA-Glashalle ist ebenso wie die Zentralgaststätte inzwischen abgerissen. Ein Hauch von Glashalle wehte heute Abend wieder über die EGA-Parkbühne. Dort wurden die Pläne für Danakil, das Wüsten- und Urwaldhaus zur Buga 2021 vorgestellt. Die vielen interessierten Gäste fühlten sich beim 9. Buga-Dialog an die Glashalle erinnert. Auch Danakil hat baulich viel Glas zu bieten und ist architektonisch an die alte Glashalle angelehnt. Ein großer Gastronomie- und Veranstaltungsbereich komplettiert die ambitionierten Pläne eines Klimazonenhauses. Ähnliche Projekte gibt es zwar schon in anderen Städten, aber die Planer sind dennoch überzeugt, dass Danakil der Anziehungspunkt zur Buga und darüber hinaus werden kann. In den nächsten Wochen erfolgt nun die Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen und danach der Bau. Zwar ist noch etwas Zeit bis zur Buga-Eröffnung am 23. April 2021, aber wir wissen ja, dass es mit Groß-Bauprojekten in Erfurt immer so eine Sache ist. Die heutigen Meldungen zur Westtribüne erinnern an die diesbezüglich “größte Meisterleistung”. Insofern bin ich froh, dass der Beigeordnete Alexander Hilge für dieses Projekt zuständig zeichnet und nicht seine Kollegin Frau Hoyer.

Vereinssommerfest SWE Volley-Team

Unser Team der Saison 2017/2018
Unser Team der Saison 2017/2018
Nachdem in der letzten Woche die Saisonvorbereitung und insbesondere die Erfüllung der Lizenzauflagen der DVL für unsere Bundesliga-Mission 2017/2018 mit dem Schwarz-Weiss Erfurt Volleyteam im Mittelpunkt stand, konnten wir am Wochenende feiern. Nach dem Football-Spiel meines Sohnes in Jena (leider verloren) ging es weiter nach Hermsdorf zu Freunden zum Israelreise-Nachtreffen (der Kesselgulasch war Klasse). Danach ging es zügig zurück und mit unseren Bundesligadamen zum 50. Geburtstag und Empfang des Chefs der Mediengruppe Thüringen Michael Tallai. Die Location war perfekt – das alte Heizhaus bei uns im Brühl und rund 500 Gäste (vom Ministerpräsidenten bis zu vielen Vertretern von Sport und Kultur) waren der Einladung gefolgt. Dem ersten (inoffiziellen) Mannschaftsfoto mit dem Geburtstagskind folgten am heutigen Sonntag noch viele weitere. Unser Vereinssommerfest fand in diesem Jahr bei bestem Wetter auf der Beachanlage des TVV statt. Neben den Vereinsmitgliedern hatten wie Eltern, Sponsoren und Freunde geladen und über 150 waren gekommen. Vorgestellt wurden dabei alle unsere Teams von der U12 bis zu den Bundesligadamen. Nach dem offiziellen Teil inklusive Fotoshooting ging es ans Netz. Perfektes Beachwetter und vier Felder luden ein, sich mit einigen unsere Bundesligadamen gemeinsam in einem Jedermann-Turnier am Netz zu versuchen. Ich habe es nicht getan – bei allen sportlichen Aktivitäten, bevorzuge ich die Schlagsportarten Squash, Badminton und Tennis. Zum Volleyballspiel fehlt mit nicht nur die Größe sondern auch das Selbstvertrauen. Wobei das Argument Größe zählt nicht. Mit An Saita haben wir erstmals in meiner langen Vereinslaufbahn eine Spielerin verpflichten, die kleiner als der Vereinspräsident ist. 1,59 m bringt die dynamische Japanerin aufs Feld und wir werden unsere neue Libera sicher erfolgreich wirbeln sehen. Der Volleyballterminplan wird in den nächsten Wochen dichter, obwohl die Saison erst am 15. Oktober mit einem Auswärtsspiel in Münster beginnt. Kommenden Freitag steht der erste Vergleich mit Suhl auf dem Programm (in Gera), am darauffolgenden Wochenende der SWE-Cup, danach ein Turnier in Schaffhausen und Spiele mit Wiesbaden. Eine knappe Stunde musste ich beim heutigen Vereinsfest fehlen, weil ich den Abschlussappell des 24. Jugendfeuerwehrzeltlagers in Marbach besucht habe. Dort konnte vor allem die gastgebende Jugendfeuerwehr aus Marbach feiern – sie nutzten den Heimvorteil und gewannen die Wanderrally und auch die Gesamtwertung. Bilder vom Sommerfest  

