Infobrief der Stadtratsfraktion
Kommunalpolitischer Frühling? Leider nur auf dem Deckblatt unseres Infobriefes und glücklicherweise jetzt auch in der Natur. Ansonsten ziehen im Rathaus kommunalwettermäßig eher Gewitterwolken auf. In der letzten Stadtratssitzung war einmal wieder ein neuer Tiefpunkt erreicht. Sechs Beanstandungen von Stadtratsbeschlüssen aus vergangenen Sitzungen. Drei neue Beanstandungen, Beschlüsse von Rot-Rot-Grün die definitiv nicht umsetzbar sind, Schaufensteranträge zum Kulturlastenausgleich und einiges mehr, wäre zu benennen.
Eine denkbar schwache Nummer war auch die Teilnahme an der Stadtratssitzung. Die Hälfte der Dezernenten und über weite Teile auch der Oberbürgermeister schenkten sich ihre Teilnahme. Mittwoch Abend schwächelten die links-link-grünen Fraktionen un brachen 23 Uhr die Sitzung ab. Bei der Fortsetzung am Donnerstag waren gerade einmal die Hälfte der Stadträte anwesend (u.a. Jahresempfang der Linken). 19 Uhr beendete dann ein SPD-Stadtrat die Sitzung indem er ging und damit die Beschlussunfähigkeit herstellte – es war der gleich Kollege, der vor drei Wochen protestierend die Sitzung verlassen hatte.
Trotz dieser wenig erfreulichen Randerscheinungen finden sich in unserem aktuellen Infoblatt auch noch inhaltliche Punkte. Viel Spaß beim Lesen 😉
Link zum Infobrief April/Mai
Virtuell dabei…
Spannung gab es bis zum Schluss und auch wenn wir als SWE Volley-Team unsere Saison 2015/2016 sowohl in der 2. Bundesliga als auch im Pokal bereits beendet haben. Die Meisterschaft in der 1. Bundesliga war in diesem Jahr ausgesprochen spannend und bis zum letzten Spiel offen. Unsere künftigen Mitbewerberinnen in der 1. Liga, die Damen vom Dresdner SC und Allianz MTV Stuttgart, schenkten sich nichts und gewannen jeweils ihre beiden Heimspiele.
Das fünfte Spiel in der Margon-Arena musste heute die Entscheidung bringen. Während ich bei der CDU-Kreisvorstandssitzung überwiegend interessiert der Beratung folgte, lief nebenbei der Live-Stream im Internet und ich konnte virtuell das Spiel verfolgen. Der erste und der zweite Satz waren eine klare Sache für die Dresdnerinnen. Den dritten und letzten Satz verfolgte ich dann schließlich selbst sportlich aktiv auf dem Crosstrainer im Sportpark Johannesplatz – neuerdings mit Internetzugang 😉
Freies Wort
Auch der dritte Satz ging nach anfänglicher Führung für Stuttgart schließlich klar an Dresden. Glückwunsch an die Elbestädterinnen vom SWE Volley-Team und Respekt für den dritten Titel in Folge. ich freue mich sehr auf die Spiele im kommenden Jahr in Dresden, aber auch in Stuttgart und selbstverständlich auch in Suhl.
Das Freie Wort hat in einem Zeitungsartikel noch einmal die Geschichte der VolleyStars und unserer Kooperation aufgearbeitet und dabei das Ende der “Seilschaft” anknüpfend an unsere gemeinsame Bergtour vor drei Jahren beschreiben. Dies ist nun wirklich Geschichte und als Mitbewerber in der 1. Liga werden wir uns in der nächsten Saison im sportlichen Wettstreit messen. Und ja, zu der Aussage in dem Artikel “ich spiele lieber ein Thüringen-Derby in Suhl, als ein Auswärtsspiel in Hamburg” stehe ich.
Vorstellung der Innenstadtpläne
Nach Jahren der Stagnation kommt nun Bewegung in gleich mehrere Bauprojekte in der Landeshauptstadt. Neben der ICE-City gibt es nun wieder intensivere Bestrebungen zur baulichen Erweiterung des Thüringenparks und zudem ein neues Bauprojekt zu einer Angerpassage. Damit kommen nun auch wieder kommunalpolitische Diskussionen auf und die CDU hat den Ball gleich mehrfach aufgenommen.
