Blogeinträge

Von teuren Prognosen und zusätzlichen Radhäusern

CDU-Fraktion kritisiert fehlende finanzielle Deckung bei Vorschlägen der Linken und der Grünen In Anbetracht der kommunalen finanzpolitischen Lage rufen die Vorschläge und Diskussionsbeiträge aus der vergangenen Stadtratssitzung seitens der Linken mit Blick auf eine Wohnungsbedarfsprognose und der Grünen bezüglich des Abstellens von Fahrrädern in der Innenstadt bei den Stadträten der CDU-Fraktion im Erfurter Stadtrat nur Kopfschütteln hervor. “Es ist fraglich, warum die Links-Fraktion erst jetzt eine Mittelbereitstellung für die bereits Anfang des Jahres beschlossene Wohnungsbedarfsprognose fordert. Wäre der Links-Partei ernsthaft etwas an dem Thema gelegen, hätte eine finanzielle Untersetzung bereits im Zuge der Haushaltsplanung geschehen können und müssen”, bemängelt CDU-Fraktionschef Michael Panse. Er ergänzt weiter: “Der Antrag der Linken ist haushaltsmäßig eigentlich nicht gedeckt und angesichts der düsteren finanzpolitischen Prognosen des Oberbürgermeisters nicht vermittelbar.” Zur Klärung der Situation und der rechtlichen Lage in Bezug auf nicht ordnungsgemäß abgestellte Fahrräder hatte die CDU-Fraktion einen Antrag in die Stadtratssitzung eingebracht. Dieser bezieht sich beispielsweise auf Bereiche wie das Blindenleitsystem am Hauptbahnhof. Michael Panse betont dazu: “Unser Antrag richtet sich keineswegs gegen die Radfahrer. Im Gegenteil: Mit dem Prüfauftrag versuchen wir sachliche und gangbare Lösungen für die Situation der Radfahrer zu finden. Wenig sachlich und finanziell kurzfristig nicht umsetzbar erscheint der Vorschlag der Grünen-Fraktionschefin, quasi als Vorbedingung einer rechtlichen Klärung ein weiteres Radhaus zu bauen, ohne andeutungsweise zu sagen, mit welchen Haushaltsmitteln dies finanziert werden könnte.” “Die Stadtratssitzung belegt einmal mehr, dass sich Rot-Rot-Grün im Erfurter Stadtrat, trotz der sich abzeichnenden dramatischen kommunalen Finanzlage, bevorzugt mit kommunalpolitischen Versprechungen und Luftschlössern beschäftigt als mit finanzpolitischer Realpolitik”, resümiert Panse.

Protest vor der Alten Oper

Alte Oper (4)Es muss einiges passiert sein, bevor Künstler und ihr Publikum gemeinsam vor das Haus treten um zu demonstrieren. Heute Abend war es vor der Alten Oper in Erfurt so weit. In der Aufführungspause des Saisoneröffnungsstückes Csardasfürstin standen Publikum, Künster und der Betreiber der Alten Oper Wolfgang Staub gemeinsam vor der Tür. Vor nun über sieben Jahren hatte Wolfgang Staub die Alte Oper von der Stadt übernommen. Seit dem Neubau des Theaters stand sie leer und ihr drohte das Gleiche, wie dem alten Schauspielhaus – der schleichende Verfall. Damals war die Kommunalpolitik froh, dass sich ein engagierter und motivierter Privatmann fand, der weiter kulturelle Angebote dort entwickelte. Inzwischen kommt regelmäßig Gegenwind von der Verwaltung. Vor einem dreiviertel Jahr die Schließung des Hauses und nun pünktlich zum Saisonstart Auflagen und Einschränkungen. Das Fass zum Überlaufen brachte die jünste Mitteilung, dass künftig keine LKWs mehr zum Be- und Entladen vorfahren dürfen. Gut, dass sich Künstler und Publikum mit  Wolfgang Staub solidarisierten. Names der CDU-Fraktion tat ich dies heute Abend auch und wir werden das Thema nun zum Stadtratsthema machen!

