
Gut gegengehalten

Ihr Stadtrat für Erfurt











Doch nach der Zehn-Minuten-Pause sollte sich Ungeahntes abspielen. War es eine zu frühe Siegesgewissheit auf Gästeseite oder der nie endende Wille des Underdogs? Vielleicht auch von beidem was? Jedenfalls hatten die Erfurterinnen wieder den besseren Start und bauten ihre Führung vom 8:7 zum 16:12 aus, behaupteten diesen bis zum 22:18 kontinuierlich und holten per Block den entscheidenden Punkt zum 25:18. Das von vielen erhoffte Minimalziel war erreicht. Doch die bis dahin gezeigte Leistung, vor allem mit einer stabilen Annahme um das Trio Reinisch/Casault/Saita und einer immer stärker werdenden Block/Feldverteidigung, ließ die SWE-Damen Lunte riechen, dass sogar mehr gehen könnte.
Mit einem 5:0-Start in den vierten Durchgang schienen sie auf dem richtigen Weg. Jedoch folgte danach ein 7:0-Run des USC Münster und das oft anfällige Pflänzchen namens Schwarz-Weiß-Erfurt, drohte wie so oft in dieser Saison abzuknicken. An diesem Abend war aber irgendwie alles anders. Beide Mannschaften lieferten sich eine wahrhaftige und sehenswerte Abwehrschlacht. Auf der einen Seite prügelten Vanjak, Lohuis, Bathen und Kastrup drauf, was die gut gestellten Bälle von Mareike Hindriksen hergaben und auf der anderen Seite waren es die Mittelblockerinnen Thater/Gadelha de Souza sowie eine bärenstarke Erika Mercado, die alles in Waage hielten. Beim 19:16 waren die Gastgeberinnen auf einem guten Weg zum Satzausgleich, jedoch hielt die Führung nicht, beim 23:24 hieß es Matchball Münster. Diesen und zwei weitere verwerteten die Gäste aber nicht, ebenso wie die Erfurterinnen ihren ersten Satzball nicht nutzen konnten. Es stand 27:27 und nicht nur bei beiden Teams waren die Nerven bis zum Maximum strapaziert. Dass am Ende die mit dem Rücken zur Wand stehenden SWE-Damen die letzten beiden Punkte zum 29:27 machen würden, durfte man nicht unbedingt erwarten. 2:2 nach Sätzen, jedes Team hatte einen Punkt, der Tiebreak musste nun den Sieger hervorbringen.
Während die Thüringerinnen sich in einen Flow gespielt hatten, vermochten die Unabhängigen den Schalter nicht mehr umzulegen. Schwarz-Weiß dominierte den Entscheidungssatz, wechselte beim 8:4 letztmals die Seite und ließ sich nicht mehr einholen. Als beim Stand von 14:11 Erika Mercados Angriff knapp neben der Linie landete, musste der Siegesjubel der euphorischen Zuschauer noch abgebrochen werden. Kurz danach brachen dann aber alle Dämme, als Chiara Hoenhorsts Aufschlag ins Seitenaus flog – Jubel allenthalben. Gerade nach dem 0:2-Rückstand hätte diesen Spielausgang keiner mehr erwartet. Während sich Juliet Lohuis mit einer 60%-Angriffsquote die silberne MVP-Medaille verdiente, bekam Erika Mercado die goldene. Die Erfurter Diagonal-Angreiferin, hatte mit 67 Angriffen (29 Punkte + 4 Blockpunkte) körperliche Schwerstarbeit zu leisten. Erfurts überglücklicher Trainer, Jonas Kronseder, legte aber Wert darauf, dass dieser Sieg ein Erfolg der gesamten Mannschaft war. „Jede Spielerin hat von Beginn an gekämpft und nie nachgelassen. Es war ein gemeinsam erkämpfter Erfolg.“
Erfurt hat nach Punkten jetzt zum Konkurrenten Suhl aufgeschlossen und somit ein Lebenszeichen gesendet. Das nächste Spiel bestreiten die Kronseder-Schützlinge in anderthalb Wochen beim VC Wiesbaden.
Bilder vom Spiel