IKEA-Krebsfest 2017

Die diesjährigen Preisträger
Die diesjährigen Preisträger
Alle Jahre wieder und immer wieder schön. Seit nun 12 Jahren bin ich fast jedes Mal dabei gewesen, wenn IKEA zum Krebsfest Kunden und Geschäftspartner eingeladen hat. Traditionell Ende August wird in Schweden Kräftskiva gefeiert und dies tut IKEA mit allen „Krebsfans“ auch in Erfurt. In diesem Jahr waren neben der Präsidentin und der Kuratorin auch meine Kolleginnen von der Stiftung FamilienSinn dabei. Seit vielen Jahren ist die beim Krebsfest mit involviert, weil wir die Vorschläge für Familienprojekte machen dürfen. IKEA stellt seinen Gästen jeweils drei Familienprojekte vor. Die Gäste stimmen dann darüber ab und am Ende erhalten die Projekte die Spendengelder des Abends (großzügig aufgerundet von IKEA). In diesem Jahr erhielt das Projekt Summercamp von „Die Bunten Schafe“ den 1. Preis in Höhe von 1.000 Euro und das Projekt “Reggio-Kinderhaus Gotha” sowie die “Kunst- und Kulturwoche des Family-Club Erfurt“ den zweiten Preis in Höhe von jeweils 250 Euro. Herzlichen Glückwunsch und ein Dankeschön für das Engagement von IKEA und den vielen Mitarbeitern, die den Abend perfekt ausgestaltet haben.  

„Auf dem Weg in eine inklusive Zukunft“

Das Improvisationstheater Schotte beim Einstieg in das Thema
Das Improvisationstheater Schotte beim Einstieg in das Thema
Inzwischen ist es genau 10 Jahre her, dass die UN-Behindertenrechtskonvention verabschiedet wurde. Ihre Umsetzung ist ein langer Weg und umfasst nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass das Thema in der Jugendhilfe und bei den Hilfen zur Erziehung angekommen ist und deshalb habe ich auch gerne als Podiumsgesprächspartner beim 2. Thüringer Fachkräftekongress der Landesarbeitsgemeinschaft Hilfen zur Erziehung im Audimax der Fachhochschule Erfurt zugesagt. Aus der Zeit als Ansprechpartner der Landesregierung für Antidiskriminierung, weiß ich um die vielen Aufgabenfelder und auch in der Kommunalpolitik begegnen sie mir immer wieder. Moderiert wurde die Abschlussveranstaltung der zweitägigen Tagung von Sina Peschke und das Improvisationstheater „Die Schotte“ setzte zum Thema Inklusion den Startpunkt. Gemeinsam mit Sabine Berninger (Die LINKE) und Martina Reinhardt, Leiterin Landesjugendamt Thüringen habe ich bei der Podiumsdiskussion dabei über zwei große Themenkomplexe diskutiert. Nachfolgend in Kurzform einige der Fragen und meine Antworten darauf. 20170823_1556001. „Inklusion im Bereich der Hilfen zur Erziehung (HzE) in Thüringen“ Stichwort Kinder- und Jugendstärkungsgesetzt (KJSG) – wenn es im September 2017 im Bundestag beschlossen werden sollte – kommt es ohne die ursprünglich geplanten Passagen zur Inklusion – gut so oder hätte Sie sich die Ursprungsfassung gewünscht? Das Gesetz zur Stärkung SGB VIII wurde vom Bundestag beschlossen und vom Bundesrat von der Tagesordnung abgesetzt – eine Verabschiedung am 22.9.2017 kurz vor der Bundestagswahl erscheint fraglich. Insofern