Lebenslanges Lernen – Mitteldeutsches Weiterbildungsforum

Ein Teil der Redner an der TU Chemnitz
Ein Teil der Redner an der TU Chemnitz
Für zwei Tage lud Prof. Roland Schöne mit seinem Team zu einem Mitteldeutschen Weiterbildungsforum an die Uni Chemnitz ein. Gäste aus Japan, Polen, der Schweiz und Tschechien berichteten über ihre Ansätze zum Lebenslangen Lernen. An der TU Chemnitz wird dieses Thema beim Seniorenkolleg groß geschrieben und es gibt Vorlesungen vor bis zu 700 Senioren. Aus Sicht des Thüringer Generationenbeauftragten habe ich das Thema vor dem Hintergrund der aktiven Einbeziehung älterer Menschen in die Geselleschaft beleutet. Viele der anwesenden Zuhörer gehören zum sowieso aktiven Teil der Gesellschaft und so ging es bei den anschließenden Gesprächen auch darum, wie man die vereinzelten und zu vereinsamen drohenden Menschen erreicht. Mit der Direktorin des Nomura Centers for Lifelong Integrated Education Japan Yumiko Kaneko aus Tokio ergab sich eine intensive Diskussion. In Japan stellt sich die Frage, wie man mit einer immer älter werdenden Gesellschaft vor dem Hintergrund zurückgehender Geburtenzahlen und zerbrechender Familienverbünde umgeht. Wir haben vereinbart dazu miteinnander im Kontakt zu bleiben. Ich bin sehr daran interessiert, welche Konzepte dazu in Japan verfolgt werden. Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt a.D. hielt am Nachmittag den Festvortrag anlässlich des Ehrenkolloquiums zum 70. Geburtstag von Prof. Dr. Dr. Roland Schöne. Ich kann mich nur respektvoll dem Dank von Prof. Böhmer an die Adresse von Prof. Schöne anschließen. Es ist ein tolles Lebenswerk, welches Prof. Schöne für die Seniorenbildung in Sachsen geleistet hat und weiter auch in Mitteldeutschland leisten wird. Pressetext der Tagung Vortrag beim Weiterbildungsforum

CDU unterstützt BUGA-Bewerbung

Mit der Billigung der Machbarkeitsstudie hat der Erfurter Stadtrat am 7. September den Startschuss für die Bewerbung der Stadt als Ausrichter der Bundesgartenschau 2021 (BUGA) gegeben. Mit Ausnahme der Linken stimmten dem Projekt alle Ratsfraktionen geschlossen zu. Erfurt hat damit nicht nur die Chance auf ein weiteres, öffentlichkeitswirksames Projekt zur Imagepflege. Sollte die Bewerbung erfolgreich verlaufen, kann die Stadt auch darauf hoffen, die dringend notwendigen Sanierungen im Bereich der EGA im Rahmen des nun konzeptionierten Gesamtpakets gefördert zu bekommen. Zur heutigen offiziellen Übergabe der BuGa Bewerbung erklärt der Fraktionsvorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion Michael Panse: „Mit der BUGA in Erfurt würde die Stadt erneut zeigen können, dass der Übergang von der IGA zur EGA gelungen ist. Mit dieser gelungenen Umstellung führt Erfurt seine lange Tradition als Blumen- und Gartenstadt fort und genießt bei den Erfurter Bürgern auch weiterhin größte Akzeptanz.“ Im Fall einer Entscheidung für Erfurt als Austragungsort wird sich die CDU dafür einsetzen, gezielt Angebote für alle Generationen zu entwickeln und neue Interessensgruppen anzusprechen. „Die BUGA ist ein Großereignis für alle Bürger jeder Altersklasse. Erfurt kann sich hier als moderne, junge Stadt profilieren und sollte diese Möglichkeit auch wahrnehmen“, fordert Michael Panse.

Weitblick im Augustinerkloster

Weitblick am historischen Ort
Weitblick am historischen Ort
Beim Abschlussworkshop des Forschungsprojektes “Weiblick” der TU Ilmenau im Erfurter Augustinerkloster habe ich heute gerne ein fachliches Grußwort gehalten und mich über die Projektansätze informiert. Die Wahl der Räumlichkeiten durch die Veranstaltungsorganisatoren war durchaus auch von Weitblick geprägt. Vier Tage zuvor war Papst Bendikt XVI. im Augustinerkloster und so nutzten die Workshopteilnehmer auch das Angebot zu einer Führung durch das Kloster. Das Projekt Weitblick wurde für drei Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Es widmete sich dem Thema “Ambient Assisted Living”, also der Verbesserung der Lebensqualität für Menschen in allen Lebensabschnitten mit Konzepten, Produkten und Dienstleistungen, die neue Technologien und soziales Umfeld miteinander verbinden. Übersetzt meint aal “Altersgerechte Assistenzsysteme für eine gesundes und unabhängiges Leben”. Das Projekt Weitblick bietet ein personalisiertes Dienstleistungs-Informationsportal für Senioren. Über Handy, Internet und mit Fersehgeräten kobinierte Systeme können Informationen aus dem Wohnumfeld, Serviceangebote und Veranstaltungstipps abgerufen werden.
Augustinerkloster Erfurt
Augustinerkloster Erfurt
Insbesondere mit Blick auf das Jahr 2012, also das “Europäische Jahr des aktiven Alterns und der generationenübergreifenden Solidarität” begrüße ich solche Konzepte, die Senioren aktive Teilhabe ermöglichen. Es wird auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wichtig sein, existierende Angebote bis zum aktiven Senioren zu transportieren und ihn zu motivieren diese Angebote zu nutzen. Für das Projekt Weitblick geht es nun darum Folgepartner, wie beispielsweise Wohnungsunternehmen, zu finden, um die Idee weiter zu entwickeln bzw. einzusetzen. Die bisherigen Projektpartner Kirchhoff Datensysteme, Falcom und die AWO haben gemeinsam mit dem Team um Dr.Ross von der TU Ilmenau ein gelungenes Projekt entwickelt. Ich werde dafür werben und es nach Möglichkeiten kräftig unterstützen.