Vor einigen Wochen bereits stellte der Vertreter der Krieger-Gruppe in der CDU-Stadtratsfraktion seine Pläne zur Erweiterung des Thüringenparks vor. Weitgehend Einigkeit bestand, dass zunächst ein unabhängiges Gutachten erstellt werden solle, welches den Einfluss auf den innerstädtischen Handel beurteilen soll. Es folgte eine Veranstaltung der CDU-Ortsverbände des Erfurter Nordens und der Jungen Union, die sich jeweils für eine Erweiterung des Thüringenparks aussprachen.
Volles Haus im Ursulinenkloster
Vorigen Donnerstag luden nun die CDU-Ortsverbände „Am Petersberg“ und „Am Steiger“ zu einer Veranstaltung in das Ursulinenkloster ein, bei der Investor Heiner Kieft seine Pläne für eine Einkaufsgalerie zwischen Anger und Bahnhofstraße präsentierte. Für zusätzliches Interesse hatte die vorherige Presseberichterstattung gesorgt, die suggerierte, dass er dieses Projekt nur angeht, wenn der Thüringenpark nicht erweitert wird. 50 interessierte Gäste waren gekommen und beteiligten sich sehr intensiv an der Diskussion. Begrüßt wurde das innerstädtische Engagement von Kieft uneingeschränkt – allerdings gab es emotionale Diskussionen um den Einfluss einer Erweiterung des Thüringenparks auf den innerstädtischen Handel.
Bereits jetzt macht die Online-Konkurrenz insgesamt dem Handel zu schaffen. Rund 20 Prozent der Umsätze werden derzeit online erzielt. Zwar gibt es im Handel einen Umsatzzuwachs von rund 16 Prozent, aber dieser betrifft ausschließlich den Online-Bereich. Erfurt befindet sich mit seiner Innenstadt derzeit an 7. Stelle, was die Attraktivität angeht (Hamburg, Berlin, München, Dresden, Leipzig und Köln liegen vor uns). Diese Position soll sich möglichst noch verbessern in jedem Fall aber nicht verschlechtern. Hans-Jochen Spilker kritisierte vor allem die Parkplatzsituation in der Erfurter Innenstadt bzw. an der Peripherie – ein Thema, welches die CDU kontinuierlich aufgreift.
Die beiden CDU-Ortsverbände sprachen sich für eine Stärkung der Innenstadt und somit für eine Umsetzung der Pläne von Heiner Kieft aus. Neben dem geplanten Parkhaus an der Reglermauer, welches schon im Juni eröffnet werden soll, soll dabei auch die Brachfläche am Centrum bebaut werden. Neue Einzelhändler sollen sich mit hochwertigen Angeboten in Erfurt präsentieren können und auch das ehemalige Buch Habel wieder belebt werden. Sieben Jahre ist das ganze schon in der Planungsphase – es wird aus Sicht der CDU Ortsverbände höchste Zeit für die Umsetzungsphase.
Die große Indigo-Familie
Nahezu jedes Wochenende hat inzwischen so viele Termine, dass ich nicht mehr hinterher komme, jedem Termin auch einen eigenen Eintrag zu widmen.
Insofern werde ich mich jetzt zukünftig stärker auf die jeweilige Wochenendzusammenfassung am Sonntagabend konzentrieren 😉
Freitag startete das Wochenende mit der CDU-Ortsvorsitzendenkonferenz in Alach. In Vorbereitung der Bürgermeisterwahlen Anfang Juni war das Treffen der Ortsverbandsvorsitzenden mit den Kandidaten wichtig – wenngleich auch das Thema Gebietsreform die Diskussion bestimmte.
Bike-Tour
Samstag ging es kommunalpolitisch weiter. 140 Jahre Freiwillige Feuerwehr Erfurt-Gispersleben wurde gefeiert – wie sich das bei der FFW gehört, mit einem Festappell. Am Nachmittag ging es erst zu den Indigos zum Saisonauftakt gegen die Hanfrieds Jena. Die Tackle-Jugend gewann ihr Spiel mit 44:34 und die „großen“ Indigos verloren leider mit 6:7. Auf dem Mannschaftbild waren dann auch die Cheerleader und die Flag-Jugend dabei. Mein Sohn musste dann in die Thomaskirche zur Probe für den heutigen Gottesdienst und ich habe das schöne Wetter zu einer Motorradtour nach Herbsleben genutzt (inklusive Spargelbeschaffung).