ist es richtig Forderungen, zur Aufnahme einer Stärkung des Inklusionsgedankens erneut vorzubringen und um Mehrheiten dafür in den Bundesländern und im Bund zu werben. Nach der BTW werden dann erneut Entscheidungen anstehen. Die Stellungnahmen der Träger sind diesbezüglich deutlich. Wie soll in Thüringen die Behindertenrechtskonvention in den Einrichtungen der HzE umgesetzt werden, wenn es keine gesetzlichen (Landes)Vorgaben gibt? (besonders die Artikel 1, 4 (1) a, 5, 7, 23 (4) und (5) Das Beispiel in den Einrichtungen der HzE ist exemplarisch. Die Thüringer Bauordnung ist beispielsweise bezüglich des Neubaus von Gebäuden auf Barrierefreiheit ausgerichtet, benennt aber Einrichtungen der Jugendhilfe ausdrücklich nicht – da gibt es Regulierungsbedarf! Das ThürGIG (Gesetz zur Gleichstellung und Verbesserung der Integration für Menschen mit Behinderung war für 2016 angekündigt und sollte 2017 in Kraft treten – ist es aber noch nicht. Auch da gibt es noch Arbeit. Welchen Zeitraum halten Sie für einen realistischen, in dem man eine inklusive Betreuung in den Einrichtungen der HzE implementieren kann? Der Maßnahmeplan des Behindertenbeauftragten zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sollte dazu Empfehlungen enthalten, die vom Landesgesetzgeber aufgegriffen werden können – leider liegt dieser noch nicht vor. Wann und was er beinhaltet kann nur die Landeregierung oder die Koalition beantworten. Vor 10 Jahren wurde die UN-Konvention verabschiedet – eine vollständige Umsetzung (wenn diese je erreicht werden kann) wird leider noch sehr lange dauern. Es wird eine inklusive Ausrichtung der HzE gefordert, doch tun wir uns zum Teil schon sehr schwer mit der Integration (z. B. von unbegleiteten minderjährigen Ausländern) – wie passt das zusammen? Vor welchen Herausforderungen stehen die erzieherischen Hilfen dabei? Integration von UMA ist eigentlich das gleiche Thema – insbesondere wenn man sich vor Augen führt, dass es dabei auch um junge Menschen mit individuellem Hilfebedarf geht. Maßnahmen der HzE sollen angemessen und wirksam sein, um Folge- oder Dauerkosten zu vermeiden. Es gibt den gesetzlichen Anspruch der den Kreis der Unterstützungsbedürftigen nicht einschränkt. Deshalb müssen dafür die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Kommunales Bewusstsein dafür muss gestärkt werden und die Hilfeplanung muss in enger Vernetzung von Jugend- mit Sozialämtern erfolgen. Bei Diskussion Inklusion in Kitas und Schulen sind wichtige Stichworte – Fachpersonal – fachliche Qualifikation – Alltagsbegleiter – Sprachbarriere bei Hilfeplangesprächen. Wie leistungsfähig und leistungsbereit ist das bestehende Jugendhilfesystem? Das Jugendhilfesystem ist leistungsfähig und leistungsbereit. Die Frage ist eher wie leistungsbereit ist die Gesellschaft ausreichend Finanzmittel bereit zu stellen – skandinavische Länder sind uns da deutlich voraus. Dilemma der Sozial- und Jugendpolitiker vs. Finanzpolitiker in allen Fraktionen. Adressat des SGB VIII sind im Wesentlichen die örtlichen Träger, somit geht jede Änderung nur im Einklang mit Kommunen/Ländern. Was sind die wichtigsten Maßnahmen, die bei der Umsetzung des Inklusionsgedankens in den HzE ergriffen werden müssen (sächlich und personell)? Verweis auf die Empfehlungen des Deutschen Vereins zur „Weiterentwicklung und Steuerung der HzE“ (Sept. 2015) u.a. Steuerungsverantwortung des