Deutschland 2030 – Zukunft bewußt gestalten – Eröffnungseminar der Point Alpha Akademie

Point Alpha Akademie (3)Um die Gedenkstätte Point Alpha gibt es seit 2008 die Point Alpha Stiftung. Neu ist die Akademie, die künftig mit einem Seminar- und Veranstaltungsprogramm die vielen Angebote um den ehemals “heißesten Punkt” am Eisernen Vorhang. Das Umfang umfasst Seminare und Tagungen zu außen- und sicherheitspolitischen sowie historischen Themen im Zusammenhang mit der SED-Diktatur, der deutschen Teilung und dem Ost-West-Konflikt. Ich war gerne gestern Nachmittag beim Eröffnungsseminar als Referent zu Gast. Allerdings brachte mir die zügige Fahrt im Anschluß an die Messe mit Papst Bendikt XVI. von Erfurt nach Geisa mindestens ein Foto und wahrscheinlich auch ein Ordnungsgeld ein 😉 Deutschland 2030 – wie sehen die Familienstrukturen in 20 Jahren in Deutschland aus? Darüber diskutierte ich mit Stefan Becker, Geschäftsführer berufundfamilie (audit – Herti-Stiftung) und den Seminarteilnehmern. Schnell waren wir uns einig, dass die Erwartungshaltungen an Politik und Gesellschaft starkt davon geprägt sind, welche persönliche Lebenssituation man hat. Was führt dazu, dass sich junge Menschen zwar Familie und Kinder wünschen, es aber immer seltener tun? Was lässt sich gegen den demografischen Wandel insbesondere im ländlichen Raum tun, oder muss man mit den Auswirkungen umgehen lernen? Die Antworten auf diese Fragen wird die Point Alpha Akademie als Seminarergebnis zusammentragen. Für die neue Akademie wünsche ich viele interessierte Seminarteilnehmer und freue mich darauf auch in Zukunft dort in Geisa zu Gast zu sein.

“Wo Gott ist, da ist Zukunft” – das Motto des Papstbesuchs

Papst Benedikt XVI (153)Auf dem Erfurter Domplatz war dieses Motto gestern allgegenwärtig. Der 24-stündige Papstbesuch in Thüringen fand seinen Abschluss mit einer Messe auf dem Erfurter Domplatz. 30.000 Besucher konnten die heilige Messe live verfolgen – mehr gingen nicht auf den Platz zu Füßen von Dom und Severi. Nach der langen Vorbereitungszeit und auch vielen Diskussionen im Vorfeld des Papstbesuchs in Erfurt, habe ich mich sehr gefreut, dass die Messe auf dem Domplatz so ein gutes und klares Signal an die Menschen in Thüringen gesandt hat. “Wo Gott ist, da ist Zukunft” ist ein Motto der Reise. Mir hat gestern als evangelischen Christen besonders auch das Transparent am Dom gefallen, auf dem stand “Keiner soll alleine glauben”. Wie zuvor schon in Etzelsbach würdigte Papst Benedikt XVI. gestern auch das Wirken der Katholiken in der ehemaligenen DDRPapst Benedikt XVI (62)Über den Papstbesuch und seine Botschaft wurde und wird viel in den Zeitungen geschrieben. Mein persönliches Fazit: Ich fand es waren sehr bewegende und emotionale Momente. Auch wenn klare Signale für die weitere Entwicklung der Ökumene ausblieben, war es ein ganz wichtiges Zeichen von Benedikt in das Augustinerkloster zu gehen und wichtige Gespräche zu führen.  Gestern konnte ich viele Fotos auf dem Erfurter Domplatz machen, die ich mir heute Vormittag gemeinsam mit meinem Sohn angesehen habe. Für uns und sicher alle Erfurterinnen und Erfurter war der Besuch beeindruckend und schließlich auch ein historischer Moment in der Geschichte unserer Stadt Erfurt. Fotos vom Papstbesuch in Erfurt 