Geburtstag in Uder
Der heutige Sonntag war Tag der Arbeit – zumindest für Gewerkschaftler und Polizeibeamte. Zu „arbeiten“ hatten auch die Konfirmanten der Erfurter Thomaskirche. Ihren Vorstellungsgottesdienst gestalteten sie komplett selbst, inklusive Predigt. Wir waren als Eltern mächtig stolz auf unseren großen Jungen. Nächsten Sonntag ist dann die Konfirmation mit großer Feier.
Gefeiert wurde heute Abend auch noch. Die Verbindung vom „Tag der Arbeit“ zur Katholischen Bildungs- und Ferienstätte Uder im Eichsfeld findet sich auch. 1955 erklärte Papst Pius XII. den 1. Mai zum Gedenktag „Josef des Arbeiters“. In der Joseph-Kapelle fand heute Abend eine Andacht zum 25jährigen Jubiläum der Bildungs- und Ferienstätte statt. Unter anderem waren auch Dieter Althaus und seine Gattin zu Gast. Er hat in den zurückliegenden Jahren die Bildungsstätte immer wieder unterstützt.
Auffällige Leere auf der Regierungsbank im Stadtrat
Etliche Beschlüsse im Stadtrat drehten sich wieder um das nicht vorhandene Geld. Sozialticket und Kulturförderung waren zwei Themen wo überdeutlich wurde, dass die Haushaltssitzung der Landeshauptstadt der rot-rot-grünen Stadtratsmehrheit völlig gleichgültig ist.
Einen Schaufensterantrag, der vermeintlich die Kultur in Erfurt von der Last der vorläufigen Haushaltführung befreien soll, stellten die Grünen. Sie fordern, Mittel aus dem Kulturlastenausgleich separat für Kultur in Erfurt einzusetzen. Dieser Antrag läuft jedoch eher unter der Kategorie Wünsch-Dir-Was, weil er der Kultur nicht hilft da er haushaltsrechtlich nicht umsetzbar ist, weil Fördermittel nicht einfach umgewidmet werden können und die Gelder pauschal dem Haushalt zu fließen.
Ich habe für unsere Fraktion die Grünen auch deshalb kritisiert, weil sie das Hauptproblem immer noch ausblenden. Sie hätten bereits letztes Jahr die CDU-Fraktion in ihrem Drängen des Oberbürgermeisters zu einem Haushaltsentwurf für 2016 unterstützen können. Dann wäre nämlich solch ein haushaltsrechtlich fragwürdiger Antrag auch nicht notwendig und auch die Erfurter Kultur stünde nicht in der derzeitigen Bedrängnis. Die CDU-Fraktion unterstützte den Grünen-Antrag nicht, sondern forderte den Oberbürgermeister erneut auf, umgehend einen Haushaltsentwurf vorzulegen, damit wäre der Kultur in Erfurt nicht nur punktuell, sondern im Ganzen geholfen.
Rot-Rot-Grün jedoch stimmte für den Ursprungsantrag und verabschiedete damit einen haushaltsrechtlich äußerst bedenklichen Beschluss. Damit wurde ein weiterer Fall zur Prüfung für das Landesverwaltungsamt geschaffen. Der Grünen-Antrag ist reine Symbolpolitik, ohne irgendwelche Folgen. Es wird sich für die Kultur in Erfurt kaum etwas verbessern.
Die CDU-Fraktion richtet sich mit der Ablehnung des Grünen-Antrages nicht gegen die Kultur. Wir sind aber dagegen, die Menschen hinters Licht zu führen. Wenn ein Antrag fachlich fehlerhaft ist, können wir dies nicht durch eine Enthaltung oder Zustimmung tolerieren stillschweigend hinnehmen. Noch nicht einmal gut gemeint war der Antrag und zudem schlecht gemacht. Es ging um einen Schaufensterantrag und nichts anderes.
Ich habe eine Freisprecheinrichtung…
Gleich zwei Mal hatte ich in dieser Woche das Thema Verkehr in der Diskussion. Am Dienstag war ich einmal wieder beim Auto Club Europa (ACE) zu Gast. Bei der Jahrestagung habe ich in der Gaststätte im Bowlingcenter im Rieth zu den Kommunalfinanzen und zur Verkehrssituation in Erfurt gesprochen. Obwohl vor mir die Verkehrsministerin Birgit Keller (Linke) und nach mir Urs Warweg (SPD-Stadtrat) gesprochen haben, blieb es „friedlich“ und streitfrei.
