Ausverkauft und doch halbleer

Bereits beim Spiel gegen Hoffenheim blieb die Tribüne leer
Bereits beim Spiel gegen Hoffenheim blieb die Tribüne leer
Unser FC Rot-Weiß Erfurt ist derzeit nicht zu beneiden. Neben der schwierigen sportlichen Situation, die mit entsprechenden Herausforderungen in wirtschaftlicher Hinsicht einhergehen, belastet vor allem das Thema Multifunktionsarena. Aktuell hat die Stadt dem Verein mitgeteilt, dass zum bevorstehenden Thüringenderby gegen Jena die Westtribüne nicht genutzt werden kann. Sicherheitsbedenken werden als Begründung angeführt. Für den Verein ist diese Entscheidung in mehrfacher Hinsicht bitter. Die Zuschauerzahlen liegen derzeit im Keller – 3.600 gegen den Spitzenreiter Paderborn sind Minusrekord der letzten sieben Jahre. Selbst zum DFB-Pokal gegen den Erstligisten Hoffenheim waren nur gut 8.000 Zuschauer auf den Rängen. Dies belastet die leere Kasse von RWE zusätzlich, weil Zuschauereinnahmen im Sport zwar zu den flexiblen Größen gehören, aber dennoch zu Saisonbeginn kalkuliert werden. Weniger Zuschauer, weniger Cateringeinnahmen, schlechte Stimmung – der Kreislauf ist fatal. Für das Derby sind bis jetzt rund 11.000 Karten verkauft und somit sind nur noch rund 500 Karten auf den drei Tribünen verfügbar (den Sicherheitspuffer zu den Gästefans einkalkuliert). Für die Westtribüne hätte RWE sicher noch rund 4.000 Karten und somit über 50.000 Euro Mehreinnahmen erwirtschaften können aber die Tribüne scheint wohl nun leer zu bleiben, obwohl der Rest der Arena ausverkauft ist. RWE kommt sich dabei von der Stadt gleich doppelt veralbert vor. Im April erklärten Oberbürgermeister Bausewein und Beigeordnete Hoyer die Arena für fertiggestellt. Unseren Hinweis auf die gesperrte Westtribüne begegneten sie mit der Aussage die Westtribüne sei für Top-Spiele nutzbar und schließlich ja auch für die Leichtathletik-DM eingeplant. Mir erschließt sich nicht, was die Fußballexpertin Hoyer für Top-Spiele meinte, wahrscheinlich das Länderspiel der Damen. Bei RWE sind es in der Regel Top-Spiele wenn Derbyzeit ist. Als Sicherheitsmängel in der neuen Arena beim Spiel gegen Frankfurt offensichtlich wurden, versprach die Stadt nach einigen Diskussionen Abhilfe. Wir haben darauf gedrängt, dass diese Mängel schnellstmöglich abgestellt werden – spätestens bis zum Thüringenderby. Offensichtlich ist dies nicht hinreichend geschehen und führt in Abstimmung mit Feuerwehr, Polizei und Ordnungsbehörden dazu, dass die Arena nicht komplett nutzbar ist. Gerichtsprozesse mit der Baufirma, Konzeptionslosigkeit bezüglich einer Sanierung der Westtribüne und fehlendes Geld, weil alle Reserven verpulvert wurden, werden diese frustrierende Situation nicht beseitigen. Bezeichnend ist, dass die Stadt den zuständigen Fachausschuss weder rechtzeitig noch umfänglich informiert. Der immer wieder kehrende Versuch Probleme zu verschweigen und das Multifunktionsarena-Projekt schön zu reden, wird der tatsächlichen Situation nicht gerecht. Bei Fans und RWE ist aus der Arena-Lust inzwischen Arena-Frust geworden.

Westtribüne zum Derby öffnen

„Warum baut man ein neues Stadion, wenn man es für ein Fußballfest nicht vollmachen darf?“, fragt der Erfurter Sportausschussvorsitzender Michael Hose (CDU) nach der Bekanntgabe der Nichtöffnung der Westtribüne des Steigerwaldstadions für das Thüringenderby. Der Stadtrat weiter: „Das Stadion muss zum Derby vollständig offen sein. Oberbürgermeister Bausewein muss im Sinne der Fußballfans und des Vereins alle Möglichkeiten dazu nutzen. Keiner versteht warum dies gegen den BVB und bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften ging und nun nicht gehen soll.“ CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Panse ergänzt: „Die Multiproblemarena hat Oberbürgermeister Bausewein zu verantworten. Das Versprechen, die Westtribüne jederzeit öffnen zu können, ist offensichtlich nichts wert. Die Arena ist bis heute nicht fertig und für Rot-Weiß nur zum Teil nutzbar. Gleichzeitig steigen die Kosten immer weiter. Der Oberbürgermeister muss jetzt Farbe bekennen und die Verantwortung für das Scheitern seines Projektes übernehmen.“

Seitenwechsel

Aussicht von der Westtribüne
Aussicht von der Westtribüne
Möglicherweise ist das dann die einzige Option für die derzeitigen Dauerkarteninhaber auf der Westtribüne im Steigerwaldstadion. Ob oder wann ein Umzug auf die andere Seite ansteht, ist derzeit offen. Die Sanierung der Tribüne sollte eigentlich im Frühjahr losgehen. Nun ist sie aber in weite Ferne gerückt. Auf 5,7 Millionen Euro wird der Sanierungsbedarf beziffert – 2,6 waren nur vorgesehen. Heute haben wir unserer Verärgerung in einer Pressemitteilung Luft gemacht. Ein Statement des Oberbürgermeisters oder gar der zuständigen Beigeordneten gibt es nicht. Im Stadion war die eine noch nie (jedenfalls nicht zu einem Fußballspiel) und der andere ist da inzwischen auch sehr zurückhaltend geworden. Heute Abend waren es unter Flutlicht beim Spiel RWE – Bremen II nur 4.086 Zuschauer unter ihnen allerdings auch Ministerpräsident Bodo Ramelow. Ob er Einfluss auf die Kommunalpolitik hat, die (so war es auf einem Transparent der Fans zu lesen) einen den Rahmenbedingungen angemessenen Mietpreis mit RWE aushandeln soll, ist fraglich. Da er auf der anderen Seite der Tribüne war habe ich auch nicht mitbekommen, ob er RWE irgendwas versprochen hat. In jedem Fall sah er ein Spiel, welches leider im Kampf gegen den Abstieg nicht den erhofften Befreiungsschlag brachte. Bremen ging praktisch bei der einzigen richtigen Chance in Führung und Erfurt brauchte bis kurz vor die Pause, um sich zu fangen. Nach dem verdienten Ausgleich spielte eigentlich nur noch Erfurt, aber es fiel nur noch in der 90. Minute ein Tor. Diesem verweigerte aber der schwache Schiedsrichter die Anerkennung. Es bleiben sorgenvolle Fragen, wie es sportlich weiter geht, wie es finanziell für RWE und die Arena GmbH weitergeht und wie es mit der Westtribüne weiter geht. Am Donnerstag werde ich zur Sitzung des Werkausschusses Multifunktionsarena dabei sein – vielleicht gibt es da Antworten.