Steherqualitäten im Andreasried

Stehernacht (3)
Steherrennen im Andreasried
Im Erfurter Andreasried ist die älteste Radrennbahn der Welt zu Hause. Seit einigen Jahren ist an dieser Stelle aber ein moderne Arena auf der immernoch, wie in meiner Jugendzeit regelmäßig Steherrennen veranstaltet werden. Zum heutigen Saisonabschluß stand die Stehernacht unter Flutlicht mit gleich drei Rennen auf dem Programm. Die Mischung zwischen Motorrädern und Fahrrädern hintereinander begeisterte meinen Sohn ebenso wie die Zuschauer in der gut gefüllten Arena. Als Pausenprogramm waren zudem die Trommler von Tympanus Forte auf der Bühne zu erleben. Stehernacht (9)Da dort mein ältester Sohn aktiv dabei ist, gab es also zwei gut Gründe den Abend auf der Radrennbahn zu verbringen. Sieger der Derbynacht wurde Robert Bartko, Weltmeister und Olympiasieger aus Potsdam. Fotos der Stehernacht

Verpasste Chance zur Werbung für den Bundesfreiwilligendienst

Stuttgart 21 (6)
Vortrag zur Integration im Sport
Schade! Bei dem zweitägigen Kongress zu Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit in Stuttgart wurde eine gute Gelegenheit verpasst, für den Bundesfreiwilligendienst zu werben. Gleich drei Landesministerien, federführend das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren und das Bundesministerium, veranstalteten den Kongress. Thematisch ging es um Partizipation und Integration in Europa und zu beiden Themen gab es durchaus gute Fachreferate. Heute Vormittag drehte sich beispielsweise vieles um Integration durch und im Sport. Günes Turan, Sportwissenschaftlerin der Uni Augsburg, führte in das Thema ein. Die Rede der Integrationsministerin von Baden-Württemberg Bilkay Öney entfiel, sie war mit dem Besuch des türkischen Staatspräsidenten beschäftigt. Da auch ein zweites Referat am Nachmittag entfallen musste hatte ich gehofft, dass die zur Verfügung stehende Zeit genutzt würde, um über die Freiwilligendienste im Allgemeinen und den Bundesfreiwilligendienst im Besonderen zu diskutieren. Aber offensichtlich war dieses Thema nicht auf dem Schirm – oder nicht gewollt. Sowohl die Grünen als auch die SPD stehen dem Bundesprojekt eher skeptisch gegenüber. Auch im Thüringer Landtag sollte eigentlich letzte Woche schon eine Protestresolution der Grünen diskutuert werden (kam aber nicht mehr dran). Dennoch halte ich den Bundesfreiwilligendienst für ein wichtiges Instrument der nächsten Jahre, um gesellschaftliches Engagement auszubauen. Bei einem Gespräch mit der Vertreterin des Roten Kreuzes Baden-Württemberg, immerhin einem der größten Träger des FSJ im Schwabenland, konnte ich erfahren, dass es dort rund 1.200 FSJ-Stellen gibt (rund 3.000 Bewerbungen gab es auf diese Stellen). Nach ihren Worten stehen dem nur ganze 50 Stellen des Bundesfreiwilligendienstes gegenüber. Mich überrascht dies nicht, wenn so wenig dafür geworben wird. Auch in BaWü sind es häufig die Arbeitsämter, die Langzeitarbeitslose zu den Trägern des Bundesfreiwilligendienstes schicken. Ich halte dies für eine unglückliche Entwicklung. Es handelt sich eben gerade nicht um eine “Maßnahme für den Arbeitsmarkt” sondern um einen Freiwilligendienst und es ist auch nichts, wo sich Kommunen von ihren Aufgaben entlasten sollten, wie es auch in Thüringen praktiziert wird. Beim Kongress in Stuttgart blieb das Ganze nur ein Randthema zwischen den Gästen. Die Chance bei den rund 150 Kongressteilnehmern dafür zu werben, wurde leider vertan.