Das war dann gestern im Stadtrat etwas anders. Die SPD-Fraktion stellte einen Antrag, der eigentlich plakativ eher von den Grünen zu erwarten gewesen wäre. Laut dem Antrag wollte die SPD-Fraktion die Clara-Zetkin-Straße auf eine Spur verringern und damit eine der Hauptverkehrsadern Erfurts ins Verkehrschaos stürzen. Damit würde ein Nadelöhr noch schmaler werden. Besonders in den Stoßzeiten ist die Zetkin-Straße in der jetzigen Verkehrsführung äußerst stark frequentiert. Die Feinstaubbelastung und der CO2-Ausstoß in dem Bereich würden durch zusätzlichen Anfahrverkehr sicherlich nicht geringer werden.
Zu Gast beim ACE
Die Grünen unterstützten den SPD-Antrag trotzdem – wahrscheinlich damit sie einen triftigen Grund für die Umweltzone schaffen können. Zum Schmunzeln war ein fachlich-formeller Fehler der SPD-Fraktion, auf den Stadtrat Jörg Kallenbach in seinen Anmerkungen versuchte, aufmerksam zu machen. Der Antrag sprach von der Reduzierung auf eine Spur, nicht etwa von einspurig, was fachlich der korrekte Ausdruck wäre, um beide Fahrtrichtungen zu berücksichtigen. Würde man dem SPD-Antrag in der vorgelegten Fassung folgen, gäbe es nur noch eine einzige Fahrspur für die Zetkin-Straße. Wohlmöglich müsste man sie dann sogar zu einer Einbahnstraße machen.
Die CDU-Fraktion ganz klar ist für die Beibehaltung des Ist-Zustandes, weil die Auswirkungen für den Verkehr als äußerst kritisch einzustufen sind. Zudem sieht der SPD-Antrag eine Testphase vor, die der Stadt noch mal circa eine lockere Million kosten würde – ein teures Experiment mit unabsehbaren Folgen und das bei der derzeitigen Haushaltslage. Der Antrag wurde in den Bau- und in den Finanzausschuss verwiesen. Wie am Dienstag bei ACE ging es auch im Stadtrat und das nicht vorhandene Geld – aber das ist schon wieder eine Geschichte für sich.
Früh am Abend…
Mehrheitlich Koppelgeschäfte wurden gestern im Stadtrat verhandelt. Rot-Rot-Grün wollte die Blamage der letzten Stadtratssitzung (Abstimmung zur KoWo) verdrängen und neue Tretmienen umgehen und auch die Verwaltungsspitze musste irgendwie mitspielen.
Erster Interessenspunkt KoWo. Unser Antrag den Tagesordnungspunkt 9.8 zur KoWo abzusetzen wurde mehrheitlich abgelehnt. Ich hatten beantragt, den Tagesordnungspunkt zur KoWo abzusetzen, weil die Tatsache, dass dieser erneut auf der Tagesordnung des Stadtrates war, nachdem er bereits in der vorherigen Sitzung abgelehnt wurde, aus Sicht der CDU-Fraktion rechtswidrig ist. Es widerspricht nach unserer Auffassung demokratischen Prinzipien, dass der Beschluss der letzten Ratssitzung damit ignoriert wird.
Die Entlastung der Geschäftsführung und die Bestätigung des Jahresabschlusses der KoWo erfolgte schließlich einstimmig, nachdem wir eine getrennte Abstimmung beantragt hatten. Streitbehaftet war die Frage der Höhe der Gewinnausschüttung. Zwisch Null über 500.000 bis 750.000 reichte die Spannbreite von CDU über Linke bis zur Stadtverwaltung (und ursprünglich SPD/Grüne). Um den nächsten Eklat zu vermeiden stimmten SPD/Grüne den Linken zu. Deal zugunsten der Linken!
Wir halten das Zustandekommen des Beschlusses für rechtswidrig – jetzt wird sich das Landesverwaltungsamt damit beschäftigen müssen.
Zweites großes Thema: der Antrag der Grünen zum Kulturlastenausgleich. Ein reiner Schaufensterantrag der Grünen – der keinerlei Wirkung entfalten kann. Er ist haushaltsrechtlich nicht umsetzbar, dies hat die Verwaltung in einer Stellungnahme klar formuliert. Der eigentliche Skandal ist dabei auch nicht die Beratungsresistenz von Rot-Rot-Grün, sondern dass keinerlei Bereitschaft besteht das eigentliche Problem zu lösen. Es gibt keinen ausgeglichenen Haushaltsentwurf und schuld daran ist die Politik der letzten Jahre. Rot-Rot-Grün und der Oberbürgermeister haben dies zu verantworten. Wenn die Grünen der Breitenkultur helfen wollten, hätten sie auf die umgehende Vorlage eines Haushaltsentwurfs drängen müssen. Wir haben den Antrag zum Kulturlastenausgleich deshalb abgelehnt. SPD und Linke haben zugestimmt (letztere erklärten aber, dass dies pure Symbolpolitik sei). Deal zugunsten der Grünen!