Jugendamtes, ausreichen personelle Ressourcen bei sozialen Diensten, Fachkräfte mit angemessenen Kompetenzen zum Fallverstehen, spezifische Kommunikationsbedarfe Wie erfolgt die Unterstützung des Inklusionsgedankens im Bereich der HzE von Seiten der Politik? (verbindliche Aussagen zur eigenen Verantwortlichkeit) Themen aufnehmen und um Mehrheiten streiten – zuständige Gremien zur Befassung anregen Stadtrat, Landtag  Wie können in der zukünftigen Kooperation von Jugendhilfesystem und Sozialhilfesystem gelingende Übergänge gestaltet und Schnittstellen im Sinne der Kinder und Jugendlichen gestaltet werden? Kooperationshürden beseitigen – bsp. Kita-Erzieherinnen, Tagespflegepersonen oder Lehre bei Hilfeplangesprächen einbeziehen Die geplante Gebietsreform in Thüringen wird die Jugendhilfelandschaft ändern – wie kann die Politik hier unterstützen? Worauf muss geachtet werden? Die Gebietsreform, wenn sie denn 2021 überhaupt in der Form kommt, wird zunächst nur die Größe der Landkreise und Kommunen ändern und damit neue Planungsprozesse erfordern. Einher geht damit aber das Landesprogramm für das solidarische Zusammenleben der Generationen. Wie können dabei regionale Disparitäten ausgeglichen werden? (gezielte kommunale Sozialplanung) Kommunale Verantwortung – Sozialraumplanung – analog Jugendhilfeplanung (gesetzlich vorgeschrieben). Einführung der Jugendpauschale als Bsp. für Landesprogramm Trägervielfalt – Bestandssicherung – bedarfsgerechter Ausbau 2. „Die Menschen in den Hilfen zur Erziehung – Betreute, Eltern, Fachkräfte – und Inklusion“ Erwarten Sie Probleme bei der inklusiven Betreuung von Kindern und Jugendlichen, die nicht immer das Maß an Toleranz und Empathie aufbringen können und Kindern mit körperlichen und geistigen Behinderungen? (Schutzraum von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung) Ja, leider. Die Diskussion um die Abschaffung der Förderschulen ist dafür exemplarisch. Es gibt berechtigte Ängste der Eltern aufgrund fehlende Ressourcen. Wie kann man der Stigmatisierung von in den HzE betreuten Kindern und Jugendlichen entgegenwirken? Indem ihre Situation nicht immer problemorientiert sondern chancenorientiert diskutiert wird. Darüber hinaus sind dabei die betreuenden Fachkräfte und die Träger besonders gefordert. Wie kann das System Familie in einer inklusiven HzE eingebunden werden? (Wahlrecht der Eltern) Mehr Mitsprache und Information bei der Hilfeplanung – angemessene und geeignete Maßnahmen. Jugendamt als Partner und nicht als Gängelungsbehörde. Jeden Einzelfall ernst nehmen. Wie können die im Bereich der HzE tätigen Fachkräfte vorbereitet, beteiligt und mitgenommen werden, um den Gedanken der Inklusion umzusetzen? Durch Qualifikation und verbindliche Fortbildung – Bsp. Schule und Kita. Dazu muss es sowohl ausreichend Mittel, als auch Freiräume geben.  Mit der Umsetzung der Inklusion werden sich auch die Berufsbilder der eingesetzten Fachkräfte in den Einrichtungen der HzE ändern. Wie kann Politik dabei unterstützen, dass gut ausgebildete Fachkräfte in ausreichender Quantität zur Verfügung stehen? Sicherung von Fachkräften in allen Bereichen – Wertschätzung, gute Rahmenbedingungen, gute Bezahlung, und Abschaffung von Arbeitsvertragsbefristungen. Viele der Themen konnten gestern Abend nur angerissen und kurz diskutiert werden. Ich wünsche mir sehr, dass sich die Diskussion auf kommunaler und auf Landesebene fortsetzt.