Partizipation auf schwäbisch

Stuttgart
Ministerin Katrin Altpeter
Es ist gut drei Jahre her, dass ich das letzte Mal in Stuttgart war und seit dem hat sich zweifellos vieles verändert. Im Rahmen des zweitägigen Kogresses zum “Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit” bleibt auch etwas Zeit die Stadt zu erkunden und Gespräche über die aktuelle Situation im Schwabenland zu führen sicherlich hat sich doch das Politikverständnis völlig gewandelt?!? Kaum aus dem Bahnhof heraus ist das zentrale Thema in Stuttgart sofort präsent. Neben dem Bahnhof sind auf dem innerstädtischen Campingplatz im Schloßgarten noch immer Zelte zu finden. Zwar ist die Zahl der Protestierer gegen Stuttgart 21 deutlich gesunken, aber es sind im Parkgelände noch einige Camps verstreut. Auch die Taxifahrerin konfrontierte mich sofort mit dem “Lieblingsthema” der Stuttgarter. Ich werde aufmerksam verfolgen, was nun im Herbst bei der Abstimmung heraus kommen wird. Im Rahmen des Kongresses stand das Thema “Partizipation und Integration in Europa – voneinander lernen!” im Mittelpunkt. Im Impulsreferat machte Dr. Strachwitz (maecenata Berlin) deutlich, dass er das Web 2.0, Facebook und Twitter als die Medien der modernen Zivilgesellschaft betrachtet. Das mag stimmen, allerdings bin ich der Auffassung, dass Medienverantwortung auch in der modernen Zivilgesellschaft nicht außen vor bleiben darf. Seiner zweiten These von Partizipation als entscheidenten Teil gesellschaftlicher Verantwortung  mag ich nicht uneingeschränkt folgen. Mehr angetan war ich vom Vortrag von Dr. Manfred Hellrigl von der Stabsstelle “Büro für Zukunftsfragen” Voralberg. Die Stabsstelle gibt es seit 11 Jahren und widmet sich drei Themenkomplexen: dem bürgerschaftlichen Engagement, dem Sozialkapital und der nachhaltigen Entwicklung. Nach Auffassung von Dr. Hellrigl ist das Thema der Sicherung des Lebensstandarts der Menschen das dominierende Thema der Zukunft. Er erläuterte, dass gesellschaftlicher Reichtum einher geht mit einer hohen Bereitschaft der Bürger sich zu engagieren. Während in Österreich, Deutschland und in den nordeuropäischen Ländern Quoten von 30-40 Prozent erreicht werden, liegen die Engagementsquoten in Griecheland, Italien und Irland bei unter 10 Prozent. Um Bürger zu motivieren mitzumachen, wird in Voralberg ein eigener Weg gegangen, der über Gesetze, Kampagnen, Förderungen, Ehrungen und Würdigungen (die üblichen Instrumente) hinaus geht. Es geht dort um Partizipation der Bürger und ein Miteinander auf Augenhöhe. Das Instrument der BürgerInnenräte hat sich dort bewährt. Dr. Hellrigl nennt es Demokratie 2.0 und ich teile seine Einschätzung. Ob und wie Demokratie 2.0 auf den Ausgang des Projektes Stuttgart 21 wirkt, bleibt noch abzuwarten. Katrin Altpeter, Sozialministerin von Baden-Württemberg ging dem Thema bei ihrem Grußwort lieber aus dem Weg.
Stuttgart (6)
Rot-Front auch in BaWü
Wesentlich deutlicher war da die Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung (also ehrenamtliches Engagement) Gisela Erler. Die Tochter des promineneten SPD-Politikers Fritz Erler ist Grüne und beschwor eine “neue Gründerzeit”, die von der neuen grün-roten Landesregierung ausgehen werde und die “Einbeziehung verschiedener Subkulturen”. Für bürgerschaftliches Engagement setze die Landesregierung nach ihren Worten auf die Verbesserung steuerlicher Rahmenbedingungen, Richtlinien und Leitfäden für den Bürgerdialog für die Verwaltung und Aufwandsentschädigungen. Sie selbst betonte, sie übe ihr beratendes Amt für die Landesregierung ehrenamtlich aus – lediglich mit einer Aufwandsentschädigung.
Stuttgart (4)
Innenstadtindianer im Schloßgarten
Was Aufwandsentschädigung im grün-roten Schwabenland bedeutet, habe ich nach dem netten Hinweis einer Bekannten 🙂 einmal gegoogelt – Web 1.0 halt. Das Ehrenamt bringt immerhin 3.000 Euro monatlich plus Reise und Unterkunftskosten, wie es die Stuttgarter Zeitung erklärt. In Verantwortung von Frau Erler wird die Infobroschüre zur Volksabstimmung für Stuttgart 21 entstehen, ganz objektiv und wahrscheinlich auch ehrenamtlich. Da bin ich mal sehr gespannt und werde mich von Stuttgarter Freunden dazu auf dem Laufenden halten lassen.