Aber auch damit wird sich das Landesverwaltungsamt nach einer Beanstandung beschäftigen müssen.
Drittes großes Thema Dreienbrunnenbad bzw. Bäderkonzept. Vollmundig erklärten alle Fraktionsvertreter für die Bäder zu sein. Anträge gab es dazu von SPD und Grünen. Gemeinsam mit den Linken fummelten sie ihre Anträge zu einem weichen Kompromiss, den auch die Verwaltung mittragen konnte. Unseren Antrag eine klare Formulierung (dauerhafter Erhalt des Dreienbrunnenbades als Familienbad) aufzunehmen, lehnten die links-link-grünen Kollegen ab. Er war bei ihnen angeblich intern nicht mehrheitsfähig. Deal zugunsten Linke/SPD.
Ein vierter Punkt kam gestern nicht mehr zur Abstimmung – der Rückbau der Clara-Zetkin-Straße auf zwei Spuren steht auf Antrag der SPD heute noch an. Mal sehen was die links-link-grüne Teppichhändlerrunde heute Abend noch so präsentiert.
Verhandlungsgrundlage…
Inzwischen macht es durchaus Sinn, das Erfurter Rathaus nur noch mit der Thüringer Kommunalordnung (ThürKO) bzw. den diversen Kommentierungen und Auslegungen in Buchform zu betreten. Die Stadtratsarbeit ist leider auch in dieser Woche eher von Formalien und Geschäftsordnungsstreit, als von inhaltlicher Arbeit geprägt. Wie bereits bei der letzten Stadtratssitzung Anfang April geht der beanstandungspolitische Irrsinn im Rathaus heute Abend munter weiter.
Gleich 9 Stadtratsbeschlüsse beabsichtigt der Oberbürgermeister zu beanstanden. Neben den bereits bekannten Themen bei denen er den Stadtrat für unzuständig hält (Ladenöffnung 1. Mai, Unterbringung von Flüchtlingen, Schulinvestitionen, Ausstellung Begrüßungsgeld, Sozialticket, ADFC) sind noch drei weitere hinzu gekommen.
Der Beschluss zum Jahresabschluss der KoWo dürfte dabei die größte Brisanz haben. Für die CDU-Stadtratsfraktion werde ich heute Abend erläutern, warum wir es für einen klaren Verstoß gegen unsere Geschäftsordnung halten, dass dieser, bereits Anfang April mehrheitlich abgelehnte Beschluss, wortgleich wieder auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Der Oberbürgermeister begründet dies mit einer (nun nachgeschobenen) Beanstandung des damaligen Nichtbeschlusses. Allerdings gibt es bis jetzt weder das Protokoll der Sitzung vom 6.4.2016, noch eine Drucksache mit einer Beanstandung. Ich habe keinen Zweifel, dass der sanfte Druck bzw. die Disziplinierung auf die SPD-Fraktion Wirkung zeigen wird und die beim letzten mal fehlenden drei Genossen dieses Mal da sein werden. Ob sich aber auch die Linken zu einem eigentlich ungewollten Beschluss nötigen lassen, werden wir bei der Abstimmung erleben. In jedem Fall wird dies wohl ein Thema für die Kommunalaufsicht, das Landesverwaltungsamt, werden.
Vorsorglich, damit es nicht langweilig wird, hat der Oberbürgermeister schon einmal die nächsten zwei Baustellen “aufgerissen”. Zum Antrag linken Antrag Information des Stadtrates zum Krankenstand in der Stadtverwaltung und dem Antrag der SPD Kultur und Soziokultur auf städtischen Flächen kündigte er mögliche Beanstandungen an. Wenn er dann konsequent bleibt, müsste dies auch den grünen Antrag zur Kulturförderung treffen. Zur Zeit zeigt der Oberbürgermeister mit seiner Stadtverwaltung eine merkwürdige Begabung nahezu alle Fraktionen zu verärgern.