Mobiler Blitzer: Stadtverwaltung Erfurt gibt sich der Lächerlichkeit preis

Bernd das Brot ist dagegen eine Schönheit
Bernd das Brot ist dagegen eine Schönheit
Inzwischen ist er selbst zum Fotomotiv geworden und nach einem Kurzauftritt in der Fußgängerzone der kurz vor dem Anger nun in den Erfurter Norden weiter gezogen. Unsere Fraktionsgeschäftstelle hat heute einmal eine eher satirisch gemeinte Zusammenfassung zum neuen lokalen Medienstar geschrieben. “Zum medialen Gespött des Tages bzw. der Woche ist inzwischen eine Blitzeraktion der Erfurter Stadtverwaltung geworden. Dabei steht bzw. stand der neu erworbene mobile Blitzer, der eher dem Panzerschlachtschiff Potemkin ähnelt, neben der Lorenzkirche am Anger und blitzt ganz offensichtlich fröhlich Straßenbahnen und Passanten, die sich auf Augenhöhe des Hightechblitzers befinden. Es ist zu bedenken, dass dieser gewiss mit viel Bedacht ausgewählte Standort in der Schlösserstraße am Rande einer Fußgängerzone im verkehrsberuhigten Bereich zu finden ist, wo sonst in der Tat lediglich der Schienenverkehr oder die zeitlich begrenzte Innenstadtbelieferung passieren dürfen. „Offenbar haben die Experten der Stadtverwaltungen einen beachtlichen Ehrgeiz, bundesweit für Schlagzeilen zu sorgen“, kommentiert CDU-Fraktionschef Michael Panse. Aus der Verwaltung heißt es indes, dass es sich um eine Testphase handle. Damit reiht sich diese Aktion jedoch in einer Reihe äußerst fragwürdiger, bedenklicher und teils sinnfreier Testphasen und utopischer Experimente ein, die es damit auf skurrile Weise geschafft haben, sich bundesweit in den Schlagzeilen wieder zu finden. Dazu zählen außerdem der berüchtigte Kreisverkehr am Herrenberg, die Nordhäuser Straße oder Poller Paul. „Wenn der Stadtverwaltung und dem Oberbürgermeister so schon nicht einfällt, wie man Erfurt besser nach außen vermarkten kann, dann halt eben so. Schlechte PR ist auch PR“, meint Panse weiter. Wo soll also der Blitzerpanzer als nächstes stehen? Auch der vorherige Standort in der Innenstadt im Parkverbot an der Barfüßerkirche erschien vielen Erfurtern bereits fragwürdig. Am Anger blieben ebenfalls viele Passanten stehen oder gingen fragend vorbei – Blitzer-Selfie inklusive, wenn die Bahn zu schnell vorbei fuhr. Steht das Gerät dann künftig auch am Fischmarkt, damit die Spitze unserer Stadtverwaltung nicht zu schnell auf den Rathausinnenhof fährt? Apropos Selfie. Und wie war das mit der Privatsphäre? Hieß es nicht auch aus den Reihen der SPD, dass im Zusammenhang der Sicherheitsdebatte am Anger Videoüberwachung wegen der Privatsphäre nicht gewünscht wäre? Nun steht dort aber so ein Kasten, der jedes schmusende Pärchen oder jedes verzogene Gesicht ablichtet – wenn die Tram schnell genug vorbeidüst. Erstaunlich erscheint vor dem Hintergrund aber, dass sich die SPD jetzt heldenhaft hinter ihre Verwaltung stellt und den Blitzerpanzer verteidigt. Vor Schulen oder Kindergärten ergäbe das Gerät sicherlich auch Sinn, aber am Rande einer Fußgängerzone, wo ohnehin mit reduziertem Verkehrsaufkommen zu rechnen ist, lässt sich die Aktion lediglich belächeln. Es wäre möglicherweise denkbar, Radfahrer, die auf dem Anger tagsüber unerlaubterweise fahren, zu kontrollieren, aber da ist ein Blitzer wohl möglich eher kontraproduktiv. Er könnte sportlicher Anreiz sein, bewusst zügig daran vorbeizufahren, um den Blitzer auszulösen in dem Wissen, dass die entstandenen Bilder ohne Kennzeichen nicht verwendbar sind. Dann wäre da abschließend noch eine Bemerkung zur Ästhetik zu machen. Dabei soll außerdem die Erfurter Werbesatzung in den Blick genommen werden. Gleich zu Beginn heißt es dort: „Werbeanlagen müssen so gestaltet sein, dass sie den städtebaulichen und architektonischen Besonderheiten der Altstadt von Erfurt Rechnung tragen und nicht verunstaltend wirken.