Die eigentlich dringen notwendigen kommunalpolitischen Entscheidungen kommen dabei unter die Räder. Ein Haushalt ist weit und breit nicht in Sicht. Während andere Städte ihren Haushalt in diesen Tagen beschließen hat Erfurt noch nicht einmal einen Entwurf. Im Gegenteil – von einem ausgeglichenen Entwurf entfernt sich die Stadt. Im Hauptausschuss verkündeten der Oberbürgermeister und seine Sozialbürgermeisterin gestern, dass ab sofort das Sozialticket wieder bezahlt würde. Das Landesverwaltungsamt habe es der Pleite-Stadtverwaltung “erlaubt” diese freiwillige Leistung auch im Rahmen der vorläufigen Haushaltsführung fortzusetzen. Das Motto im Erfurter Rathaus ist augenscheinlich “lasst uns das Geld schnell ausgeben, bevor es alle ist”.
Tagungsprogramm
“Willkommen: Flüchtlingsfamilien in der Familienbildung” lautete der Titel der gestrigen Fachtagung der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie (eaf) in Berlin. Als Tagungsort war ein durchaus historischer Ort gewählt. Im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Nachbarschaft des Friedrichstadtpalastes tagte vor über 26 Jahren, am 7. Dezember 1989 das erste Mal der zentrale Runde Tisch und schaffte die Basis für viele politische Veränderungen und letztlich den Weg zur Deutschen Einheit. Sowohl der Kirchensaal (sieht noch aus wie vor 26 Jahren) als auch Tafeln im Bonhoeffer-Haus erinnern an diese spannende Zeit. Mit Interesse habe ich in der Tagungspause heute die Schrifttafeln gelesen – es ist schon Wahnsinn, dass die über ein viertle Jahrhundert her ist!
Fachlich ging es bei der eaf-Tagung um das Verständnis für Flüchtlingsfamilien, die zu uns gekommen sind. Die interkulturelle Kompetenz in der Zusammenarbeit mit Flüchtlingen ist nicht automatisch vorhanden, selbst bei vielen Helfern, die es besonders gut meinen. Fortbildung für Ehren- und Hauptamtliche ist notwendig. Bei den aktuell zurück gehenden Flüchtlingszahlen ist erstmals auch etwas Zeit dafür. Hilfestrukturen, die es gibt, müssen zielgenau wirken aber vor allem die Menschen erreichen. Besonders deutlich wurde bei der Tagung auch, dass Hilfe immer auch Hilfe zur Selbsthilfe sein muss. Dauerhafte Hilfesysteme führen dazu, dass Menschen nicht in ihren eigenen Möglichkeiten gestärkt, sondern langfristig bevormundet werden. Ich sehe ein wichtige Herausforderung darin, die Flüchtlinge mit ihren individuellen Stärken wahrzunehmen und zu fördern.
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet eine bundesweite Workshop-Reihe mit dem Titel “Elternbegleitung für geflüchtete Familien” an. Diese Reihe findet 30 Mal in ganz Deutschland statt – am 22. Juni 2016 auch in Arnstadt.
Bilder der eaf-Tagung
Begeisterter Applaus
Knapp 150 m sind es nur bis zum Erfurter Theater von mir zu Hause. Insofern sind wir oft und gerne und vor allem auch schnell im Theater.
Gestern Abend gab es aber eine doppelte Premiere. Erstmals war unser Sohn Jonas bei einer Oper mit im Theater. Seit er Fagott spielt, ist er musikalisch interessiert und zu einem Konzert waren wir auch schon gemeinsam, aber eine Oper eben noch nicht.
Mit Macbeth stand auch ausgerechnet eine recht „gewalttätige“ Oper auf dem Premierenspielplan. Erschwerend natürlich in Italienisch, aber wenigstens mit Texteinblendung. Den Shakespeare-Stoff als Verdi-Oper konnte ich meinen Sohn am einfachsten noch als historische „House of cards“-Variante erklären. Die blutige Art sich zur Königskrone zu schieben demonstrierten Herrscherpaare in allen Jahrhunderten.
Die Premiere von Macbeth war gestern Abend ein umjubelter Erfolg am Theater in Erfurt. Und das wichtigste – unser Sohn ist jetzt Theaterfan und hat schon einmal im Spielplan nachgesehen, was ihn noch alles interessieren könnte. Zwar ist die Spielsaison schon bald wieder zu Ende, aber neben dem traditionellen Abschlusssinfoniekonzert auf dem Theatervorplatz werden wir sicherlich auch zu den Domstufenspielen gehen.
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