“ Natürlich hat eine Maßnahme zur Verkehrssicherung wenig mit Werbung zu tun, auch wenn man meinen könnte, wie anfangs bemerkt, dass es sich bei dem Blitzer am Anger um einen schlechten Werbegag handle. Nein, der Maßstab an dieser Stelle war die Frage nach Ästhetik, angepasst an die schöne Erfurter Innenstadt. Geschäfte, Gastronomie und Händler müssen sich streng daran halten und werden mit hohen Auflagen geradezu drangsaliert. Warum also darf die Stadtverwaltung dann so ein wirklich hässliches Ding beinahe mitten auf den Anger stellen? Scheinbar wandelt sich die einst als transparent angepriesene bürgernahe Politik des Oberbürgermeisters in Gängelei, aber vielleicht liegt das an der Länge seiner Amtszeit. Bei allem Schmunzeln jedoch, das hier nicht ausbleibt, wird das Thema Anfang September auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung stehen. Michael Panse stellt dem Oberbürgermeister dazu eine Anfrage, um zu klären, welche tatsächliche Begründung für diese merkwürdige Blitzeraktion vorliegt.” (Alex Hein)

Vielfalt Familie als Podiumsdiskussionsthema

Das Podium
Das Podium
Alle Parteien haben das Thema Familie zu einem wichtigen Thema für die Bundestagswahl 2017 erklärt. Und natürlich wollen alle für die Familien nur das Beste. Allerdings was das genau ist und welche Familien damit erreicht werden – darüber gibt es Meinungsverschiedenheiten. Die NaturFreunde Thüringen hatten sich vorgenommen Licht in die Dunkelheit zu bringen und dazu gestern Abend die Bundestagskandidaten der im Bundestag bereits vertretenen Parteien ins Cafe Nerly ein. Gut besucht, gute Diskussion, gute Moderation – das ist das Kurzfazit. Natürlich gibt es erhebliche Unterschiede in der politischen Landschaft. Das beginnt bereits bei der Frage „was bzw. wer ist Familie?“. Während Linke und Grüne dabei den Bogen weit ziehen (Stichwort „soziale Familie“) und die grüne Kandidatin sogar die Kindergärtnerin ihrer Tochter als mögliches Familienmitglied ins Spiel brachte, waren SPD und CDU da deutlich konservativer und bezogen sich auf die Familiendefinition einer Verantwortungsgemeinschaft die sich über mehrere Generationen erstreckt. Bei Thema mehr oder weniger Staat waren die Konfliktlinien eher zwischen FDP (Kindergeld direkt an die Kinder als Anspruchsberechtigte) und Linken (Kindergrundsicherung) bzw. der SPD (Steuerfreibeträge alleine reichen nicht). Die Themen „Ehe für alle“ und Abtreibungen sorgten kurzzeitig noch für Zündstoff, aber insgesamt blieb der Abend eher freundlich im politischen Schlagabtausch. Zwar glaube ich nicht, dass sich im Ergebnis des Abends viele der Besucher politisch neu orientieren (die meisten hatten eine sehr intensive politische Vorprägung), aber dennoch war es gut einmal den direkten Familienpolitischen Vergleich ziehen zu können. Die Naturfreunde haben gemeinsam mit dem Zukunftsforum Familie e.V. eine gute Veranstaltung organisiert.